Wissenschaft

Chinesische Raumstation

"Tiangong 1" über Südpazifik abgestürzt

Der größte Teil ist verglüht, der Rest in den Südpazifik gestürzt: Die letzten Trümmer von Chinas Raumstation "Tiangong 1" sind auf der Erde niedergegangen - ohne Schaden anzurichten.

DPA

Radarfoto des chinesischen Raumlabors "Tiangong 1"

Montag, 02.04.2018   06:46 Uhr

Chinas Raumstation "Tiangong 1" ist über dem Südpazifik abgestürzt. Das außer Kontrolle geratene Weltraumlabor sei beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre größtenteils verglüht, teilte die chinesische Raumfahrtbehörde CMSEO am Montag in Peking mit. Bis zuletzt war unklar, wann und wo genau die verbleibenden Trümmerteile auf die Erde stürzen würden.

Kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre hatte die chinesische Raumfahrtbehörde noch mitgeteilt, dass die Station über dem Südatlantik abstürzen werde, vor der Küste der brasilianischen Stadt São Paulo. Unmittelbar danach ging "Tiangong 1" dann gegen 2.15 Uhr (MESZ) mitten über dem Südpazifik in den Sturzflug. Das US-Militär bestätigte, dass die chinesische Raumstation über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eingetreten sei.

China, das ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm unterhält, hatte "Tiangong 1" (zu Deutsch: "Himmelspalast") im September 2011 im Weltall ausgesetzt. Auf dem Außenposten im All koppelten mehrere bemannte und unbemannte Raumschiffe an, doch seit 2013 hat kein Taikonaut mehr die Raumstation betreten.

Danach geriet "Tiangong 1" im All außer Kontrolle. Im März 2016 brach der Funkkontakt ab - das 8,5 Tonnen schwere Raumlabor ließ sich nicht mehr steuern und auch nicht mehr kontrolliert in die Erdatmosphäre manövrieren.

REUTERS

Modell der Raumstation "Tiangong 1"

Im September 2016 schickte China den Nachfolger "Tiangong 2" ins All. Bis 2022 soll daraus eine große, ständig bemannte Raumstation entstehen.

Die Raumfahrtbehörden weltweit hatten den Sinkflug von "Tiangong 1" genau verfolgt. Die Experten versicherten aber, dass für Menschen keine Gefahr bestehe. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa hatte erklärt, die Station werde wahrscheinlich ins Meer stürzen. Die Gefahr für Menschen war vorab als äußerst gering eingestuft worden. "Die Wahrscheinlichkeit für ein Individuum, von einem Trümmerteil verletzt zu werden, ist so hoch wie die Möglichkeit, von einem Blitz zweimal in einem Jahr getroffen zu werden", hatte Holger Krag von der Esa gesagt. In der Geschichte der Raumfahrt gab es bisher noch keinen bestätigten Fall, in dem ein Mensch von einem Teil Weltraumschrott verletzt wurde.

Bereits vor einigen Tagen hatte die chinesische Raumfahrtbehörde beteuert, niemand müsse befürchten, dass die Station "wie in einem Science-Fiction-Film wild auf die Erde stürzen wird". Vielmehr werde sie sich in einen "prächtigen Sternschnuppenregen verwandeln, der durch den sternenklaren Himmel zur Erde braust".

Die Hoffnungen von Sternguckern und Astronomen auf ein spektakuläres Himmelsspektakel erfüllten sich jedoch nicht. Die Raumstation sei vor dem Sturz in den weitgehend menschenleeren Pazifik bei Tageslicht über Pjöngjang und die japanische Stadt Kyoto hinweggerast, sagte der US-Experte Jonathan McDowell. "Es wäre für die Leute toll gewesen, den Absturz beobachten zu können, aber es wird noch weitere Wiedereintritte geben", fügte der Astronom vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik hinzu. Gut sei letztlich, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden gekommen sei.

oka/AFP/dpa

insgesamt 12 Beiträge
lesheinen 02.04.2018
1.
Dieser Vergleich, von einem Weltraumschrottteil getroffen zu werden, sei genauso groß, wie zwei Mal im Jahr von enem Blitz getroffen zu werden, ist sehr anschaulich und sicherlich statistisch nicht von der Hand zu weisen. Genauso [...]
Dieser Vergleich, von einem Weltraumschrottteil getroffen zu werden, sei genauso groß, wie zwei Mal im Jahr von enem Blitz getroffen zu werden, ist sehr anschaulich und sicherlich statistisch nicht von der Hand zu weisen. Genauso wie ein atomarer Unfall nur alle 10000 Jahre vorkommen kann. Letzteres ist durch Tschernobyl, Free Miles Island und andere kleinere Ereignisse auch bewiesen worden. Wetten, dass Tschernobyl die nächten 10000 Jahre nicht mehr hochgehen wird? Irgendwann wird so ein Trumm auf bewohntes Gebiet stürzen, sagt der andere Teil der Statistik. Die Betroffenen haben dann eben einfach Pech gehabt. Die Wissenschaft hat immer Opfer gefordert.
homa64 02.04.2018
2. Ganz genau!
@ledesheinen Wissenschaft fordert manchmal Opfer. Manchmal sterben Menschen dadurch. Genau so, wie durch Autounfälle, Schiffshavarien oder Flugzeugabstürze. Auch die Arbeitswelt fordert Opfer. Und auch das schlichte Wohnen. [...]
@ledesheinen Wissenschaft fordert manchmal Opfer. Manchmal sterben Menschen dadurch. Genau so, wie durch Autounfälle, Schiffshavarien oder Flugzeugabstürze. Auch die Arbeitswelt fordert Opfer. Und auch das schlichte Wohnen. Das sogar am meisten. Was genau wolltest du also damit sagen? Dass wir auf all das verzichten sollten?
wilma.t.schneider 02.04.2018
3. Letzte Trümmer - ohne Schaden anzurichten?
Lieber Spiegel, ich finde Ihren Artikel ungenau, gedankenlos formuliert und fühle mich überhaupt nicht informiert: "Die letzten Trümmer von Chinas Raumstation 'Tiangong 1' sind auf der Erde niedergegangen - ohne Schaden [...]
Lieber Spiegel, ich finde Ihren Artikel ungenau, gedankenlos formuliert und fühle mich überhaupt nicht informiert: "Die letzten Trümmer von Chinas Raumstation 'Tiangong 1' sind auf der Erde niedergegangen - ohne Schaden anzurichten." schreiben Sie. Was genau bedeutet das? Der Süddeutschen Zeitung kann ich zumindest entnehmen, dass es sich bei "den letzten Trümmern" wohl um etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen kleine Stücke handelt, vor allem aus Titan oder Edelstahl. Und die sind nun in den Südpazifik gestürzt ohne Schaden anzurichten. Echt? Kommt wahrscheinlich sehr darauf an, wie man Schaden anrichten definiert, oder? Viele Grüße
Flari 02.04.2018
4.
Selbstverständlich wurde die Wasseroberfläche des Südpazifik an einigen Stellen durchstossen, was aber nicht als dauerhafter Schaden zu sehen ist, da Wasserspiegel unmittelbar selbstreparierend konstruiert sind. Etwas [...]
Zitat von wilma.t.schneiderLieber Spiegel, ich finde Ihren Artikel ungenau, gedankenlos formuliert und fühle mich überhaupt nicht informiert: "Die letzten Trümmer von Chinas Raumstation 'Tiangong 1' sind auf der Erde niedergegangen - ohne Schaden anzurichten." schreiben Sie. Was genau bedeutet das? Der Süddeutschen Zeitung kann ich zumindest entnehmen, dass es sich bei "den letzten Trümmern" wohl um etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen kleine Stücke handelt, vor allem aus Titan oder Edelstahl. Und die sind nun in den Südpazifik gestürzt ohne Schaden anzurichten. Echt? Kommt wahrscheinlich sehr darauf an, wie man Schaden anrichten definiert, oder? Viele Grüße
Selbstverständlich wurde die Wasseroberfläche des Südpazifik an einigen Stellen durchstossen, was aber nicht als dauerhafter Schaden zu sehen ist, da Wasserspiegel unmittelbar selbstreparierend konstruiert sind. Etwas anders natürlich der Meeresboden, ggf. wird man dort auch noch nach Jahrzehnten Eindellungen vorfinden können.
lesheinen 02.04.2018
5.
Was genau ich sagen will, will ich Ihnen gerne sagen: Wissenschaft, die ihren Schöpfer zu schaden in der Lage ist, ist ihm gerne erlaubt. Die Weltraumforschung nimmt billigend in Kauf, dass irgendwann vollkommen [...]
Zitat von homa64@ledesheinen Wissenschaft fordert manchmal Opfer. Manchmal sterben Menschen dadurch. Genau so, wie durch Autounfälle, Schiffshavarien oder Flugzeugabstürze. Auch die Arbeitswelt fordert Opfer. Und auch das schlichte Wohnen. Das sogar am meisten. Was genau wolltest du also damit sagen? Dass wir auf all das verzichten sollten?
Was genau ich sagen will, will ich Ihnen gerne sagen: Wissenschaft, die ihren Schöpfer zu schaden in der Lage ist, ist ihm gerne erlaubt. Die Weltraumforschung nimmt billigend in Kauf, dass irgendwann vollkommen Unbeteiligte zu Schaden kommen. Begründung: die Wahrscheinlichkeit ist denkbar gering, das Risiko Dritter vernachlässigbar. Um Ihre Beispiele aufzugreifen: wenn ich Auto fahre, ein Schiff oder ein Flugzeug steuere und andere auch nur fahrlässig zu Schaden bringe, werde ich bestraft. Die Weltraumpioniere haben das nicht zu befürchten. Um Ihre Beispiele noch zu toppen: Nicht das Wohnen, sondern das Bett ist am meisten zu fürchten. Dort sterben die Meisten. Das lässt sich wissenschaftlich belegen.

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