Wirtschaft

Trumps Steuerreform

US-Großbanken müssen Milliarden abschreiben

Banken wie Goldman Sachs und JP Morgan müssen wegen der US-Steuerreform Milliarden abschreiben. Schon bald werden die Finanzriesen aber profitieren.

DPA

Skyline von Lower Manhattan

Freitag, 12.01.2018   19:02 Uhr

In den New Yorker Bankentürmen löste Donald Trumps Wahlsieg Euphorie aus, die Aktien der größten US-Institute stiegen in den folgenden Monaten kräftig an: Allein die Papiere der US-Großbank JP Morgan haben seit dem Wahlsieg mehr als 40 Prozent zugelegt. Der Grund für die Kursrallye: Trump berief einige Größen der Wall Street in seinen Beraterstab und kündigte an, die Regeln an den Finanzmärkten zu lockern.

Doch nun sorgt die neue US-Steuerreform kurzzeitig für Verstimmung bei den US-Geldhäusern. Denn die neuen Steuergesetze belasten die Bilanzen. Die größte US-Bank JPMorgan Chase, die den Zahlenreigen eröffnete, musste im vierten Quartal eine einmalige Belastung von 2,4 Milliarden Dollar verdauen.

Trotz der hohen Abschreibung lobte Bankchef Jamie Dimon die Steuerreform als "sehr positiv". Unter dem Strich blieb der Bank im Schlussquartal ein Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2017 verdiente JPMorgan 24,4 Milliarden Dollar.

So kommen die Abschreibungen zustande

Zuvor hatte bereits Goldman Sachs mitgeteilt, dass die neuen Steuergesetze das Ergebnis im vierten Quartal mit rund fünf Milliarden Dollar belasten werden.

Aber wie kommen diese enormen Abschreibungen zustande? Zum einen werden Gewinne, die bislang im Ausland geparkt und so dem US-Fiskus entzogen wurden, mit einer einmaligen Sondersteuer zwischen 8 und 15,5 Prozent belegt. Davon sind vor allem Goldman Sachs und JP Morgan betroffen.

Zum anderen können Banken US-Steuern nicht mehr so stark durch frühere Verluste - etwa aus der Finanzkrise - drücken. Das trifft die Citigroup sehr stark, aber auch Rivalen wie die Bank of America, Barclays, Credit Suisse oder die Deutsche Bank. Deutschlands größtes Geldhaus rechnet mit einer Abschreibung von 1,5 Milliarden Euro.

Doch die Abgaben auf außerhalb der USA gehaltenes Vermögen fallen auf Dauer nicht so stark ins Gewicht, wie man annehmen könnte: Unternehmen verbuchen zwar einmal vorab hohe Abschreibungen, können die Beträge dann jedoch bis 2025 in bis zu acht Raten abbezahlen.

Wells Fargo profitiert sofort

Auf längere Sicht muss sich die Bankenbranche deshalb eher keine Sorgen machen. Mittelfristig werden die Banken durch die Senkung der Unternehmensteuern von 35 auf 21 Prozent sogar profitieren. An der Börse ließ man sich von den Gewinnwarnungen bislang denn auch nicht aus der Ruhe bringen - die Aktien der US-Banken reagierten kaum.

Es ist auch nicht so, dass alle Institute Abstriche machen müssen - Wells Fargo profitierte sofort von der Steuerreform und meldete einen Quartalsgewinn von fast 6,2 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr verdiente die Großbank 22,2 Milliarden Dollar. In der kommenden Woche wollen Morgan Stanley, Citigroup, die Bank of America und Goldman Sachs ihre Zahlen vorlegen.

hej

insgesamt 17 Beiträge
rooonbeau 12.01.2018
1. Verdiente 24,7 Mrd...
Also Gewinn und das nur in einem Jahr.. Das ist mittlerweile so abstoßend und absurd alles..
Also Gewinn und das nur in einem Jahr.. Das ist mittlerweile so abstoßend und absurd alles..
waywarddad 12.01.2018
2. @rooonbeau
Warum ist das abstossend und absurd? Das ist Geschaeft! Andere Firmen arbeiten auch fuer Profit - anders als im Sozialismus ist das in der westlichen Welt sehr verbreitet!
Warum ist das abstossend und absurd? Das ist Geschaeft! Andere Firmen arbeiten auch fuer Profit - anders als im Sozialismus ist das in der westlichen Welt sehr verbreitet!
solltemanwissen 12.01.2018
3.
*lach* Und die dummen Trump Wähler haben geglaubt, Hillary wäre die Kandidatin der Wall Street gewesen. Oh Wunder, oh Wunder... natürlich war auch das einfach nur gelogen. Wie so ziemlich alles was Donald Trump und seine [...]
*lach* Und die dummen Trump Wähler haben geglaubt, Hillary wäre die Kandidatin der Wall Street gewesen. Oh Wunder, oh Wunder... natürlich war auch das einfach nur gelogen. Wie so ziemlich alles was Donald Trump und seine Anhänger sagen.
nic 12.01.2018
4.
Gier ohne Ende ist kein Geschäft sondern nicht nur abstossend sondern auch eine Schweinerei. Jeder Arbeiter, ob in den USA oder auch Deutschland zahlt prozentual mehr Steuern. Und warum ist Profit in dieser Größenordnung [...]
Zitat von waywarddadWarum ist das abstossend und absurd? Das ist Geschaeft! Andere Firmen arbeiten auch fuer Profit - anders als im Sozialismus ist das in der westlichen Welt sehr verbreitet!
Gier ohne Ende ist kein Geschäft sondern nicht nur abstossend sondern auch eine Schweinerei. Jeder Arbeiter, ob in den USA oder auch Deutschland zahlt prozentual mehr Steuern. Und warum ist Profit in dieser Größenordnung den Normal, weil korrupte und korrumpierte Politiker es zulassen?
quark2@mailinator.com 12.01.2018
5.
Ist das nun Absicht von SPON, oder ... ? Ich hab das letztens schon bei der gleichen Meldung zur Deutschen Bank kommentiert - diese Abschreibung ist schlicht irreführend, denn die Banken verlieren effektiv keine einzige Mark, [...]
Ist das nun Absicht von SPON, oder ... ? Ich hab das letztens schon bei der gleichen Meldung zur Deutschen Bank kommentiert - diese Abschreibung ist schlicht irreführend, denn die Banken verlieren effektiv keine einzige Mark, sondern gewinnen in Wirklichkeit noch hinzu. Habe keine Lust, das hier zu wiederholen.

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