Wissenschaft

Aufgeheizte Elbe

Hamburg warnt vor Fischsterben

Durch die hohen Temperaturen könnten in Hamburg massenhaft Fische sterben, befürchtet die zuständige Umweltbehörde. Der Sauerstoffgehalt ist bereits dramatisch gesunken, die Aussicht auf Rettung gering.

imago/blickwinkel

Wels in Hamburg

Dienstag, 05.06.2018   15:12 Uhr

Die Hamburger Umweltbehörde warnt vor einem Fischsterben in der Elbe und anderen Gewässern. Wegen der hohen Temperaturen und der niedrigen Wasserstände seien die Sauerstoffwerte teilweise deutlich unter die für Fische kritische Schwelle gesunken, heißt es in einer Mitteilung. Besonders bedroht seien Fischarten, die viel Sauerstoff benötigen wie Lachse, Meerforellen und Neunaugen.

Demnach wird es für Fische kritisch, wenn der Sauerstoffwert unter vier Milligramm pro Liter Wasser fällt. An einigen Stellen seien bereits Werte von weniger als zwei Milligramm gemessen worden. Derzeit liegen die Temperaturen in der Hamburger Elbe bei 20 bis 25 Grad Celsius und damit bis zu zehn Grad Celsius höher als noch vor einem Monat.

Erstes Fischsterben in Wilhelmsburg

Bereits am Wochenende war es im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zu einem massiven Fischsterben gekommen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, fischte tote Tiere aus dem Wasser und pumpte frisches, sauerstoffreiches Wasser in den Kanal.

Die Möglichkeiten für Rettungsmaßnahmen in der Elbe seien jedoch minimal, betonte die Behörde. Selbst wenn zusätzlich Sauerstoff in die Elbe gepumpt würde, hätte das kaum Auswirkungen. Das Wasservolumen des Flusses sei einfach zu groß. Die Stadt steuere aber "mittelfristig" gegen und plane weitere Naturschutzgebiete und Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern.

Da sich die Wetterlage in den kommenden Tagen voraussichtlich nicht ändern werde, könnte sich die Situation noch weiter verschärfen. Da außerdem Starkregen droht, könnten zusätzlich Sedimente in die Gewässer eingespült werden. Es müsse "mit einem sichtbaren Fischsterben gerechnet werden", hieß es weiter.

Hamburg bittet Bürger um Hilfe

Die Behörde gibt jedoch nicht nur den hohen Temperaturen Schuld an dem drohenden Fischsterben, sondern vor allem dem Menschen. Über die Jahrhunderte habe der Bau von Deichen, Hafenanlagen und Fahrrinnen das Flussbett verändert.

Dazu komme die sommerliche Algenblüte, die durch Nährstoffeinspülungen aus Landwirtschaft und Abwässern begünstigt werde. Diese Algen werden von Bakterien zersetzt, die dabei viel Sauerstoff verbrauchen, den sie dem Wasser entziehen. Die Stadt bittet Bürger, Anzeichen für Probleme in Flüssen oder Seen schnell an die Ämter weiterzugeben.

koe/AFP

insgesamt 18 Beiträge
Oberleerer 06.06.2018
1.
Wenn der Nährstoffeintrag Gift für die Gewässer ist, wieso gibt es dann keine Anklage wg. Brunnenvergiftung. Wenn die Grundstückseigentümer nicht freiwillig mit dem Gemeinwohl achtsam umgehen, muß es eben Maßnahmen geben, [...]
Wenn der Nährstoffeintrag Gift für die Gewässer ist, wieso gibt es dann keine Anklage wg. Brunnenvergiftung. Wenn die Grundstückseigentümer nicht freiwillig mit dem Gemeinwohl achtsam umgehen, muß es eben Maßnahmen geben, die das sicherstellen. Enteignungen sind da sicher sehr wirksam. Vom Nährstoffeintrag abgesehen, hat man kaum noch was vom Uran aus dem Mineraldünger im Grundwasser gehört. Ist das plötzlich verschwunden?
regelaltersrentner 06.06.2018
2.
Am besten man steckt die Grundstückseigentümer in ein Internierungslager und die Städter pflanzen ihre Lebensmittel auf den enteigneten Flächen selber an.
Zitat von OberleererWenn der Nährstoffeintrag Gift für die Gewässer ist, wieso gibt es dann keine Anklage wg. Brunnenvergiftung. Wenn die Grundstückseigentümer nicht freiwillig mit dem Gemeinwohl achtsam umgehen, muß es eben Maßnahmen geben, die das sicherstellen. Enteignungen sind da sicher sehr wirksam. Vom Nährstoffeintrag abgesehen, hat man kaum noch was vom Uran aus dem Mineraldünger im Grundwasser gehört. Ist das plötzlich verschwunden?
Am besten man steckt die Grundstückseigentümer in ein Internierungslager und die Städter pflanzen ihre Lebensmittel auf den enteigneten Flächen selber an.
Oberleerer 06.06.2018
3.
Das wäre eine Anregung, gefällt mir sehr. Immerhin produzieren wir wohl ohnehin viel zu viel.
Zitat von regelaltersrentnerAm besten man steckt die Grundstückseigentümer in ein Internierungslager und die Städter pflanzen ihre Lebensmittel auf den enteigneten Flächen selber an.
Das wäre eine Anregung, gefällt mir sehr. Immerhin produzieren wir wohl ohnehin viel zu viel.
geri&freki 06.06.2018
4. Auf Kosten anderer...
Vielleicht könnte man dann eines Tages obendrein sogar wieder Fische in der Unterelbe fangen. Immerhin hat der Fluss hier einstmals zahlreichen Binnenfischern Lohn und Brot gegeben. Und nicht unbeträchtliche Teile der [...]
Zitat von regelaltersrentnerAm besten man steckt die Grundstückseigentümer in ein Internierungslager und die Städter pflanzen ihre Lebensmittel auf den enteigneten Flächen selber an.
Vielleicht könnte man dann eines Tages obendrein sogar wieder Fische in der Unterelbe fangen. Immerhin hat der Fluss hier einstmals zahlreichen Binnenfischern Lohn und Brot gegeben. Und nicht unbeträchtliche Teile der örtlichen Bevölkerung mit preiswerter, durchaus aber hochwertiger Nahrung versorgt. Aber das unterschlägt man natürlich geflissentlich. Nicht jede Berufsgruppe hat eben so viele und so mächtige Schutzheilige in der Politik wie die Agro-Fraktion...
regelaltersrentner 06.06.2018
5.
Wann war das, dass man die Fische der Elbe essen konnten, vor 100 Jahren? Durch die Abwässer der Industrie und der Kommunen war die Elbe eines der schmutzigsten Flüsse Deutschlands. Dresden zb. hat bis 1952 ihre [...]
Zitat von geri&frekiVielleicht könnte man dann eines Tages obendrein sogar wieder Fische in der Unterelbe fangen. Immerhin hat der Fluss hier einstmals zahlreichen Binnenfischern Lohn und Brot gegeben. Und nicht unbeträchtliche Teile der örtlichen Bevölkerung mit preiswerter, durchaus aber hochwertiger Nahrung versorgt. Aber das unterschlägt man natürlich geflissentlich. Nicht jede Berufsgruppe hat eben so viele und so mächtige Schutzheilige in der Politik wie die Agro-Fraktion...
Wann war das, dass man die Fische der Elbe essen konnten, vor 100 Jahren? Durch die Abwässer der Industrie und der Kommunen war die Elbe eines der schmutzigsten Flüsse Deutschlands. Dresden zb. hat bis 1952 ihre Fäkalien ungeklärt in die Elbe geleitet, erst 2006 entsprach die Qualität des gereinigten Abwassers den geltenden EU-Vorschriften. Und sie sprechen von einer früheren guten Wasserqualität?

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