Wirtschaft

Wegen US-Steuerreform

Goldman Sachs rechnet mit Milliardenbelastung

Mit der US-Steuerreform will Präsident Trump die Gewinne amerikanischer Unternehmen aus dem Ausland zurückholen: Banken wie Goldman Sachs könnten darunter leiden.

REUTERS

Goldman-Sachs-Börsenhändler

Freitag, 29.12.2017   15:36 Uhr

Die neue US-Steuerreform von Präsident Donald Trump soll Unternehmen entlasten, doch einige Konzerne kommt sie zunächst teuer zu stehen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die neuen Steuergesetze das Ergebnis im vierten Quartal mit rund fünf Milliarden Dollar belasten werden. In einer Mitteilung begründete die Wall-Street-Bank dies vor allem mit Abgaben auf im Ausland gehaltenes Vermögen. Bislang sei der Betrag aber nur eine Schätzung, die sich noch ändern könnte.

Das Reformgesetz, das US-Präsident Donald Trump vor einer Woche unterzeichnet hatte, senkt die Steuern für US-Unternehmen von 35 auf 21 Prozent. Bei Barmitteln und anderen Vermögen, die aus dem Ausland zurückgeholt werden, fallen noch deutlich geringere Abgaben an. Etliche US-Konzerne halten wegen der bislang hohen Besteuerung enorme Cash-Bestände außerhalb der Landesgrenzen. Die Trump-Regierung will, dass das Geld in die USA zurückfließt und dort investiert wird.

Die neuen Steuergesetze haben auch auf andere Größen der US-Finanzindustrie starke Auswirkungen. Die Citigroup etwa rechnet mit einer Sonderbelastung in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Der Rivale Bank of America erwartet eine Abschreibung von drei Milliarden Dollar. Neben der Abgabe auf im Ausland gehortete Gewinne trifft die Steuerreform Banken auch in anderer Hinsicht.

Bei den Sonderlasten, von denen Banken und andere Konzerne jetzt ausgehen, handelt es sich lediglich um buchhalterische Einmaleffekte, die das laufende Geschäft nicht beeinflussen. Langfristig gehen die meisten US-Firmen davon aus, von den niedrigeren Steuersätzen zu profitieren. Anleger blieben bislang wegen der Gewinnwarnungen im Zusammenhang mit der Steuerreform relativ gelassen. Die Aktien von Goldman Sachs reagierten am Freitag kaum auf die Ankündigung.

hej/dpa

insgesamt 11 Beiträge
eggie 29.12.2017
1.
"Etliche US-Konzerne halten wegen der bislang hohen Besteuerung enorme Cash-Bestände außerhalb der Landesgrenzen" - bislang hohe Besteuerung, wie bitte? Vielleicht mal nicht alles unkritisch nachplappern, was [...]
"Etliche US-Konzerne halten wegen der bislang hohen Besteuerung enorme Cash-Bestände außerhalb der Landesgrenzen" - bislang hohe Besteuerung, wie bitte? Vielleicht mal nicht alles unkritisch nachplappern, was Unternehmen ins Mikrophon jammern.
MütterchenMüh 29.12.2017
2. das kann oder wird heftige Veränderungen bringen
Das Ami-Konzerne wie Amerzon , Apple & Co. hohe Auslandsguthaben gebunkert haben ist seit Jahren bekannt, wurde hier auch schon mal thematisiert. Insgesamt ist die Trumpsche-Steuerreform ein interessantes Projekt. Zum [...]
Das Ami-Konzerne wie Amerzon , Apple & Co. hohe Auslandsguthaben gebunkert haben ist seit Jahren bekannt, wurde hier auch schon mal thematisiert. Insgesamt ist die Trumpsche-Steuerreform ein interessantes Projekt. Zum einen für die Rückführung von Auslandsguthaben sowie die Begünstigung inländischer Produktion. Diese Ami-Steuer-Reform wird ganz sicher globalen Einfluss auf künftige Produktionsstandorte haben. Wie gefährlich es für alle anderen Mitbewerber wie z.B. die EU werden kann, scheint hier noch niemanden wirklich zu sorgen. China hat allerdings unverzüglich reagiert und reinverstierte Gewinne von der Steuer gänzlich befreit. Da die EU es bis dato nicht geschafft hat, eine Unternehmensmindestbesteuerung zu kreieren, kann und sollte man jetzt dran gehen und sich gleich auf einen unternehmensfreundlichen Satz einigen. Brüssel und die einzelnen Staaten müssen in die Hufe kommen, sonst ist die Kohle verteilt bevor in Brüssel oder sonstwo in der EU die Sonne aufgegangen ist.
hugahuga 29.12.2017
3.
Wenn im Ausland gemachte Gewinne allein dazu genutzt werden, um mit diesem vagabundierenden Geld Aufkäufe zu tätigen oder Beteiligungen zu erreichen, die dann erneut den eigenen Reichtum steigern, von dem aber der US [...]
Wenn im Ausland gemachte Gewinne allein dazu genutzt werden, um mit diesem vagabundierenden Geld Aufkäufe zu tätigen oder Beteiligungen zu erreichen, die dann erneut den eigenen Reichtum steigern, von dem aber der US amerikanische Steuerzahler nichts hat, dann kann man Trump verstehen. Damit ist nicht die Macht dieser Konzerne beschnitten oder gar gebrochen, sondern die Möglichkeit des Entzugs von fälligen Steuern wird verringert. Nicht das schlechteste.
aurichter 29.12.2017
4. @ mütterchenmüh
Jaja dies war wieder genau so zu erwarten, der Heilige Unternehmerfreund Trump bringt mit Mühe und Not eine aberwitzige Steuerreform durch und die ersten unternehmerfreundlichen Deutschen pusten kräftig in das [...]
Jaja dies war wieder genau so zu erwarten, der Heilige Unternehmerfreund Trump bringt mit Mühe und Not eine aberwitzige Steuerreform durch und die ersten unternehmerfreundlichen Deutschen pusten kräftig in das "Wir-auch" Horn. Das die Unternehmenssteuern hier auf einem Mittelwert von 22% liegen, darüber wird aus gutem Grund nicht gesprochen. Die Belastungen bspw in Good old Germany sind in Anbetracht der enormen Lohnkosten so hoch, dass permanent eine Rekordgewinnmeldung nach der nächsten folgt. Armes Europa.
SanchosPanza 29.12.2017
5. Großer Wurf
Für die Reindustrialisierung der USA und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Produktion statt in mies bezahlten Dienstleistungen ist Trumps Steuerreform ein ganz großer Wurf. Das muss man ihm lassen, auch wenn man ihn [...]
Für die Reindustrialisierung der USA und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Produktion statt in mies bezahlten Dienstleistungen ist Trumps Steuerreform ein ganz großer Wurf. Das muss man ihm lassen, auch wenn man ihn sonst nicht mag. Die Menschen brauchen eben menschenwürdige Einkommen. Die verdienen sie nur mit gut bezahlten Industriejobs in Vollzeit.

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