Wissenschaft

Rekordkälte an Niagarafällen

Eiskalt erwischt

Die Kältewelle hält Nordamerika fest im Griff. Der Frost hat sogar die berühmten Niagarafälle in eine faszinierende Eislandschaft verwandelt - und schenkt uns spektakuläre Bilder.

AFP
Aus Ontario berichtet
Montag, 08.01.2018   13:28 Uhr

Als ich vor fünf Jahren als Wissenschaftskorrespondent nach Amerika ging, entschied ich mich für den Standort Boston - unter anderem des Wetters wegen. Die Jahreszeiten sind hier so ausgeprägt, wie man sie sich nur wünschen kann: Die Hitze im Sommer macht die Flucht an den Strand zum Überlebensreflex, im Herbst glühen die Wälder in den prachtvollen Farben des Indian Summers, und im Winter gibt's so viel Schnee, dass zumindest in den Vororten manch einer mit Skiern ins Büro fahren kann.

In diesem Jahr schlägt der Winter sogar Jahrhundertrekorde: Erst hielt der hartnäckigste je gemessene Dauerfrost unter 20 Grad Fahrenheit (-7 Grad Celsius) die Stadt in ihrem Bann. Dann durften wir lernen, was einen "Nor'easter" zu einem ausgewachsenen "Bomb cyclone" macht.

Und der höchste Flutpegel aller Zeiten warf in Seaport die Frage auf, ob es wirklich klug ist, in Zeiten ansteigender Meeresspiegel dieses als Zukunftsquartier konzipierte Stadtviertel direkt an der Waterkant hochzuziehen. Jedenfalls mussten die Nerds durch Eiswasser stapfen.

Wundervolles Wintermärchenland

Und weil die Amerikaner so rekordvernarrt sind, hier noch ein weiterer Superlativ: Auf dem Mount Washington, dem höchsten und besonders windumtosten Gipfel Neuenglands, wurde, zumindest was die gefühlte Temperatur betrifft, die Marke von -100 Fahrenheit (-73 Grad Celsius) durchbrochen. So etwas gibt es eigentlich nur auf der Antarktis.

Wir haben das Frost-Wochenende für einen Besuch der Niagarafälle genutzt. Für unseren 17-jährigen Sohn war die 700-Kilometer-Tour durchs Schneegestöber eine wahre Eistaufe als Autofahrer. Aber die Strapaze hat sich gelohnt: Es empfing uns ein wundervolles Wintermärchenland.

Zur Totalvereisung der Fälle kann es eigentlich nicht kommen. Zwar stürzen hier im Winter nur rund 85 Millionen Liter Wasser pro Minute über die große Schwelle zwischen Erie- und Ontariosee, und damit nur halb so viel wie im Sommer. Doch auch das ist genug, um sich auch durch noch so bitteren Frost nicht aufhalten zu lassen. Auch wenn man das Wasser nicht mehr sieht, hört ma es rauschen - unter dem Eis.

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Niagarafälle: Eiskalt erwischt

Immerhin aber umrankt das Eis die Fälle in Gestalt imposanter Skulpturen, und ein zentimeterdicker Mantel aus Eis verzaubert alles am Ufer. Denn wie immer, so steht auch jetzt eine mächtige Wolke aus verstäubtem Wasser über den Fällen, doch anders als im Sommer geht sie nicht als Regen, sondern als feines Nieseleis auf die Besucher nieder. Alle Bäume, Sträucher, Laternen und auch die leider allzu zahlreichen Verbotsschilder und Absperrgatter kleidet dieses in Eis.

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