Wissenschaft

Zwei Todesfälle

Virus bedroht Elefanten in Hamburger Tierpark

Zwei junge Elefanten sind gestorben. Im Hamburger Tierpark Hagenbeck ist ein Virus ausgebrochen. Wo kommt es her, und was macht es so gefährlich?

DPA

Elefant Anjuli im Alter von zwei Monaten (Archiv)

Mittwoch, 13.06.2018   14:45 Uhr

Plötzlich war Kanja tot. Der zweieinhalbjährige Elefantenbulle brach am Mittwoch vor einer Woche in der Elefantenhalle von Hagenbecks Tierparkt in Hamburg zusammen. Zwar war es dem Bullen schon am Wochenende zuvor nicht gut gegangen. Mit dem Tod des Tieres hatten die Pfleger aber nicht gerechnet.

Zwei Tage nach dem Ereignis folgte die Erklärung für den raschen Krankheitsverlauf: Der Jungbulle war am Elefanten-Herpesvirus EEHV 1 erkrankt. Bricht die Viruserkrankung aus, stirbt das Tier in der Regel innerhalb weniger Tage. Menschen sind nicht gefährdet, da das Virus auf Elefanten spezialisiert ist.

Inzwischen gibt es einen zweiten Fall in der Herde. Auch bei der dreijährigen Elefantenkuh Anjuli wurde ein Virusausbruch nachgewiesen. Nachdem Tierärzte und Tierpfleger versucht hatten, das Tier noch zu retten, ist es am Mittwoch ebenfalls gestorben, wie der Tierpark am Nachmittag bekannt gab.

Warum ist EEHV so gefährlich?

Das Virus greift die nach innen gerichteten Zellen von Lymph- und Blutgefäßen an und befällt unterschiedlichen Organe. Breitet sich das Virus im Körper aus, schädigt es diese innerhalb kurzer Zeit sehr stark.

Die Folge können innere Blutungen oder ein schneller Herzschlag sein. Teilweise fressen die Elefanten nicht mehr richtig, die Zunge wird blau oder sie entwickeln Schwellungen im Maul, am Rüssel oder am Kopf. Durch die Organschäden bricht das Herz- Kreislauf-System irgendwann zusammen. Die Elefanten fallen, wie bei Kanja beobachtet, plötzlich tot um.

Vom Elefanten-Herpesvirus gibt es mehrere Formen. EEHV 1, die Variante, an der auch Jungbulle Kanja starb, gilt als am weitesten verbreitet und besonders gefährlich.

Woher kommt die Krankheit?

Das Virus ist weltweit verbreitet und kommt in afrikanischen und asiatischen Elefanten vor. Bekannt ist das Virus seit den Siebzigern. 1995 wurde im Zoo von Washington erstmals ein Todesfall bei einem asiatischen Elefanten nachgewiesen. Daraufhin untersuchten Forscher Gewebe zuvor verstorbener Tiere. Demnach erlagen schon in den Achtzigern Elefanten der Krankheit.

Wie häufig sind Todesfälle durch EEHV?

Da das Virus auch wilde Elefanten befällt, weiß das niemand genau. In europäischen Zoos sind seit 1988 etwa 30 Tiere an Herpes gestorben, berichtet der Tierpark Hagenbeck. Besonders häufig befällt das Virus Jungtiere im Alter zwischen einem und sieben Jahren.

Wie kommt das Virus in den Zoo?

Viele Elefanten tragen das Virus zwar in sich, erkranken aber nicht daran. Denkbar ist somit, dass das Virus bereits seit einiger Zeit in der Herde existiert.

In Studien in anderen Zoos haben Forscher das Virus mitunter im Rüsselsekret gesunder, erwachsener Asiatischer Elefanten nachgewiesen, nachdem Kälber der gleichen Herde erkrankt waren. Sie gehen daher davon aus, dass das Virus über die Flüssigkeit übertragen werden könnte - ähnlich wie beim Menschen manche Viren über den Speichel weitergeben werden.

Nach dem Tod von Jungbulle Kanja hat der Tierpark Hagenbeck angekündigt, die gesamte Herde auf das Virus zu testen.

Wie groß sind die Heilungschancen?

Sobald ein Tier Symptome hat, ist die Chance auf Heilung recht gering. Zwar gibt es einen Wirkstoff, der die Viren bekämpfen kann. Famciclovir schlägt aber nur an, wenn es in einem sehr frühen Stadium der Krankheit verabreicht wird. In ungefähr einem Drittel der Fälle war der Wirkstoff bislang erfolgreich. Die Behandlung ist zudem sehr teuer.

Von den bislang bekannten Erkrankungsfällen (nicht alle diese Tiere wurden medikamentös behandelt) verliefen ungefähr 80 Prozent tödlich.

Anmerkung der Redaktion: Zunächst stand in diesem Artikel, dass Elefantenkuh Anjuli noch lebe. Am Mittwochnachmittag hat der Tierpark allerdings ihren Tod bekanntgegeben. Wir haben den Artikel angepasst.

jme

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