Mobilität

Fünfsitzer Lilium Jet

Deutsches Elektro-Flugtaxi schafft Erstflug

Senkrecht starten und schweben geht schon: Das Flugtaxi Lilium Jet hat in Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug absolviert. Bis 2025 soll der Fünfsitzer im Dienst sein - und Passagiere nicht mehr als ein Taxi kosten.

Foto: Lilium
Donnerstag, 16.05.2019   07:41 Uhr

Erstflug bestanden: Das fünfsitzige elektrische Flugtaxi Lilium Jet ist in Oberpfaffenhofen bei München erfolgreich gestartet. Der anderthalb Tonnen schwere Prototyp sei senkrecht aufgestiegen und auf der Stelle geschwebt, sagte Lilium-Mitbegründer Daniel Wiegand der Nachrichtenagentur dpa. Als nächstes "werden wir Manöver fliegen und in den Vorwärtsflug übergehen." Von 2025 an sollen die Flugtaxis in mindestens zwei Städten im kommerziellen Alltagsbetrieb fliegen.

Das Flugzeug mit 36 elektrischen Jetmotoren in den Tragflächen sei leise und "wird mit 300 Stundenkilometern eine Stunde lang fliegen können", sagte Wiegand. "Tendenziell ist das Lilium-Flugzeug günstiger als ein Hubschrauber, weil fast keine Mechanik drinsteckt und es nur ein Zehntel der Energie verbraucht."

Lilium

Lilium Jet im Flug - in einer Simulation des Herstellers

Der 2015 gegründete Flugzeugbauer will alle Maschinen selbst betreiben, mit eigener Buchungsplattform. "Dass wir das Flugzeug an reiche Privatleute oder Firmen verkaufen, schließe ich aus. Ziel ist, dass viele Bürger Flüge bei uns buchen, für Preise wie mit einem Taxi", sagte Wiegand. Die leisen Senkrechtstarter könnten in Ballungsräumen, aber auch in ländlichen Regionen ohne Infrastruktur ihr Geld verdienen.

Der Flugzeugbauer Airbus hatte am 1. Mai in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Er soll mit 120 Stundenkilometern 50 Kilometer weit fliegen. Das Karlsruher Start-up Volocopter hat sogar schon seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi und ist 2017 in Dubai im Test autonom geflogen. Der Airbus-Konkurrent Boeing hatte im vergangenen Januar in den USA einen ersten Testflug mit einem autonomen Lufttaxi geschafft.

Mehr zum Thema

Bei den E-Lufttaxis von Boeing und Lilium sorgen die Tragflächen für Auftrieb und mehr Reichweite. Dagegen brauchen E-Lufttaxis mit Rotor weniger Landefläche.

Der fünfsitzige Lilium Jet, der auf einem zweisitzigen Testmodell aufbaut, wird bei den Erprobungsflügen ferngesteuert. Im Betrieb solle das Lufttaxi von 2025 an zunächst von einem Piloten geflogen werden, "das vereinfacht die Lizenzen und Zulassungen", sagte Firmenchef Wiegand. "In zehn Jahren vielleicht soll es aber auch autonom fliegen können."

Lilium sitzt am Flugplatz Oberpfaffenhofen bei München und beschäftigt heute rund 300 Mitarbeiter.

oka/dpa

insgesamt 152 Beiträge
Aleksandrs Krievs 16.05.2019
1. Flugtaxi
Und wohin kann man damit fliegen? 300 km/h bei 1 Stunde maximaler Flugzeit = 300 km. Kein besonders großer Radius für den sich mit Anfahrt zum Flughafen usw. der Aufwand wirklich lohnen würde, oder?
Und wohin kann man damit fliegen? 300 km/h bei 1 Stunde maximaler Flugzeit = 300 km. Kein besonders großer Radius für den sich mit Anfahrt zum Flughafen usw. der Aufwand wirklich lohnen würde, oder?
geschädigter5 16.05.2019
2. Leider wurde mal wieder
nichts zur Energiebilanz gesagt. Anstatt weniger wird ein immer größerer Aufwand hier getrieben.
nichts zur Energiebilanz gesagt. Anstatt weniger wird ein immer größerer Aufwand hier getrieben.
smaex 16.05.2019
3. Völlig falsche Richtung
Leider ist die Entwicklung von derartigen Fahrzeugen aus energiepolitischer Sicht alles andere als zukunftsträchtig. Es ist ja bekannt, dass Fliegen für einen Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Auch wenn dieses [...]
Leider ist die Entwicklung von derartigen Fahrzeugen aus energiepolitischer Sicht alles andere als zukunftsträchtig. Es ist ja bekannt, dass Fliegen für einen Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Auch wenn dieses Modell seine Energie elektrisch speichert: Irgendwoher muss die Energie kommen und dabei wird heute noch viel zu viel CO2 produziert. Und sollte aller Strom in Deutschland wirklich aus nachhaltigen Quellen stammen, dann werden wir ihn sicherlich nicht für Flugtaxis verschwenden können, sondern für energieeffiziente Fortbewegungsmittel einsetzen müssen.
bernteone 16.05.2019
4. Bis die Dinger einsatzbereit sind
gibt es keine Kohhlestrom mehr . Sonne , Wind und Wasser heißt die Zukunft . Die Fahrzeuge sollen , wie der Name schon sagt , als Taxis fungieren . Wer bitte fährt mit dem Taxi mehr als 300 km ? Bei den Verkehr ist das [...]
gibt es keine Kohhlestrom mehr . Sonne , Wind und Wasser heißt die Zukunft . Die Fahrzeuge sollen , wie der Name schon sagt , als Taxis fungieren . Wer bitte fährt mit dem Taxi mehr als 300 km ? Bei den Verkehr ist das gerade in Ballungsgebieten eine Alternative, allerdings habe ich so meine Zweifel das sich der Preis in der Nähe von Taxipreisen bewegt . Das sind nichts anderes als große Drohnen und wird wohl die Zukunft sein
zoon.politicon 16.05.2019
5. Eingeschränkte Tauglichkeit
Gegen "Lufttaxis" spricht auch, dass Fliegen - in einem dreidimensinalen Raum - für den Fahrer bzw. Piloten wesentlich anspruchsvoller bzw. schwieriger ist, als mit dem PKW fahren. Und der "Luftraum" ist auch [...]
Gegen "Lufttaxis" spricht auch, dass Fliegen - in einem dreidimensinalen Raum - für den Fahrer bzw. Piloten wesentlich anspruchsvoller bzw. schwieriger ist, als mit dem PKW fahren. Und der "Luftraum" ist auch begrenzt, müßte umfangreich kontrolliert werden. So taugt ein solches Konzept wohl eher als Ersatz / Ergänzung von Hubschraubern und zur Mobilität in ländlichen Räumen, (wenn auch die sowieso schon bedrohte Vogelwelt beeinträchtigt werden dürfte). Im Ballungsräumen dürften "Lufttaxis" keine sinnvolle Alternative zu einem gut ausgebauten Nahverkehr, der zwingend ausgebaut werden muß, sein.

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP