Mobilität

Hitze-Slogan

Mercedes entschuldigt sich für Tweet über SUV

Ein Gag über die jüngsten Hitzewellen ist bei Mercedes gründlich schiefgegangen. Der Autobauer hatte auf Twitter geprahlt, ein neues SUV der Tochter AMG werde "die Dinge weiter aufheizen".

Daimler

Heiß, heißer, AMG: Der GLA 45 4Matic soll einem Mercedes-Tweet zufolge die Dinge "aufheizen"

Freitag, 02.08.2019   14:11 Uhr

Die PR-Abteilung von Mercedes-Benz versuchte sich an einem Scherz über steigende Temperaturen - und patzte.

"Falls dieser Sommer noch nicht warm genug war, der Mercedes-AMG GLA 45 4Matic wird die Dinge mit seiner roten Lackierung weiter aufheizen" - mit diesem Tweet bewarb Mercedes-Benz das SUV. Direkt über dem Spruch prangen die recht hohen Werte zu Verbrauch (8,5 Liter auf 100 Kilometer) und CO2-Ausstoß (193 Gramm CO2 pro Kilometer) des Autos.

Zahlreiche Nutzer kritisierten den Tweet angesichts der Klimakrise als zynisch und unangebracht. Meteorologen, Forstwirte, aber auch Ärzte halten die Wetterextreme, denen Menschen zunehmend ausgesetzt sind, für gefährlich.

So starben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts im vergangenen Sommer allein in Berlin etwa 500 Menschen an den Folgen der Hitze. Mediziner fordern deshalb, einen Hitzeschutzplan einzurichten und Ärzte und Pfleger speziell zu schulen. (Lesen Sie hier mehr zu den Folgen der Hitzewelle in Deutschland.)

Andere Nutzer fanden die Aufregung über den Tweet übertrieben. Dennoch entschuldigte sich Mercedes rund 16 Stunden später für den Tweet und erklärte, man arbeite hart an der Transformation der Fahrzeugflotte und strebe bis 2039 komplette CO2-Neutralität an. Das überzeugte viele Nutzer auf Twitter jedoch nur bedingt, manche äußerten Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens.

ene

insgesamt 45 Beiträge
Thorongil 02.08.2019
1. 20-Jahresplan
2039 ist schön gewählt. Wird es nächstes Jahr dann auch schön automatisch 2040? Wenn es Daimler ernst wäre, würden sie AMG einfach schließen.
2039 ist schön gewählt. Wird es nächstes Jahr dann auch schön automatisch 2040? Wenn es Daimler ernst wäre, würden sie AMG einfach schließen.
helmut_s 02.08.2019
2.
Ganz sicher wird es ein paar Trottel geben, die das Ding genau _wegen_ dieser Aussage kaufen. Nach dem Motto: "den Öken hab ich's jetzt aber mal so richtig gegeben!" Wobei diese wehleidige, kollektivnarzistische [...]
Ganz sicher wird es ein paar Trottel geben, die das Ding genau _wegen_ dieser Aussage kaufen. Nach dem Motto: "den Öken hab ich's jetzt aber mal so richtig gegeben!" Wobei diese wehleidige, kollektivnarzistische Zählerei _möglicher_ Hitzeopfer schon irgendwie zusätzlich provozierend wirkt. Leute, "Öko" ist eigentlich ein spezies-altruistischer Gedanke, und kein weiteres Modul im Baukasten "der moderne Mensch liebt sich selbst gar sehr" ...
chiefseattle 02.08.2019
3. Warum eine Entschuldigung
... wenn man doch die Wahrheit sagt. Die kleinen, niedlichen 2-Tonnen-SUVs heizen natürlich unser Klima auf, ob es den Kunden nun passt oder nicht. Doch der panzersüchtige deutsche Autofahrer will die Wahrheit halt nicht hören!
... wenn man doch die Wahrheit sagt. Die kleinen, niedlichen 2-Tonnen-SUVs heizen natürlich unser Klima auf, ob es den Kunden nun passt oder nicht. Doch der panzersüchtige deutsche Autofahrer will die Wahrheit halt nicht hören!
Gluehweintrinker 02.08.2019
4. KFZ-Größe für Privatgebrauch ist zu begrenzen
Da, wie wir angesichts absurder SUV-Zulassungszahlen sehen, die Vernunft beim liebsten Kind des Deutschen auf der Strecke bleibt, wird es gar nicht anders gehen, als dass die Größe, Hubraum bzw. die Verbrauchsdaten von [...]
Da, wie wir angesichts absurder SUV-Zulassungszahlen sehen, die Vernunft beim liebsten Kind des Deutschen auf der Strecke bleibt, wird es gar nicht anders gehen, als dass die Größe, Hubraum bzw. die Verbrauchsdaten von Privatfahrzeugen zu begrenzen sind. Landwirte, Förster und sonstige über Stock und Stein Fahrenden - OK - die können ein solches Allrad-Monstrum rechtfertigen. Für den depressiven Großstadthipster, der solche Karren nur zum Pimpen seines angeschlagenen Sebstbewusstseins benötigt, um ihn am Montag Morgen mit Kunstschlamm aus der Sprühdose zu dekorieren, muss ein Vernunftfahrzeug genügen. Wenn sich Millionen von Einwohnern der Vernunft verweigern und unnötig große Kraftfahrzeuge wählen, weil sie sich einreden so etwas zu brauchen, dann muss staatliche Lenkung her. Es kann nicht sein, dass solche Unvernunft in hohem Maße dazu beiträgt, dass der Planet ruiniert wird. Darüber hinaus ist die KFZ-Steuer abzuschaffen und über den Verbauch abzurechnen: wer viel fährt, muss mehr zahlen, also über die hohe CO2-Abgabe für Treibstoffe. Wer jedes Mal beim Tanken kräftig zur Kasse gebeten wird, der wird sich auch über die Notwendigkeit seiner Fahrten, der Fahrzeuggröße und seiner Fahrweise Gedanken machen, vielleicht zum ersten Mal. Gut so.
severin12 02.08.2019
5. Selbstzerstörung
Noch lachen die Autobauer aus Stuttgart. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis kleinere Start-ups und größere internationale Konkurrenten die deutsche Automobilindustrie abhängen. Wer einmal einen Tesla gefahren ist und [...]
Noch lachen die Autobauer aus Stuttgart. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis kleinere Start-ups und größere internationale Konkurrenten die deutsche Automobilindustrie abhängen. Wer einmal einen Tesla gefahren ist und sich damit auseinander gesetzt hat, der weiß, dass es bereits alltagstaugliche Alternativen gibt. In absehbarer Zeit wird der Komfort und der Preis mit den herkömmlichen Antriebstechniken gleichziehen. Das ist dann das Ende für die deutschen Autobauer. Meinen BMW habe ich bereits gegen einen Stromer eingetauscht und erfreue mich an einer Beschleunigung, die Jenseits aller Normalität liegt.

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