Wirtschaft

Studie

Fachkräftemangel bremst das Wachstum - und kostet so an die 30 Milliarden Euro

Wir haben Arbeit, aber keine Leute - so geht es zunehmend mehr Betrieben in Deutschland. Der Mangel an Fachkräften schmälert inzwischen spürbar die Wirtschaftskraft.

DPA

Werk des Maschinenbauers Schuler in Göppingen

Montag, 16.04.2018   07:09 Uhr

Könnten die Betriebe alle entsprechenden Stellen mit Fachkräften besetzen, würde die Wirtschaft in Deutschland noch stärker wachsen - und zwar deutlich. Der Engpass bei qualifiziertem Personal verringert das deutsche Wirtschaftswachstum um jährlich bis zu 0,9 Prozent. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor, über die die "Rheinische Post" berichtet.

Demnach fehlen etwa 440.000 Fachkräfte. Anderenfalls könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um bis zu 30 Milliarden Euro höher ausfallen, heißt es in der Studie. Die schwierige und oft erfolglose Suche nach Fachkräften sei ein wichtiger Grund für niedrige Unternehmensinvestitionen und überlastete Kapazitäten.

Auf der Liste der Sorgen steht der Fachkräftemangel bei vielen Unternehmen inzwischen tatsächlich auf einem der Spitzenplätze. Kürzlich ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 24.000 Unternehmen, dass 60 Prozent aller Betriebe den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko bewerten. Vor acht Jahren waren es noch lediglich 16 Prozent gewesen.

Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse: Was ist dran am deutschen Jobwunder?Diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Einer Berechnung des Basler Forschungsinstituts Prognos zufolge könnten im Jahr 2030 bis zu drei Millionen Facharbeitskräfte fehlen - selbst wenn jedes Jahr 200.000 qualifizierte Menschen zuwandern würden. Hauptgrund für die Verschärfung ist die Demografie: Ab der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre werden die Babyboomer in Rente gehen und können bei weitem nicht durch Jüngere ersetzt werden, die in den Arbeitsmarkt nachrücken werden.

fdi/dpa

insgesamt 134 Beiträge
eskir 16.04.2018
1. Das Märchen vom Fachkräftemangel
Gibt einen interessanten Beitrag dazu, wenn ich mich nicht irre sogar auf SPON. Das Problem ist meiner Meinung nach einfach die fehlende Bezahlung und die völlig unrealistischen Vorstellungen der Personaler (Die oftmals [...]
Gibt einen interessanten Beitrag dazu, wenn ich mich nicht irre sogar auf SPON. Das Problem ist meiner Meinung nach einfach die fehlende Bezahlung und die völlig unrealistischen Vorstellungen der Personaler (Die oftmals sowieso nicht wissen, wonach sie eigentlich suchen) - Die Leute die mit 23 schon 5 Jahre im Ingenieurswesen gearbeitet haben lassen sich eben nicht mit 30k€/J vor Steuern abspeisen. Da gibt es weiter im Süden und im Westen, wenn nicht sogar auch im Osten schlicht bessere Konditionen. Warum also in Deutschland arbeiten? Aber statt etwas an der Situation zu verbessern wird der Politik und der Öffentlichkeit lieber was vom Fachkräftemangel rumgeheult.
In Vino Veritas 16.04.2018
2. Nein nicht schon wieder ...
Hört doch mal bitte auf mit diesem Fachkräftemangel. Wenn die Wirtschaft Leute benötigen würde, dann würden auch die Löhne explodieren. Ein Mangel mag wohl in Teilbereichen existieren, aber sicher nicht repräsentativ für [...]
Hört doch mal bitte auf mit diesem Fachkräftemangel. Wenn die Wirtschaft Leute benötigen würde, dann würden auch die Löhne explodieren. Ein Mangel mag wohl in Teilbereichen existieren, aber sicher nicht repräsentativ für die Wirtschaft sein. Man bildet als Unternehmen nicht mehr aus und investiert in die eigenen Mitarbeiter mit Weiterbildung.
auf_dem_Holzweg? 16.04.2018
3. Warum haben wir Fachkräftemangel
Es liegt klipp und klar an der völlig undurchdachten Lobby-Politik und schlechten Schulpolitik von Merkel. Besonders schulische Ausbildung wird kaum gefördert, Gehälter sind gar nicht mehr lukrativ und die Steuern, besonders [...]
Es liegt klipp und klar an der völlig undurchdachten Lobby-Politik und schlechten Schulpolitik von Merkel. Besonders schulische Ausbildung wird kaum gefördert, Gehälter sind gar nicht mehr lukrativ und die Steuern, besonders für Familien,, sind absolut unverhältnismäßig. Wer etwas kann und sich etwas zutraut, und das sind die Leistungsträger, der geht ins Ausland. Nur die Bequemen bleiben hier, das spiegelt sich in der Qualität der Arbeit wider. Es ist ein hausgemachtes Problem, nicht neu, aber manche Regierungen sind eben lernresistent und haben keinerlei Blick auf die Zukunft des Landes.
Überfünfzig 16.04.2018
4. Bisher scheint der FK-Mangel noch nicht so gravierend zu sein….
…..und Industrie und Mittelstand immer noch auf die 30 jährige eierlegende Wollmilchsau für gefühlt 8,50 die Stunde warten. Mein Vater berichtete von Zeiten, wo sich auf dem Bau die Firmen die Arbeiter gegenseitig abgeworben [...]
…..und Industrie und Mittelstand immer noch auf die 30 jährige eierlegende Wollmilchsau für gefühlt 8,50 die Stunde warten. Mein Vater berichtete von Zeiten, wo sich auf dem Bau die Firmen die Arbeiter gegenseitig abgeworben haben und für 1 DM pro Stunde ganze Kolonen den AG gewechselt haben, egal ob alt oder kurz vor der Rente. Aber in den von den BWLer verseuchten HR-Abteilungen gelten immer noch die alten Regeln der letzten 20 Jahre (keiner über 40 mehr) und so wird nur gejammert und irgendwas von mit dem Betriebsrat vereinbarten Haustarif gefaselt, um ja nicht neu gewonnene Mitarbeiter ein Euro mehr bezahlen zu müssen. Aber auch die jungen Leute sind in ihrer Berufswahl Teil der Misere. Beispiel an einer Fachhochschule in SH: 20 Straßenbauingenieure zu 800 BWL-Studenten, wo jeder davon träumt Chef zu werden. Das wird dann aber wirklich eng wenn die Babyboomer in Rente gehen und es keine qualifizierten Firmen mehr gibt, die in Deutschland Straßen- und Brücken bauen können.
sven2016 16.04.2018
5.
Solche Statistiken sind nicht aussagekräftig, sondern Marketing der Wirtschaftsverbände. Würden die Jobanforderungen etwas weiter gefasst, könnte ein Teil der benötigten Tätigkeiten schnell besetzt werden. Unternehmen [...]
Solche Statistiken sind nicht aussagekräftig, sondern Marketing der Wirtschaftsverbände. Würden die Jobanforderungen etwas weiter gefasst, könnte ein Teil der benötigten Tätigkeiten schnell besetzt werden. Unternehmen möchten nicht ausbilden, aber für jede firmenspezifische Spezialtätigkeit genau denjenigen mit jahrelanger Erfahrung darin finden. Schulung und Weiterbild

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP