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Wie China als erste Nation auf der Rückseite des Mondes landen will

Das hat noch niemand gewagt: China will mit einer Sonde die verborgene Region des Mondes erkunden.

DPA / Nasa / DSCOVR

Mondrückseite (mit Erde im Hintergrund): Dieses Bild hat der Nasa-Satellit "DSCOVR" im August 2015 gemacht.

Donnerstag, 06.12.2018   14:46 Uhr

Die letzten Vorbereitungen zur Reise "hinter den Mond" laufen. Der Start der Sonde "Chang'e 4" ist für Freitagabend deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof im westchinesischen Xichang geplant, wie Quellen im Umfeld des chinesischen Raumfahrtprogramms der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.

Gelingt die Mission, wäre China die erste Nation, die auf der Rückseite des Mondes landet. "Chang'e 4" soll mit einem Roboterfahrzeug nahe des Südpols des Erdtrabanten aufsetzen, von wo aus der Rover dann seine Erkundung startet.

"Das hat noch nie jemand gemacht. Es wird von Bedeutung sein", sagte Ouyang Ziyuan, leitender Wissenschaftler des chinesischen Mondprogramms. Wie schon bei der Reise der "Chang'e 3", der erste chinesische Sonde, die 2013 auf dem Mond aufsetzte, werde es zwei Wochen oder ein paar Tage länger dauern, bis die "Chang'e 4" die Mondoberfläche erreicht. Die Raumschiffe des Mondprogramms sind nach der legendären chinesischen Mondfee "Chang'e" benannt.

Die sogenannte gebundene Rotation sorgt dafür, dass von der Erde immer nur eine Seite des Mondes zu sehen ist - 41 Prozent der Mondoberfläche sind verborgen. Erst seit 59 Jahren ist bekannt, wie es ungefähr auf der Rückseite des Mondes aussieht. Am 7. Oktober 1959 sendete die sowjetische Sonde "Lunik 3" 29 Bilder von dort.

Schwierige Kommunikation

Die größte technische Herausforderung der Mission ist laut Ouyang Ziyuan die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum. Da sich Sonde und Rover auf der Mond-Rückseite im Funkschatten zur Erde befinden, hatte China im Mai einen Übertragungssatelliten auf den Weg gebracht, der als Relais-Station dienen soll.

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An Bord von "Chang'e 4" befindet sich auch Saatgut, mit dem geprüft werden soll, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

Während andere Nationen ihre Raumfahrtprogramme kürzen, verfolgt China ehrgeizige Pläne im All. So ist nicht nur der Bau einer eigenen Raumstation geplant, sondern auch eine weitere Erkundung des Mondes.

Nach der Landung auf der Rückseite des Mondes könnte möglicherweise schon im nächsten Jahr eine Mission starten, bei der auch Gestein zur Erde zurückgebracht werden soll. Nach den chinesischen Plänen soll bis 2030 erstmals ein Chinese auf dem Mond landen.

Im Video: Die Kraft des Trabanten - Brauchen wir den Mond?

Foto: BBC

Die USA hatten zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Erdtrabanten gebracht. 1976 war die sowjetische Sonde "Luna 24" auf dem Mond, 37 Jahre später Chinas "Chang'e 3".

boj/dpa

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