Wissenschaft

Doch keine Bleivergiftung?

Neue Rätsel um Beethovens Tod

Mit Blei gepanschter Wein soll den Komponisten Ludwig van Beethoven einst umgebracht haben - dachten Wissenschaftler. Aus den USA liegen jetzt neue Ergebnisse einer Haaranalyse vor, die einen ganz anderen Schluss nahelegen.

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Wachsfigur von Ludwig van Beethoven: Seine Todesursache ist noch immer ungeklärt

Samstag, 29.05.2010   18:08 Uhr

War der Wein doch nicht schuld? Neue Tests an Schädelfragmenten von Ludwig van Beethoven widersprechen der Theorie, dass der große Komponist 1827 an einer Bleivergiftung gestorben war. Ein Forscher des Mount Sinai Institutes für Medizin in New York kam bei jüngsten Untersuchungen von zwei Knochenstücken zu dem Ergebnis, dass sich der Bleianteil durchaus im normalen Rahmen bewegt, wie die "New York Times" am Freitag berichtete. "Ich glaube, wir brauchen nicht mehr auf Blei als ausschlaggebendem Faktor in Beethovens Leben zu schauen", sagte Andrew C. Todd der Zeitung.

Der Fund von erhöhten Bleiwerten in Haaren und einem winzigen Fragment von Beethovens Schädel hatte andere Forscher zu der Annahme geführt, dass der Meister seiner Vorliebe für Wein zum Opfer gefallen sein könnte. Preisgünstiger Wein wurde im 19. Jahrhundert mit Blei versetzt, um ihm den bitteren Geschmack zu nehmen, sagen Beethoven-Biografen. Mit der Bleibelastung ließen sich auch Veränderungen im Verhalten des Musikers zu seinem Lebensende erklären. Er wurde als aufbrausend und vergesslich beschrieben.

Die neue Testreihe, die unter anderem am berühmten Argonne National Laboratory in Illinois erfolgte, ergab einen Bleiwert von 13 Mikrogramm je Gramm Knochenmasse in dem großen, zuvor nicht untersuchten Schädelfragment. Der Bleiwert in dem kleineren Knochen, der bereits vor fünf Jahren analysiert worden war, betrug fast das Vierfache (48 Mikrogramm). Für die Differenz gab es zunächst keine Erklärung.

Beethovens Leiche war 1863 unter anderem für die Ermittlung der Todesursache von einem Friedhof in Wien geborgen worden.

hpi/dpa

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