Wissenschaft

Analyse von 500.000 Titeln

Was macht einen Song zum Top-Hit?

Tolle Stimme, eingängige Melodie oder flotter Rhythmus? Forscher haben untersucht, welche Songs in den Charts besonders erfolgreich sind - und Trends ausgemacht.

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Mittwoch, 16.05.2018   04:07 Uhr

Kann es ein einfaches Erfolgsrezept für einen Nummer-Eins-Hit geben? Mancher Musiker und Produzent mag das glauben, aber schon aus prinzipiellen Gründen ist es unmöglich: Woche für Woche kann es immer nur einen Song geben, der ganz oben in den Charts steht. Das sind höchstens 52 pro Jahr, obwohl in diesem Zeitraum ja Tausende Titel neu veröffentlicht werden.

Wissenschaftler haben trotzdem immer wieder versucht, zumindest einige Kriterien für den Erfolg von Songs zu identifizieren. 2006 kam eine Untersuchung der Columbia University in New York zum Ergebnis, dass Versuchspersonen einen Song umso besser fanden, je mehr andere Menschen ihn auch mochten. Musikalische Faktoren spielten offenbar eine untergeordnete Rolle.

Nun haben Forscher der University of California in Irvine eine umfangreiche Analyse von 500.000 zwischen 1985 und 2015 in Großbritannien veröffentlichten Songs vorgestellt. Dank des langen Zeitraums konnten Mathematiker und Statistiker auch einige allgemeine Trends im Musikgeschäft der vergangenen Jahrzehnte ablesen.

Beispielsweise verbreiten Songs heute generell weniger gute Laune als noch in den Achtzigerjahren. Zudem ist der Anteil trauriger Lieder leicht gestiegen, wie Natalia Komarova und ihre Kollegen im Fachblatt "Open Science" berichten.

Partystimmung? Läuft

Als erfolgreich definierten die Forscher einen Song dann, wenn er es in die britischen Top-100 schaffte. Jedem Titel wurden 18 verschiedene Charakteristika zugeordnet, wie Stimmung, Tonalität, Tanzbarkeit, Geschlecht des Interpreten, Genre (Techno, Hip-Hop) und Rhythmus. Auch das Team um Komarova konnte mit seinen statistischen Analysen kein todsicheres Erfolgsrezept für einen Top-Hit generieren - aber zumindest einige Kriterien dafür.

Besonders erfolgreiche Songs tendierten dazu, "glücklicher" zu sein und eher Partystimmung zu verbreiten, schreiben die Forscher. Zudem seien Top-100-Hits weniger "relaxed" als Songs im Durchschnitt und häufiger von Frauen gesungen als von Männern.

"Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem durchschnittlichen Titel ist nicht direkt erkennbar", betonen die Wissenschaftler. Mancher Hit spiegle die Dynamik vieler anderer, parallel veröffentlichter Titel wider, andere hingegen nutzten Elemente aus früheren Jahren.

Klar erkennbar in den Daten sei der Superstar-Bonus: Große Namen wie Madonna, Rihanna oder Eminem ziehen halt, auch wenn der Song allein nicht unbedingt aus der Masse der vielen veröffentlichten Titel herausragen würde.

Vorhersage zu 85 Prozent

Mit einem mathematischen Modell versuchten die Forscher auch, den Erfolg von im Jahre 2014 veröffentlichten Songs auf Basis der zugewiesenen 18 Kriterien wie Stimmung, Rhythmus und Genre vorherzusagen. Basis waren hier die Top-100-Charts der Jahre 1985 bis 2013, mit denen das System gefüttert wurde.

Ergebnis: Von den insgesamt 526 Top-100-Songs aus Großbritannien im Jahr 2014 identifizierte die Software etwa 85 Prozent als potenzielle Hits, wobei bei der Kalkulation auch der Superstar-Bonus berücksichtigt wurde.

Doch weil die Software ähnlich wie ein Spamfilter nicht völlig fehlerfrei arbeitet, würde sie einen Teil der ja eigentlich nicht erfolgreichen Songs zu potenziellen Hits erklären (falsch positive). Dieser Anteil liegt laut Komarova bei etwa 7,5 Prozent. Das entspricht fast 1000 Titeln, die laut Softwareprognose Chartpotenzial haben, es aber tatsächlich nicht in die Top-100 geschafft haben.

Zur zuverlässigen Hit-Erkennung taugt die Methode der kalifornischen Forscher also nur bedingt. Das liegt vor allem an der Vielzahl der Titel, die jedes Jahr erscheinen. Im Jahr 2014 waren es in Großbritannien der Studie zufolge mehr als 13.000.

hda

insgesamt 15 Beiträge
permissiveactionlink 16.05.2018
1. Ein bißchen geschmacklos,
aber vielleicht hilft hier die Biologie weiter : Je mehr grün- oder blauschillernde Goldfliegen (Lucilia sericata) oder "Klosettbrummer" (Calliphora erythrocephala) sich bereits auf einem großen Fäkalienhaufen [...]
aber vielleicht hilft hier die Biologie weiter : Je mehr grün- oder blauschillernde Goldfliegen (Lucilia sericata) oder "Klosettbrummer" (Calliphora erythrocephala) sich bereits auf einem großen Fäkalienhaufen niedergelassen haben, desto mehr werden dadurch noch zusätzlich visuell angelockt. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen der Columbia University :"2006 kam eine Untersuchung der Columbia University in New York zum Ergebnis, dass Versuchspersonen einen Song umso besser fanden,*je mehr andere Menschen ihn auch mochten. Musikalische Faktoren spielten offenbar eine untergeordnete Rolle." Anders ist der Verkaufserfolg und Echopreisgewinn von ansonsten völlig talentfreien "Künstlern" wie Farid Bang und Kollegah, die zu einem Hintergrungrythmus ein bißchen dummes Zeugs plaudern, nicht logisch zu erklären !
vernunft.vor.ideologie 16.05.2018
2. Zeitlicher Verlauf
Interessant wäre hierzu auch, die Erfolgsrezepte über den Verlauf von mehreren Jahrzehnten zu erforschen. Diese sind augenscheinlich unterschiedlich. Oder woher kommt es, dass viele Nummer-1 Hits der 70er, wie z.B. Stairway to [...]
Interessant wäre hierzu auch, die Erfolgsrezepte über den Verlauf von mehreren Jahrzehnten zu erforschen. Diese sind augenscheinlich unterschiedlich. Oder woher kommt es, dass viele Nummer-1 Hits der 70er, wie z.B. Stairway to Heaven, Locomotive Breath oder Hotel California heute immer noch top-aktuell sind, während die gegenwärtigen 'Top-Hits' nach nur wenigen Wochen oder Monaten sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwinden.
nasodorek 16.05.2018
3.
Das liegt wohl mit daran, dass die heutige Zielgruppe der Popmusik die Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters haben. ;-) Ich denke die Medienwelt (Zeitungen, Fernsehen, Musik und vor allen Internet) ist viel schnelllebiger [...]
Zitat von vernunft.vor.ideologieInteressant wäre hierzu auch, die Erfolgsrezepte über den Verlauf von mehreren Jahrzehnten zu erforschen. Diese sind augenscheinlich unterschiedlich. Oder woher kommt es, dass viele Nummer-1 Hits der 70er, wie z.B. Stairway to Heaven, Locomotive Breath oder Hotel California heute immer noch top-aktuell sind, während die gegenwärtigen 'Top-Hits' nach nur wenigen Wochen oder Monaten sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwinden.
Das liegt wohl mit daran, dass die heutige Zielgruppe der Popmusik die Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters haben. ;-) Ich denke die Medienwelt (Zeitungen, Fernsehen, Musik und vor allen Internet) ist viel schnelllebiger geworden, da das Angebot auch umfangreicher ist als es früher der Fall war. Übrigens drei großartige Beispiele für gute Musik, die Sie da gewählt haben.
ische081517 16.05.2018
4. Die Studie hätte man sich sparen können
http://freshonthenet.co.uk/the-manual-by-the-klf/ Hier steht alles was man wissen muss...zugegebenermaßen sind manche Tipps in der heutigen Zeit etwas überholt (Stichwort IT/Downloads usw.)...aber im Großen und Ganzen passt [...]
http://freshonthenet.co.uk/the-manual-by-the-klf/ Hier steht alles was man wissen muss...zugegebenermaßen sind manche Tipps in der heutigen Zeit etwas überholt (Stichwort IT/Downloads usw.)...aber im Großen und Ganzen passt es noch.
widower+2 16.05.2018
5. Logischer Fehler
Die von Ihnen genannten Titel aus den Siebzigern sind zweifellos zeitlose Klassiker. Vieles, was zu dieser Zeit veröffentlicht wurde, ist aber ebenfalls "sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwunden". [...]
Zitat von vernunft.vor.ideologieInteressant wäre hierzu auch, die Erfolgsrezepte über den Verlauf von mehreren Jahrzehnten zu erforschen. Diese sind augenscheinlich unterschiedlich. Oder woher kommt es, dass viele Nummer-1 Hits der 70er, wie z.B. Stairway to Heaven, Locomotive Breath oder Hotel California heute immer noch top-aktuell sind, während die gegenwärtigen 'Top-Hits' nach nur wenigen Wochen oder Monaten sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwinden.
Die von Ihnen genannten Titel aus den Siebzigern sind zweifellos zeitlose Klassiker. Vieles, was zu dieser Zeit veröffentlicht wurde, ist aber ebenfalls "sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwunden". Heute gibt es Titel, die auch schon 10 Jahr alt sind und immer noch im Radio rauf und runter laufen. Wie wollen Sie vorher sagen, welche dieser 10 Jahre alten oder der heutigen Titel in 40 Jahren als Klassiker empfunden und noch regelmäßig gespielt werden? Ich gehöre zu der Generation, die von den von Ihnen genannten Titeln musikalisch geprägt wurde. Was für mich Stairway to Heaven ist, ist für 15 oder 20 Jahre Jüngere eher Smells like Teen Spirit von Nirvana.

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