Wissenschaft

Tierpark in Bayern

West-Nil-Virus bei Wildvogel nachgewiesen

In Deutschland starben innerhalb weniger Tage drei Vögel am West-Nil-Virus. Noch ist nicht bekannt, ob es hierzulande auf Menschen übergegangen ist. Das könnte auch an mangelnden Untersuchungen liegen.

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Bartkauz (Symbolbild)

Freitag, 14.09.2018   17:06 Uhr

In Bayern wurde das West-Nil-Virus bei einem Bartkauz nachgewiesen - der Vogel lebte im Wildparks Poing. Nun sollen dort gezielt Mücken untersucht und Mückenlarven bekämpft werden, sagte die Tierärztin Sandra Klimm. Außerdem sollen tote Wildvögel künftig auf das Virus untersucht werden.

Bundesweit gibt es inzwischen drei Nachweise vom West-Nil-Virus bei Vögeln, zwei davon in Sachsen-Anhalt. Experten sind beunruhigt, weil der von Stechmücken übertragene, auch auf Menschen übertragbare Erreger bisher nicht in Deutschland heimisch war.

Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hält es für sinnvoll, auch die Mitarbeiter des Tierparks zu untersuchen. Die Mehrzahl der Infektionen bei Menschen werde nicht entdeckt, weil die Betroffenen keine oder nur schwache Symptome zeigen. In den vergangenen Jahren habe es sechs oder sieben importierte West-Nil-Fälle in Deutschland gegeben. Die Meldepflicht bestehe erst seit 2015.

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In Süd- und Südosteuropa gibt es in dieser Saison eine besonders heftige Infektionswelle mit bereits mehr als 70 Todesfällen vor allem bei älteren Menschen. Betroffenen sind unter anderem Serbien, Griechenland und Italien. Forscher gehen davon aus, dass auch die in Deutschland vorkommenden Stechmücken-Arten das Virus übertragen können.

Insekten per Lastwagen eingeschleppt

Schmidt-Chanasit sprach sich auch dafür aus, dass Blutspendedienste auf das Virus testen - etwa in Bayern sei das bisher nicht der Fall. "Wenn man weiß, dass das Virus zirkuliert, muss das diskutiert werden", sagte er. Er gehe davon aus, dass infizierte Mücken aus Südeuropa die Infektionen in Deutschland verursacht haben. Die Insekten würden leicht per Lastwagen oder Güterzug eingeschleppt.

"Wir gehen davon aus, dass es sich bei unserem Bartkauz um einen Einzelfall mit Eintrag des Erregers aus der Wildvogelpopulation handelt", hieß es vom Wildpark im Landkreis Ebersberg. Eine Ansteckung sei nur über Mückenstiche möglich und nicht durch Kontakt mit Vögeln.

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Die Fundorte in Sachsen-Anhalt - betroffen waren ein Bartkauz im Zoo Halle und ein freilebender Habicht in Weißandt-Gölzau - liegen etwa 25 Kilometer voneinander entfernt.

Es gibt keine Impfung

Nachgewiesen wurde das Virus erstmals 1937 in der Region West Nil in Uganda. Inzwischen ist der Erreger in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Europas heimisch. In den Neunzigerjahren schaffte er den Sprung über den Atlantik und ist nun auch in den USA verbreitet.

Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Virus erstmals in Deutschland auftritt, hatte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts nach dem dritten Fund erklärt. Über den Winter werde sich das Virus wohl nicht halten.

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Elektronenmikroskopische Aufnahme des West-Nil-Virus

Gegen die Erreger existieren weder eine Impfung noch eine zielgerichtete Therapie. Typische Symptome des West-Nil-Fiebers, das durch den West-Nil-Virus aufgelöst wird, sind Muskel- und Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Fieber. Zum Teil können auch Übelkeit und Erbrechen hinzukommen.

Etwa ein Drittel der Patienten bekommt einen Hautausschlag an Brust, Rücken und Armen. Seltener sind eine Entzündung des Hirns oder der Hirnhäute - dann kann die Infektion tödlich enden.

joe/dpa

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