Wissenschaft

Transport mit "Falcon 9"-Rakete

Rätselraten um US-Spionagesatellit

Beim Aussetzen eines US-Spionagesatelliten soll es Probleme gegeben haben, melden US-Medien. Die Ladung sei Milliarden Dollar wert gewesen - und müsse wohl abgeschrieben werden.

AFP

Start der "Falcon 9": Screenshot eines SpaceX-Videos

Dienstag, 09.01.2018   13:49 Uhr

Ein milliardenteurer US-Spionagesatellit, der mit einer "Falcon 9"-Rakete des privaten Unternehmens SpaceX ins Weltall gebracht werden sollte, hat den Orbit offenbar nicht erreicht. Das berichten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg. Zwei über die Mission unterrichtete US-Offizielle sprachen demnach von einem Totalverlust.

Der Spionagesatellit habe sich nicht von der zweiten Stufe der Rakete lösen können, hieß es weiter. Er sei zerbrochen und in der Atmosphäre verglüht, sagten die beiden Offiziellen, die anonym bleiben wollten. Der Satellit müsse wohl abgeschrieben werden.

Zunächst keine Hinweise auf Sabotage

Nach anfänglichen Rückschlägen waren SpaceX in den vergangenen Monaten mehrere erfolgreiche Starts mit ihrer wiederverwertbaren "Falcon 9" gelungen. Das von Elon Musk gegründete Unternehmen hatte im Mai vergangenen Jahres auch erstmals einen Spionagesatelliten für das Militär mit einer "Falcon 9"-Rakete ins All geschickt.

Vorausgegangen war ein Rechtsstreit, bei dem ein zehnjähriges Monopol der United Launch Alliance (ULA) von Boeing und Lockheed Martin gebrochen wurde. Damit konnte SpaceX einen Teil des lukrativen Milliardenmarktes für Regierungsmissionen für sich beanspruchen.

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Der am Sonntag gestartete Satellit mit Codenamen Zuma sei von Northrop Grumman gebaut worden und mehrere Milliarden Dollar wert, hieß es weiter. Der Rüstungskonzern habe SpaceX auch für den Raumflug beauftragt. Der Vorfall werde untersucht, es gebe aber zunächst keine Hinweise auf Sabotage oder andere Eingriffe, sagten die beiden Offiziellen.

Ein Sprecher von SpaceX sagte: "Wir kommentieren derartige Missionen nicht, aber bis jetzt zeigen die untersuchten Daten, dass die 'Falcon 9' ordnungsgemäß funktionierte."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben Überschrift und Vorspann dieses Artikels nachträglich präzisiert, um klarer zu machen, dass sich SpaceX nicht in der Verantwortung für die Probleme sieht. Manager Gwynne Shotwell hat inzwischen bekräftigt, nach Durchsicht aller bisherigen Daten habe die Rakete "alles richtig gemacht".

brt/Reuters

insgesamt 45 Beiträge
zeichenkette 09.01.2018
1. Ist halt geheim
Ob das Ding nun im Orbit ist oder nicht, hat nichts mit dem zu tun, was da gesagt wird. Wenn ein geheimer Satellit gestartet wird, kann auch diese Aussage "hat den Orbit nicht erreicht" ein Teil der Geheimhaltung sein, [...]
Ob das Ding nun im Orbit ist oder nicht, hat nichts mit dem zu tun, was da gesagt wird. Wenn ein geheimer Satellit gestartet wird, kann auch diese Aussage "hat den Orbit nicht erreicht" ein Teil der Geheimhaltung sein, denn vielleicht waren das ja 300 Mini-Satelliten (die man nicht orten kann) oder gar kein Satellit, sondern ein Test eines Wiedereintrittskörpers. Oder ein "Stealth"-Satellit. Oder er hat an einem anderen Satellit angekoppelt, und ist damit als eigenständiger Satellit nicht mehr sichtbar. Es gibt jedenfalls mehr als genug Möglichkeiten, die dazu führen können, dass die Rakete das Nutzlast korrekt ausgeliefert hat, dann aber kein Satellit offiziell auftaucht. Daraus dann die Aussage "SpaceX verliert Spionagesatelliten" zu stricken, ist schon ziemlich gewagt. SpaceX jedenfalls macht so weiter, als sei alles nach Plan gelaufen soweit die F9 betroffen ist und das täten sie nicht (und dürften sie auch gar nicht) wenn sie eine Nutzlast verloren hätten.
Sensør 09.01.2018
2.
Zum Glück ist nichts wichtiges verloren gegangen.
Zum Glück ist nichts wichtiges verloren gegangen.
Flari 09.01.2018
3. Spannend..
Spannend bleibt, was für Mega-Weltraumprojekt Musk folglich in den den nächsten Tagen vorstellen wird.
Spannend bleibt, was für Mega-Weltraumprojekt Musk folglich in den den nächsten Tagen vorstellen wird.
tomasl 09.01.2018
4. Über das Satellitenprogramm gab es ähnlich kryptische Informationen
einmal sollte ein Satellit kaputtgegangen sein, wurde aber weiter von Astronomen auf der vorgesehenen Umlaufbahn gesichtet
Zitat von zeichenketteOb das Ding nun im Orbit ist oder nicht, hat nichts mit dem zu tun, was da gesagt wird. Wenn ein geheimer Satellit gestartet wird, kann auch diese Aussage "hat den Orbit nicht erreicht" ein Teil der Geheimhaltung sein, denn vielleicht waren das ja 300 Mini-Satelliten (die man nicht orten kann) oder gar kein Satellit, sondern ein Test eines Wiedereintrittskörpers. Oder ein "Stealth"-Satellit. Oder er hat an einem anderen Satellit angekoppelt, und ist damit als eigenständiger Satellit nicht mehr sichtbar. Es gibt jedenfalls mehr als genug Möglichkeiten, die dazu führen können, dass die Rakete das Nutzlast korrekt ausgeliefert hat, dann aber kein Satellit offiziell auftaucht. Daraus dann die Aussage "SpaceX verliert Spionagesatelliten" zu stricken, ist schon ziemlich gewagt. SpaceX jedenfalls macht so weiter, als sei alles nach Plan gelaufen soweit die F9 betroffen ist und das täten sie nicht (und dürften sie auch gar nicht) wenn sie eine Nutzlast verloren hätten.
einmal sollte ein Satellit kaputtgegangen sein, wurde aber weiter von Astronomen auf der vorgesehenen Umlaufbahn gesichtet
greendragonfx 09.01.2018
5.
Bisschen voreilig das durch die im Artikel gewählten Formulierungen SpaceX anzulasten. Aktuell siehts eher so aus als ob die Trennung von "payload" (dem satellit) vom "payload adapter" (Das Ding wo der [...]
Bisschen voreilig das durch die im Artikel gewählten Formulierungen SpaceX anzulasten. Aktuell siehts eher so aus als ob die Trennung von "payload" (dem satellit) vom "payload adapter" (Das Ding wo der Satellit draufmontiert ist für den Start) nicht richtig geklappt hat. Auch wenn zu der MIssion relativ wenige Details bekannt sind: Bekannt ist, dass der Payload Adapter *nicht* von SpaceX stammt, sondern von Northrop Grumman (die auch die eigtl. Payload gebaut haben). Wenn man denn schon meint bei der eher dünnen Informationslage jemandem die Schuld zuweisen zu müssen wäre der korrekte Adressat wohl eher Northrop Grumman, nicht SpaceX.
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