Wissenschaft

Kosmisches Feuerwerk

Der Sternschnuppen-Lieferservice

Ein Start-up aus Japan hat einen Satelliten ins All geschossen, der auf Bestellung künstliche Sternschnuppen erzeugen soll. Angeblich geht es aber nicht nur um Unterhaltung.

AFP

Präsentation der Technik 2015

Freitag, 18.01.2019   11:28 Uhr

Die Firma schreibt auf ihrer Internetseite von einem "ganz neuen Level von Entertainment". Um ein farbenfreudiges Schauspiel am Nachthimmel zu erzeugen, hat das japanischen Start-up Ale (Astro Live Experience) einen Satelliten ins All geschossen - damit sollen erstmals künstliche Sternschnuppen hergestellt werden.

Der Satellit trat seine Reise am Freitagmorgen von der Raumfahrtstation Uchinoura aus mit einer kleinen Epsilon-4-Rakete der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa an, wie deren Sprecher Nobuyoshi Fujimoto sagte. Im Frühjahr 2020 soll dann der erste von Menschen gemachte Meteorschauer über Hiroshima niedergehen. Eine solche Show sei außerdem auch für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio geplant.

Ale-Chefin Lena Okajima zeigte sich begeistert von dem gelungenen Start ins All: "Jetzt geht die richtige Arbeit los", sagte sie der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press.

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Im Innern des Satelliten befinden sich 400 kleine Kugeln - sie sind etwa einen Zentimeter groß. Die genaue chemische Zusammensetzung hält die Firma geheim. Die Kugeln reichen für 20 bis 30 bunte Meteorschauer und werden auf Kundenbestellung gezündet. Beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen sie laut Plan in einer Höhe von 60 bis 80 Kilometern. Dabei soll ein leuchtender Schweif entstehen. Jede künstliche Sternschnuppe leuchte für mehrere Sekunden und in unterschiedlichen Farben - und dies so hell, dass sie sogar über Metropolen wie Tokio zu sehen sein soll.

Es geht bei dem Projekt laut Ale aber auch um wissenschaftliche Erkenntnisse und nicht nur um Unterhaltung. Denn das Unternehmen wolle Daten über Dichte, Windrichtung sowie die chemische Zusammensetzung der oberen Atmosphäre sammeln. Außerdem solle erfasst werden, wie sich beim Eintritt in die Atmosphäre die Flugbahn der Kugeln verändert, schreibt das Unternehmen, das 2011 gegründet wurde, auf seiner Webseite.

Ale will seine Dienste allerdings nicht nur über dem Himmel Japans, sondern weltweit anbieten. Dafür soll Mitte des Jahres noch ein weiterer Satellit in den Orbit befördert werden. Wie teuer das künstliche Himmelsschauspiel für Kunden wird, ließ das Start-up bisher offen.

joe/AFP

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