Wissenschaft

Erste Messungen von "Osiris Rex"

Asteroid Bennu hatte Kontakt mit Wasser

Vor wenigen Tagen ist die Nasa-Sonde "Osiris Rex" an ihrem Ziel angekommen, dem Asteroiden Bennu. Von dort liefert sie nun bereits die ersten Messungen - und Wasser spielt dabei eine entscheidende Rolle.

NASA / Goddard / University of Arizona / REUTERS

Asteroid Bennu aus 24 Kilometern Entfernung

Aus Washington berichtet
Dienstag, 11.12.2018   10:58 Uhr

Am Morgen des 3. Dezember sei er aufgewacht, grinst Dante Lauretta, und habe da einen Termin in seinem Kalender gefunden, den er vor zehn Jahren eingetragen habe. Der Planetenforscher arbeitet an der University of Arizona und ist Chefwissenschaftler der Nasa-Sonde "Osiris Rex". Und die ist eben am 3. Dezember an ihrem Ziel angekommen, dem Asteroiden "Bennu".

Lauretta schwärmt von dem etwa 500 Meter messenden Himmelskörper als einer "faszinierenden kleinen Welt". Auf dem Jahrestreffen der American Geophysical Union (AGU) in Washington hat er nun zusammen mit Kollegen erste Fotos und Messungen von dort präsentiert.

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Nasa-Mission "Osiris-Rex": Another one picks the dust

Zwei Spektrometer an Bord von "Osiris Rex", die Instrumente "Ovirs" und "Otes" haben demnach Hinweise darauf geliefert, dass Tonminerale auf der gesamten Oberfläche des Asteroiden mit Wasser in Kontakt gekommen sind.

Nur minimale Gravitation

Der Himmelskörper selbst ist allerdings nach Ansicht der Forscher zu klein, um jemals über flüssiges Wasser verfügt zu haben - die Gravitation auf Bennu ist schließlich nur ein Hunderttausendstel so stark wie die auf der Erde. Dass das Gestein aber in der Vergangenheit in Kontakt mit Wasser gekommen ist, daran besteht nach den nun präsentierten Messungen kein Zweifel.

Wie passt das zusammen?

Bennu, so beschreibt es Lauretta, dürfte einst Teil eines größeren Himmelskörpers gewesen sein. Dort habe es vermutlich Eis gegeben - und das sei irgendwann geschmolzen. So sei das Gesteinsmaterial mit dem Wasser in Kontakt gekommen. Bei einem katastrophalen Einschlag sei der größere Himmelskörper dann zerstört worden, wohl so ungefähr vor einer Milliarde Jahren.

Aus den Überbleibseln sei später Bennu entstanden, der seitdem als eine Art fliegender Geröllhaufen seine Bahn im Sonnensystem zieht. Ein Geröllhaufen mit einer Gesamtmasse von mehr als 60 Millionen Tonnen wohlgemerkt. Der Asteroid kreuzt auch regelmäßig die Erdbahn - und könnte unserem Planeten in der fernen Zukunft auch einmal gefährlich werden.

So gibt es zumindest die geringe Wahrscheinlichkeit eines Einschlags im Jahr 2135. Auch zur Abschätzung dieses Risikos sollen die Messungen von "Osiris Rex" dienen. Die gehen jetzt erst so richtig los.

Suche nach organischen Verbindungen

Gesucht wird dabei zum Beispiel nach organischen Verbindungen. Die lassen sich etwa in bestimmten Meteoriten finden, die aus dem Asteroidengürtel kommend auf die Erde gestürzt sind. Diese sogenannten kohligen Chondrite stammen von einer bestimmten Untergattung von Asteroiden zu der auch Bennu gehört.

Ein wichtiges Zwischenziel sei bereits geschafft, sagt Lauretta: "Sehr früh im Verlauf der Mission wissen wir, dass Bennu über das Material verfügt, das wir zurückbringen wollen." Mit einer Art kosmischem Staubsauger soll die Sonde feine Gesteinskrümel von der Asteroidenoberfläche holen - und im Jahr 2023 zur Erde bringen. Die Menge soll irgendwo zwischen 60 und 2000 Gramm liegen.

Das Einsammeln wird allerdings womöglich schwieriger als geplant: Frühere Radarmessungen mit Radioteleskopen auf der Erde hatten nahegelegt, dass es nur einen größeren Felsblock an Bennus Südpol gibt, etwa zehn Meter groß. Der Rest der Oberfläche schien staubig zu sein.

In der Realität misst der Fels allerdings eher 50 Meter. Und weitere Brocken der Zehn-Meter-Klasse gibt es Hunderte. "Die Landschaft ist etwas rauer als wir gedacht hatten", sagt Lauretta. Das Probennehmen wird es deswegen kompliziert - und das Team muss eine Stelle möglichst frei von Felsbrocken aussuchen. Dafür will man sich jetzt mehr als ein Jahr Zeit nehmen.

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