Wirtschaft

Tarifstreit bei Ryanair

Gewerkschaften werten Standortschließungen als "Kriegserklärung"

Nach den Streiks an deutschen Standorten verkleinert Ryanair die Flotte. Gewerkschaften werfen dem Unternehmen einen Rachefeldzug vor. Und sprechen von einem "schurkischen Geschäftsmodell" des Billigfliegers.

REUTERS

Ryanair-Flugbegleiter

Freitag, 12.10.2018   12:43 Uhr

Der Ton im Tarifstreit beim Billigflieger Ryanair wird rauer. Als "Kriegserklärung" werten Gewerkschaften die jüngste Ankündigung der Fluggesellschaft, ihre Basis in Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen zu schließen und in Weeze nahe der niederländischen Grenze zwei von fünf Maschinen abzuziehen.

"Eine Station zu schließen und die Angestellten in ein anderes Land zu versetzen, ist mit dem sozialen Dialog nicht kompatibel", sagte Arthur van de Hudding, Präsident der niederländischen Pilotengewerkschaft VNV in einer Mitteilung der deutschen Pilotengewerkschaft VC. "Wir sehen das als Kriegserklärung und absolut im Widerspruch zu allen Behauptungen, man wolle verhandeln."

Von Piloten und Flugbegleitern würden die angekündigten Maßnahmen als Strafe für die jüngsten Streiks wahrgenommen, heißt es in der Mitteilung. Die Gewerkschaftsvertreter sprachen von einem "aggressiven Schachzug des Ryanair-Managements". Ryanair bestreitet einen solchen Zusammenhang.

Auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO greift das Unternehmen verbal hart an. "Das schurkische Geschäftsmodell wie bei Ryanair oder auch beim Billigflieger Norwegian Airlines wird verschwinden", sagte der UFO-Vorsitzende Nicoley Baublies dem "Focus". Wenn sich Ryanair nicht von Grund auf erneuere, bringe sich die Airline um ihre Existenz. "Schon ein weiteres Jahr wie das jetzige ist nicht durchzuhalten", sagte Baublies.

Außerdem drohte er mit weiteren und heftigeren Streiks: "Wenn die Streiks der Piloten und Kabinenbeschäftigten nicht zum Einlenken führen, werden die Streiks zunehmen." Vielleicht werde auch zur Ferien- und Feiertagszeit gestreikt.

Beim irischen Billigflieger kommt es seit Monaten in verschiedenen Ländern immer wieder zu Streiks von Piloten und Flugbegleitern. Die Beschäftigten fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften verlangen vor allem, dass Ryanair jeweils nationales Arbeitsrecht anwendet. Ryanair weist die Vorwürfe schlechter Arbeitsbedingungen zurück.

hej/dpa/AFP

insgesamt 47 Beiträge
gammoncrack 12.10.2018
1. Natürlich ist das die Retourkutsche für die Streiks und zugleich
die Drohung "Wenn Ihr weiter streikt, geht das zu Lasten der Arbeitnehmer, die Ihr vertretet." Dagegen kann man sich nicht wehren. Wenn nicht in den anderen Ländern, in denen Ryanair als Arbeitgeber auftritt [...]
die Drohung "Wenn Ihr weiter streikt, geht das zu Lasten der Arbeitnehmer, die Ihr vertretet." Dagegen kann man sich nicht wehren. Wenn nicht in den anderen Ländern, in denen Ryanair als Arbeitgeber auftritt (eigentlich sind es ja Leiharbeiter), dieses Geschäftsmodell ebenfalls bestreikt wird, könnte die Airline damit Erfolg haben - bis hin zum Rückzug aus Deutschland. Als Verlust würde ich das nicht bezeichnen wollen, allerdings wäre es schade um die betroffenen Mitarbeiter.
Alm Öhi 12.10.2018
2. Gewerkschaften?
Die Gewerkschaften haben leider noch nicht begriffen dass diese am kürzeren Hebel sitzen.
Die Gewerkschaften haben leider noch nicht begriffen dass diese am kürzeren Hebel sitzen.
kraftmeier2000 12.10.2018
3. Michael O’Leary
ist seit jeher ein Ausbeuter ersten Ranges was Seine Mitarbeiter angeht, ich habe dieser Firma bisher, und das wird auch in Zukunft so sein, keinen einzigen Cent gezahlt, weil ich mit solch einem Unternehmen einfach nicht fliege. [...]
ist seit jeher ein Ausbeuter ersten Ranges was Seine Mitarbeiter angeht, ich habe dieser Firma bisher, und das wird auch in Zukunft so sein, keinen einzigen Cent gezahlt, weil ich mit solch einem Unternehmen einfach nicht fliege. Nehme dafür gerne etwas längere Flugzeiten inkl. Umsteigen in kauf, bevor ich dort Geld ausgebe. Wünsche den Mitarbeitern so viel Durchhaltevermögen wie nötig ist, um endlich venünftige Bedingungen/Verträge zu bekommen. Vielleicht auch schon mal anderweitig umschauen bei anderen besseren Arbeitgebern. Für mich darf dieses Unternehmen gerne von der Bildfläche verschwinden.
nawerschon 12.10.2018
4. Arbeitsbedingungen
Arbeitsbedingungen bei Ryan Air sind - das weiß inzwischen fast jeder - sehr schlecht. Ich bin und werde nie mit einem Unternehmen fliegen die Ihr Personal derart verachten. Ach so, es ist ja gar kein Personal, viele sind ja [...]
Arbeitsbedingungen bei Ryan Air sind - das weiß inzwischen fast jeder - sehr schlecht. Ich bin und werde nie mit einem Unternehmen fliegen die Ihr Personal derart verachten. Ach so, es ist ja gar kein Personal, viele sind ja Subunternehmer......
schullets 12.10.2018
5. Blauäugige Vereine...
Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür aufkommen, oder wird am Ende selbst einen Schaden erleiden. Jeder hat das Recht den Arbeitgeber frei zu wählen, daher habe ich auch kein Verständnis für diese Streiks. Mich hat [...]
Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür aufkommen, oder wird am Ende selbst einen Schaden erleiden. Jeder hat das Recht den Arbeitgeber frei zu wählen, daher habe ich auch kein Verständnis für diese Streiks. Mich hat dieser Tag knapp 1000? gekostet.

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