Wirtschaft

Lange AGB

Verbraucherschützer mahnen PayPal ab

80 Seiten lang und "formal unverständlich": Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert die neuen Geschäftsbedingungen des Onlinebezahldienstes PayPal - und fordert eine Unterlassungserklärung.

DPA

PayPal-Logo (Illustration)

Mittwoch, 14.02.2018   17:23 Uhr

Verbraucherschützer haben den Onlinebezahldienst PayPal wegen seiner neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) abgemahnt. Das teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit. Die Experten halten die Vorgaben für zu lang und außerdem für zu kompliziert. Der vzbv forderte demnach von PayPal eine Unterlassungserklärung.

PayPal verstoße gegen den "gesetzlich vorgeschriebenen Grundsatz der Transparenz und benachteiligt die Verbraucher", kritisierte der vzbv. Nicht nur wegen der "formalen Unverständlichkeit der AGB", sondern auch wegen der erforderlichen Zeit, um sie vollständig zu lesen und zu verstehen, liege ein Wettbewerbsverstoß vor, bemängelte der vzbv.

PayPal hat nun bis Ende Februar Zeit, um die geforderte Unterlassungserklärung abzugeben. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe über die Abmahnung berichtet.

PayPal ist ein weit verbreitetes virtuelles Zahlungssystem. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge weltweit mehr als 200 Millionen aktive Kunden.

"Unverständlich formuliert"

Es könne nicht sein, dass Nutzer weit mehr als eine Stunde aufbringen müssten, um die neuen AGB vollständig zu lesen, sagte Carola Elbrecht vom vzbv. Ausgedruckt seien die AGB 80 Seiten lang. Frühere Befragungen hätten ergeben, dass Verbraucher für Datenschutzerklärungen maximal fünf Minuten opfern möchten.

PayPal mache auch nicht transparent, "was sich für Verbraucher durch die Anpassung im Januar änderte", kritisierte der Verband. Nutzer müssten also die kompletten Bedingungen lesen. Außerdem hätten wissenschaftliche Textanalysen ergeben, dass die AGB unverständlich seien, teilte der vzbv mit.

Die Funke Zeitungen berichteten, dass PayPal die Angelegenheit prüfe. Einer Sprecherin zufolge wolle sich die Firma derzeit aber nicht weiter dazu äußern.

brt/AFP

insgesamt 7 Beiträge
oneworldnow 14.02.2018
1. Stimmt,
ist mir auch aufgefallen und ich habe mir vorgenommen Pay Pal erst dann wieder zu nutzen,nachdem ich denn mal Zeit finde die neue AGB zu studieren.Heutzutage gibt es Alternativen.
ist mir auch aufgefallen und ich habe mir vorgenommen Pay Pal erst dann wieder zu nutzen,nachdem ich denn mal Zeit finde die neue AGB zu studieren.Heutzutage gibt es Alternativen.
Georg_Alexander 14.02.2018
2. AGBs sind nicht beliebig frei formulierbar
Es dürfen in AGBs keine für den Verbraucher überraschenden Vereinbarungen auftauchen. Dies bietet immer reichlich Ansatz für juristische Einsprüche, wenn die Nachteile nicht auf den ersten Blick für den in der Regel [...]
Es dürfen in AGBs keine für den Verbraucher überraschenden Vereinbarungen auftauchen. Dies bietet immer reichlich Ansatz für juristische Einsprüche, wenn die Nachteile nicht auf den ersten Blick für den in der Regel bedingungslos zur Zustimmung verpflichteten Kunden ersichtlich waren!
egojen 14.02.2018
3. Möchte sich nicht äußern...
Schon klar. Am besten erstmal Gras über die Sache wachsen lassen... Im Gegensatz zu Unternehmen wie Facebook kann es allerdings für einen Zahlungsdienstleister wie PayPal sehr teuer werden, wenn die AGBs gerichtlich für [...]
Schon klar. Am besten erstmal Gras über die Sache wachsen lassen... Im Gegensatz zu Unternehmen wie Facebook kann es allerdings für einen Zahlungsdienstleister wie PayPal sehr teuer werden, wenn die AGBs gerichtlich für nichtig erklärt werden. Das sollte Pay Pal bedenken. Im Augenblick würde man vor einem deutschen Gericht jeden von einem oder gegen einen Verbraucher angestrengten Prozess verlieren, sofern es auf die AGB ankommt. Es gelten die gesetzlichen Grundregelungen, die sehr verbraucherfreundlich sind. Daher ist diese Nachricht ("PayPal möchte sich nicht äußern") für Verbraucher eigentlich keine ganz schlechte Nachricht!
harpy 14.02.2018
4. Die Wahl des Weisen
Ich konnte bisher getrost auf Paypal und dessen unsinnige, wenn nicht gar mafiöse Geschäftspraktiken verzichten. Da sollte mir nach der Registrierung "ein Cent" überwiesen werden, bei dem im Verwendungszweck eine [...]
Ich konnte bisher getrost auf Paypal und dessen unsinnige, wenn nicht gar mafiöse Geschäftspraktiken verzichten. Da sollte mir nach der Registrierung "ein Cent" überwiesen werden, bei dem im Verwendungszweck eine Registriernummer gesendet werden sollte. Jene Überweisung wurde seit gut 8 Jahren nicht getätigt. Heute zahle ich bequem per Sofortüberweisung. Geschaftsmodelle, die lediglich Paypal oder die analoge Kreditkarte akzeptieren, halte ich nach wie vor für unseriös, da hier die Kostenfrage der Dienstleistung vor dem Kunden verschleiert wird.
alfons11:45 14.02.2018
5. Die Paypal - AGB ...
haben 50 ihrer Erdenjahre in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. (Frei nach "Per Anhalter durch die Galaxis.") Bin mal gespannt, ob sich Rechtssprechung und Gesetze diesbezüglich noch in [...]
haben 50 ihrer Erdenjahre in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. (Frei nach "Per Anhalter durch die Galaxis.") Bin mal gespannt, ob sich Rechtssprechung und Gesetze diesbezüglich noch in Richtung größerer Verbraucherfreundlichkeit entwickeln werden. Wie kann man die Hausjuristen der Software - Anbieter soweit im Zaum halten, dass sich der Umfang von AGB bzw. EULA (End User License Agreement) schlussendlich nicht der Länge aller 5 Bände des BGB annähert? :D

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