Wissenschaft

Explosion in der Mikrowelle

Ei, Ei, Ei

In den USA haben Forscher explodierende Eier analysiert. Was nach einer unsinnigen Studie klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Ausgangspunkt war ein kurioser Vorfall in einem Restaurant, der vor Gericht endete.

Shutterstock/ montreep

Zerfetztes Ei

Mittwoch, 06.12.2017   14:08 Uhr

Nach einem ungewöhnlichen Unfall in einem Restaurant haben Akustikexperten in den USA sich mit explodierenden Eiern beschäftigt. Ernsthaft! Die Untersuchung war nötig geworden, nachdem einem Restaurantbesucher ein Ei im Mund explodiert war.

Das bereits hartgekochte Ei war zuvor in einer Mikrowelle nochmals erwärmt worden. Der Gast gab in einem Rechtsstreit an, durch die Explosion nicht nur Verbrennungen im Mundraum, sondern auch Hörschäden davongetragen zu haben.

Die Akustikexperten sollten nun untersuchen, warum ein hartes, in der Mikrowelle erwärmtes Ei explodiert und welche Folgen das haben kann. Sie haben sich damit unfreiwillig für den Ig-Nobelpreis beworben, eine Art Antinobelpreis, der kuriose Forschung mit ernstem Hintergrund auszeichnen soll.

DPA

Eier in der Mikrowelle

Anthony Nash und Lauren von Blohn erhitzten fast hundert hartgekochte, geschälte Eier im Wasserbad drei Minuten lang in der Mikrowelle. Damit im Falle einer Explosion die Fetzen nicht durch die Gegend fliegen, steckten sie die Versuchseier jeweils in eine weiße Socke.

"Es ist ein bisschen wie Eier-Roulette."

In den meisten Fällen geschah bei diesem Prozedere gar nichts, berichten die Experten auf einem Treffen der Amerikanischen Akustik-Gesellschaft in New Orleans. 30 Prozent der Eier jedoch überstanden zwar unversehrt die Mikrowellen-Prozedur, explodierten aber anschließend, wenn man mit einem scharfen Gegenstand in sie hineinpikste.

"In 30 Zentimeter Entfernung entstanden Schallwellen-Spitzen von 86 bis 133 Dezibel", sagte Nash. Zum Vergleich: Die Schmerzschwelle des Menschen liegt zwischen 120 und 140 Dezibel. Auf Rockkonzerten werden mitunter Spitzenwerte über 100 Dezibel erreicht.

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Nash und von Blohn stellten zudem fest, dass die Temperaturen im Eidotter stets deutlich höher waren als im Wasserbad drumherum. Grund für die Explosion könnte sein, dass sich durch die Mikrowellen die Protein-Matrix des Dotters verfestigt und darin winzige Wassertaschen eingeschlossen werden. Dieses Wasser erhitzt sich schließlich über die normale Kochtemperatur hinaus, vermuten Nash und von Blohn.

Steche oder beiße dann jemand in das Ei hinein, werden die fragilen, superheißen Taschen zerstört, und es kommt zu einer explosionsartigen Kettenreaktion.

Gut möglich, dass Mikrowellen-Hersteller in den USA künftig eine Warnung vor Hörschäden in die Gebrauchsanweisungen aufnehmen, mutmaßen die Akustiker. Aber Nash betont: "Statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein explodierendes Ei das Gehör von jemandem schädigt, eher gering. Es ist ein bisschen wie Eier-Roulette."

jme/dpa

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