Mobilität

Ridesharing-Dienst

Clevershuttle beendet Angebot in drei Großstädten

Mit Wasserstoffautos wollten sie den Fahrdienstmarkt erobern - jetzt zieht sich Clevershuttle nach vier Jahren in Deutschland zurück, zumindest teilweise. Ausgerechnet die Mobilitätswende wurde dem Unternehmen zum Verhängnis.

DPA

Der Ridesharing-Dienst Clevershuttle zieht sich zurück

Montag, 14.10.2019   14:34 Uhr

Der Fahrdienstanbieter Clevershuttle hat sein Angebot in Hamburg, Frankfurt am Main und Stuttgart eingestellt. "Ab sofort können Kunden in diesen Städten keine Fahrten mehr ordern", teilte das Berliner Unternehmen am Montag mit. Für die insgesamt 330 betroffenen Fahrer und Mitarbeiter sollen nun neue Jobs unter anderem bei der Deutschen Bahn gefunden werden, die zu 80 Prozent an Clevershuttle beteiligt ist.

"Uns fiel die Entscheidung nicht leicht, jedoch ist unter den derzeitigen Umständen ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich", hieß es in einer Mail an die Kunden in Hamburg. In der Hansestadt fallen rund zwei Drittel der Stellen weg. Dort hatte vor einem halben Jahr der VW-Fahrdienst Moia seinen Betrieb aufgenommen. Ein Sprecher von Clevershuttle sagte dem NDR, dass in Hamburg "sehr starke Konkurrenz" herrsche, ohne sich dabei direkt auf Moia zu beziehen.

In Frankfurt wiederum sei eine fehlende Genehmigung der Hauptgrund für den Rückzug, sagte ein Sprecher. Ohne diese habe mit dem Dienst kein Gewinn erzielt werden dürfen. In Stuttgart habe es nur eine Genehmigung für bestimmte Tageszeiten gegeben, so dass sich der Dienst nicht gerechnet habe.

Die Fahrzeuge sollen nun in den fünf deutschen Städten eingesetzt werden, in denen Clevershuttle weiterhin aktiv ist. "Der Betrieb in Berlin, Kiel, Leipzig, Dresden und München läuft normal weiter", hieß es. Das Geschäft an diesen Standorten entwickele sich positiv. Ende November will das Unternehmen zudem in Düsseldorf an den Start gehen.

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Selbstversuch: So schlägt sich Moia im Alltag

Kunden, die noch Guthaben für den Fahrdienst haben, können dieses laut dem Unternehmen in den verbleibenden Städten einlösen, oder sich von Clevershuttle erstatten lassen.

Clevershuttle bietet seit der Gründung im Jahr 2015 das sogenannte Ridesharing an, bei dem mehrere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel auf der Strecke eingesammelt werden und sich die Fahrt teilen. Kunden nutzen den Service grundsätzlich mit einer App fürs Smartphone und entsprechender Registrierung. Start und Zielort geben sie dort ein und bekommen Infos zu Strecke, Preis und Ort der Abholung. Dieser ist meist an der nächsten Straßenecke oder sogar vor der eigenen Haustür. Die Fahrzeugflotte besteht aus Elektro- und Wasserstoffautos.

insgesamt 12 Beiträge
jupp78 14.10.2019
1.
Hmmm.... Irgendwie sagt der Artikel gar nichts zur Mobilitätswende aus. Fehlende Genehmigungen aber, das klingt für mich plausibel, sind natürlich schon ein guter Grund. Auch die entsprechende Konkurrenz ist einer.
Hmmm.... Irgendwie sagt der Artikel gar nichts zur Mobilitätswende aus. Fehlende Genehmigungen aber, das klingt für mich plausibel, sind natürlich schon ein guter Grund. Auch die entsprechende Konkurrenz ist einer.
hey_ho 14.10.2019
2.
Für die Kunden von Clevershuttle oder Moja spielen weder das Ridesharing (das bieten normale Taxen in Hamburg auch) noch der Umweltaspekt (E-Auto) eine Rolle sondern der im Vergleich zum Taxi günstigere Fahrpreis. Und der ist [...]
Für die Kunden von Clevershuttle oder Moja spielen weder das Ridesharing (das bieten normale Taxen in Hamburg auch) noch der Umweltaspekt (E-Auto) eine Rolle sondern der im Vergleich zum Taxi günstigere Fahrpreis. Und der ist eben nicht wirtschaftlich. Auch bei Moja nicht. Aber der VW Konzern hat genug Geld, um das Konzept noch jahrelang mit freundlicher Unterstützung der "Sozial"-Demokraten + der Grünen durchzuziehen. Bei der Deutschen Bahn hats wohl nicht gereicht.
HARK 14.10.2019
3. Kernkompetenz?
Wenn das dazu führt, dass sich die DB wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentriert, ist es eine gute Entscheidung. Das mit den Zügen klappt ja zur Zeit nicht so optimal...
Wenn das dazu führt, dass sich die DB wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentriert, ist es eine gute Entscheidung. Das mit den Zügen klappt ja zur Zeit nicht so optimal...
senapis 14.10.2019
4. Billiger als Taxi? Unmöglich!
Alle Fahrdienstanbieter, die sich im Sektor "individuelle Ergänzung" zum ÖPNV tummeln UND billiger als Taxi sein wollen, können nicht eigenwirtschaftlich überleben. Clever Shuttle hat es jetzt einsehen müssen. Aus [...]
Alle Fahrdienstanbieter, die sich im Sektor "individuelle Ergänzung" zum ÖPNV tummeln UND billiger als Taxi sein wollen, können nicht eigenwirtschaftlich überleben. Clever Shuttle hat es jetzt einsehen müssen. Aus eigener Anschauung kenne ich die von der tarifgebenden Behörde angestellten Berechnungen, um eine Tarifanhebung beschließen zu können. Alle festen und variablen Kosten incl. Lohnkosten bei Angestellten werden durchleuchtet, Marktdaten berücksichtigt. Kein Zweifel ist möglich, der Ausgleich zwischen günstigen Fahrpreisen und wirtschaftlichem Überleben der Taxibetriebe wird so gewahrt. Denn... Taxigesetze sind Verbraucherschutz! Und ein Monopol gibt es schon mal garnicht. Z.B. in Hamburg kann jeder eine Konzession bekommen, wenn er zum Antrag eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorweisen kann. Das Taxigewerbe kann im Unterschied zu den Mitbewerbern eigenwirtschaftlich arbeiten. Es benötigt kein "fremdes Geld" zum Verbrennen, die Unternehmen wie VW (Moia) und Uber für einen disruptiven Markteintritt gerne bereitstellen. Und Scheinselbstständigkeiten, Verstöße gegen Arbeitszeitgesetze, Verstöße gegen gesetzliche Auflagen dürfen nicht geduldet werden; denn sie (die Verstöße) machen oft genug erst diese halbseidenen Geschäftsideen möglich. Billiger als Taxi... geht nicht legal. Und zusätzliche prekäre Arbeitsverhältnisse braucht kein Mensch. Wenn verlässlich... dann Taxi!
hasselblad 14.10.2019
5.
Solange für jedes Sharing-Fahrzeug, egal ob Ridesharing oder Free Floating, das ins System eingespeist wird, nicht mindestens ein privates Auto aus dem System verschwindet oder zumindest nicht neu angeschafft wird, gibt es keine [...]
Solange für jedes Sharing-Fahrzeug, egal ob Ridesharing oder Free Floating, das ins System eingespeist wird, nicht mindestens ein privates Auto aus dem System verschwindet oder zumindest nicht neu angeschafft wird, gibt es keine Mobilitätswende, sondern nur noch mehr Autos in den ohnehin überfüllten Städten. Und so lang wie in Hamburg nur die Innenstädte und die angrenzenden Viertel von den Geschäftsgebieten der Anbieter abgedeckt werden und der ÖPNV in den Randbezirken nicht signifikant verbessert, wird sich auch nichts daran ändern, dass jedes zweite Fahrzeug, das sich zur Stoßzeit in der Stadt bewegt, ein Kennzeichen aus dem Speckgürtel hat. Die Ansätze sind zu erkennen und natürlich absolut löblich, bereits von einer "Wende" zu sprechen ist allerdings ein Euphemismus. Die wird noch so lange auf sich warten lassen, wie es attraktiver ist, ein Auto zu besitzen und 90% der Zeit herumstehen zu lassen. Bis dahin bleiben die Sharing-Angebote schlicht eine günstige Alternative zum Taxi am Wochenende (Moia) und ansonsten vor allem billige Hilfsmittel zur Optimierung der Zulassungszahlen bestimmter Modelle für die Hersteller.

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