Wissenschaft

US-Weltraumbehörde

Der Nasa gehen die Raumanzüge aus

Die US-Weltraumbehörde hat 200 Millionen Dollar für neue Raumanzüge ausgegeben. Dennoch bekommen ihre Astronauten vorerst keine. Gleichzeitig werden die existierenden Modelle gefährlich alt.

AP/ NASA

Nasa- und Esa-Astronaut beim Außeneinsatz an der ISS (Archivbild)

Donnerstag, 27.04.2017   16:57 Uhr

Es sind dramatische Augenblicke, damals am 13. Juni 2013. Als Esa-Astronaut Luca Parmitano zusammen mit seinem US-Kollegen Chris Cassidy außerhalb der Internationalen Raumstation arbeitet, muss er der Bodenkontrolle melden, dass auf einmal große Mengen Wasser in seinen Helm eindringen. Der italienische Kampfpilot ist einiges gewohnt und ausgesprochen stressresistent - doch nun droht er im freien Weltall zu ertrinken.

Anderthalb Liter landeten insgesamt in Parmitanos Helm - wohl, weil eine Pumpe im Lebenserhaltungssystem verstopft war. Zu diesem Fazit kam ein Nasa-Untersuchungsbericht später. Der Vorfall warf ein Licht auf den teils problematischen Zustand der US-Raumanzüge, die auch von den europäischen Raumfahrern für ISS-Außeneinsätze genutzt werden.

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Luca Parmitano: Gefährlicher Einsatz im All

Nun hat sich der Generalinspekteur der Nasa in einem neuen Bericht den Zustand aller Raumanzüge einmal angesehen, ebenso die Entwicklungsprojekte für Nachfolgemodelle. Das Urteil fällt harsch aus: Nur noch 11 der 18 vor 40 Jahren entwickelten aktuellen Anzüge sind überhaupt noch einsetzbar. Bei insgesamt 200 Außeneinsätzen habe es 27 "signifikante Zwischenfälle" gegeben.

Eine nutzbare Ablösung für die Raumanzüge wird noch Jahre auf sich warten lassen. Dabei hat die Nasa bereits 200 Millionen Dollar in die Entwicklung gesteckt. Das Projekt war schwierig, weil sich die politischen Zielvorgaben für das US-Raumfahrtprogramm in den vergangenen Jahren immer wieder geändert haben.

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Im Kern geht es um die Frage, wo die Astronauten neben der Internationalen Raumstation noch hinreisen sollen? Zum Mond? Zum Mars? Auf einen Asteroiden? Nirgendwohin, weil sie nur im niedrigen Erdorbit bleiben sollen?

Je nach Präsident gab es verschiedene Antworten - und deswegen kam die Entwicklung nicht schnell genug voran. Die Nasa vergab außerdem einen externen Vertrag an das Unternehmen Oceaneering International, arbeitete aber gleichzeitig selbst an Anzügen ("Advanced Space Suit Project"). Auch dafür gab es nun Kritik. Insgesamt 80 Millionen Dollar seien durch den Vertrag mit Oceaneering verschwendet worden, der inzwischen immerhin beendet worden sei.

Einen neuen Anzug werden die Nasa- und Esa-Raumfahrer auf Jahre nicht bekommen. Dadurch, dass vom alten Modell nicht mal mehr ein Dutzend Exemplare nutzbar sind, zweifeln die Nasa-Aufseher daran, ob diese ausreichen, um die für die ISS-Nutzung vorgesehene Zeit bis 2024 zu überbrücken. Von einer möglichen Verlängerung der Stationsnutzung bis 2028 ganz zu schweigen.

chs

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