Wissenschaft

Abschaffung der Zeitumstellung

Wirtschaftsminister Altmaier will dauerhafte Sommerzeit

Am Sonntag endet die Sommerzeit, und die Uhren werden umgestellt - vielleicht zum letzten Mal. Der Wirtschaftsminister hat klare Vorstellungen, was Deutschland in den EU-Gesprächen zum Thema vorschlagen sollte.

AFP

Peter Altmaier (Archivbild)

Mittwoch, 24.10.2018   17:13 Uhr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht sich für ein Ende der Zeitumstellung in Europa stark. "Die große Mehrheit der Menschen will nicht mehr alle sechs Monate an den Uhren drehen, und die meisten wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit", erklärte Altmaier am Mittwoch in Berlin unter Verweis auf eine europaweite Umfrage. Er werde sich bei den anstehenden Treffen auf EU-Ebene dafür einsetzen, möglichst schnell Einigkeit hierüber zu erzielen.

Am Sonntag endet in allen EU-Mitgliedstaaten sowie weiteren Nachbarstaaten die Sommerzeit, die Uhren werden in der Nacht um eine Stunde zurückgestellt. Im September hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Abschaffung der jahreszeitlichen Zeitumstellung vorgelegt, der auf die Ergebnisse einer europaweiten Umfrage zurückging.

An dieser hatten sich rund 4,6 Millionen Menschen beteiligt, rund 80 Prozent von ihnen hatten sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Allerdings hatten Forscher das Resultat kritisiert. Die Befragung sei nicht repräsentativ gewesen. Es sei davon auszugehen, "dass die Leute, denen das Thema wichtig ist, die sich ärgern, wenn die Uhr umgestellt wird, mitgemacht haben", kritisierte etwa der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer.

Mehr zum Thema

In einer weiteren Umfrage, diesmal geführt vom Meinungsforschungsunternehmen Kantar Emnid im Auftrag des "Focus", hatte sich zuletzt eine knappe Mehrheit der befragten Deutschen für eine dauerhafte Einführung der Sommerzeit ausgesprochen - falls die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft wird.

Die EU-Kommission will die Zeitumstellung nun im kommenden Jahr abschaffen, sofern die EU-Regierungen und das Europaparlament grünes Licht geben. Das könnte jedoch schwierig werden, zuletzt gab es Berichte über Widerstand unter den Mitgliedsländern.

Sollte sich die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen jedoch durchsetzen, bliebe es jedem einzelnen Land überlassen, ob es dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit einführt. Theoretisch möglich wäre dann, dass sich Deutschland anders entscheidet als Nachbarn wie die Niederlande oder Tschechien.

Einen Flickenteppich will Brüssel allerdings unbedingt vermeiden. Für diesen Fall fürchtet die EU-Kommission sonst negative Folgen für den Waren- und Dienstleistungsverkehr im EU-Binnenmarkt.

Bisher gibt es in der EU bereits drei Zeitzonen: In Irland, Portugal und dem Vereinigten Königreich gilt die mittlere Greenwich-Zeit, in 17 EU-Staaten - darunter Deutschland - die mitteleuropäische Zeit (MEZ), die eine Stunde dahinterliegt. In acht weiteren Ländern gilt die osteuropäische Zeit, dort ist es noch eine Stunde später.

chs/mbe/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP