Wirtschaft

Streit um Fiat Chrysler

"Man gibt einem souveränen Land wie Italien keine Befehle"

Deutschland, die EU-Kommission und die USA werfen Fiat Chrysler Abgasmanipulation vor. Italien hat nun eigene Tests durchgeführt und bestreitet die Vorwürfe, der Verkehrsminister reagiert empört.

AP

Fiat-Modell in Mailand

Dienstag, 17.01.2017   04:42 Uhr

Der Streit zwischen Deutschland und Italien um mögliche Abgasmanipulationen beim amerikanisch-italienischen Autobauer Fiat Chrysler (FCA) spitzt sich zu. Das italienische Verkehrsministerium teilte mit, eigene Tests am Modell Fiat 500X hätten keine Manipulationen bei Abgaswerten ergeben.

Ein detaillierter Bericht sei den deutschen Behörden geschickt worden, hieß es aus Rom. Demnach seien in den Autos keine illegalen Abschalteinrichtungen ("defeat devices") festgestellt worden. Italien kooperiere auch mit der EU-Kommission in der Sache. Es sei - anders als behauptet - kein Treffen abgesagt worden.

Italiens Verkehrsminister Graziano Delrio reagierte empört auf die Anschuldigungen aus Deutschland. "Man gibt einem souveränen Land wie Italien keine Befehle", schrieb er bei Twitter. Es gebe keinerlei Hinweise, dass die EU-Kommission Belege habe, die die deutschen Testergebnisse bestätigten. In einem Interview fügte der Minister mit Blick auf Deutschland hinzu, man dulde keine Einmischungen, die "einem Wahlkampf oder internen Spannungen in einem Land" geschuldet seien.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuvor einen Rückruf bestimmter Modelle von Fiat Chrysler verlangt. Deutschland beschuldigt den Konzern, illegale Abschalteinrichtungen zu verwenden. Fiat und die italienischen Behörden hätten sich aber bisher geweigert, an der Aufklärung mitzuwirken. "Bis heute liegt von italienischer Seite keine Stellungnahme zu unseren Untersuchungsergebnissen und zu den Untersuchungsergebnissen der EU-Kommission vor", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin am Montag. FCA bestreitet die Vorwürfe.

Tatsächlich erwägt die EU-Kommission, aufgrund der Vorwürfe aus Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien einzuleiten. Mittlerweile hat die Kommission in ihrem Abgaslabor im italienischen Ispra eigene Messungen an einem Fiat 500X angestellt. Laut SPIEGEL-Informationen sollen diese Analysen nicht nur den Einsatz von Abschaltvorrichtungen bestätigt, sondern noch höhere Abgaswerte ergeben haben als die Messungen im Auftrag des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA).

Vergangene Woche war zudem bekannt geworden, dass auch die US-Umweltbehörde EPA Fiat Chrysler im Verdacht hat, bei rund 100.000 Dieselfahrzeugen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben.

max/dpa

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