Mobilität

Autogramm Mercedes GL 63 AMG

Ein unmoralisches Angebot

Eigentlich dürfte es Autos wie den Mercedes GL 63 AMG nicht geben. Gegen eine 2,6-Tonnen-Walze mit 557 PS sollten Vernunft, Verstand und das Gewissen rebellieren. Doch manche Märkte wollen diesen Wagen, also gibt es ihn. Und leider, leider fasziniert er in manchen Momenten eben auch.

Daimler
Von
Mittwoch, 03.04.2013   09:25 Uhr

Der erste Eindruck: Wer anderen Menschen zwanghaft zeigen muss, wo der Hammer hängt und dabei leider eine Familie an den Hacken hat, ist mit diesem Fuhre gut bedient.

Das sagt der Hersteller: AMG-Chef Ola Källenius bedient mit dem GL 63 vor allem Kundenwünsche aus Ländern, in denen Benzin noch billig und das Thema Umweltverträglichkeit keines ist. Nicht umsonst wurde der Wagen vor gut einem halben Jahr zum ersten Mal auf der Motorshow in Moskau gezeigt.

Zugleich ist die Sportversion des Super-SUVs für Källenius aber auch ein Lückenfüller. "Mit diesem Auto ist unser Performance-orientiertes Allrad-Angebot jetzt komplett", fabuliert der AMG-Chef und verspricht im gleichen Jargon Eigenschaften, die sonst kein anderes Auto biete. "Der GL 63 AMG verbindet den First-Class-Komfort der S-Klasse mit der Performance einer AMG Sportlimousine und ist in seinem Segment einzigartig."

Das ist uns aufgefallen: Der GL 63 teilt den Verkehrsstrom wie Moses das Wasser. Beim Anblick dieses herannahenden Kolosses im Rückspiegel räumen andere Autofahrer ganz fix die linke Spur. Das ist einerseits schön, weil es die Durchschnittsgeschwindigkeit hebt und den Verbrauch durch einen gleichmäßigen Fahrstil zumindest ein klitzekleines bisschen senkt.

Gleichzeitig ist es irgendwie schade, weil es vor allem die Zwischenspurts sind, die in diesem Auto Spaß machen. Tempo 200 und mehr mit einem SUV, das ist längst nichts besonderes mehr. Aber wenn sich dieses Dickschiff mit der Gewalt von 557 PS und bis zu 760 Nm Drehmoment nach vorn wirft wie ein XXL-Sportwagen und in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 sprintet, dann pausieren Vernunft, Verstand und das Gewissen und geben das Gehirn frei für den Rausch der Beschleunigung.

Trotzdem darf man den GL natürlich nicht mit einem Sportwagen verwechseln. Auch wenn sich das Fahrwerk auf Knopfdruck etwas strammer schalten lässt und der Motor im Sportmodus ein wenig mehr Drehfreude entfaltet, bleibt der GL ein aufgedonnerter Luxusdampfer, der ein großes, ruhiges Fahrwasser braucht.

Kurvige Landstraßen oder Gebirgspässe sind nichts für das Trumm aus Affalterbach. Und während man sich in einem Sportwagen durchaus an den lautstarken Zwischengas-Fanfaren beim Runterschalten erfreuen kann, wirken sie bei diesem Auto etwas albern. Der GL 63 AMG ist ohnehin so aufdringlich, dass er solche pubertären Spiele nicht nötig hat.

Das muss man wissen: Für AMG war der GL 63 keine große Sache. Technisch ist der Wagen ohnehin eng mit der M-Klasse verwandt, und so musste lediglich der Antriebstrang des ML 63 AMG in den GL 500 eingepflanzt werden. Dazu gab es ein bisschen Schminke für die Karosse und etwas mehr Finesse für den Innenraum - fertig war die Mischung aus Luxuslimousine, Geländemodell und Sportwagen. Der Einstandspreis liegt bei 130.305 Euro und damit 36.000 Euro über dem GL 500 oder 15.000 Euro über dem kleinen Bruder ML 63 AMG. Dass der Wagen erst jetzt ganz allmählich in den Handel kommt, liegt an den langen Wegen. Denn gebaut wird der Basis-GL, genau wie die M-Klasse, im US-Werk Tuscaloosa.

Unter der Haube steckt, das ist keine Überraschung, abermals der AMG-typische V8-Biturbomotor mit 5,5 Liter Hubraum. Weil es neben dem Sport- auch einen Sparmodus gibt und sich AMG die in diesem Auto nun wirklich deplazierte Start-Stopp-Automatik nicht verkneifen konnte, liegt der Verbrauch theoretisch bei 12,3 Litern.

Das ist natürlich ein Witz. Gleichzeitig ist es fast schon eine Frechheit, dass es das Gesetz zulässt, solche realitätsfernen Werte ungeahndet in ein Fahrzeugdatenblatt schreiben zu können. Denn wer diesen Verbrauch erreichen möchte, darf das Auto im Grunde nur mit Standgas bewegen. Wer so fährt, wie es sich die Ingenieure gedacht haben, kann leicht mit dem doppelten kalkulieren, also rund 25 Liter je 100 Kilometer.

Das werden wir nicht vergessen: Das ungläubige Staunen beim Blick auf die bis 320 km/h reichende Tachoskala, die man beim Einsteigen erstmal für einen schlechten Scherz hält. Und dann die Irritation, wenn man merkt, dass es die Schwaben tatsächlich ernst meinen. Zwar ist der GL 63 bei Tempo 250 elektronisch abgeregelt, doch die Vehemenz, mit der die Wuchtbrumme auch jenseits von 200 km/h noch beschleunigt, lässt erahnen, dass es garantiert noch sehr, sehr viel schneller ginge.

insgesamt 93 Beiträge
0175transalp 03.04.2013
1. Option
...für den Fall, dass sich - ausser auf dem Konto - sonst nix nach oben bewegt. Weder im Kopp noch in der Bux. Da bin ich ganz Spaßbremse.
...für den Fall, dass sich - ausser auf dem Konto - sonst nix nach oben bewegt. Weder im Kopp noch in der Bux. Da bin ich ganz Spaßbremse.
forumgehts? 03.04.2013
2. Mit
den riesigen Stückzahlen, die dieses Fahrzeug bringt, kann man die Werke ja monatelang auslasten. Wenn Mercedes seine Ingenieur-Kapazitäten so verplempert, reiben sich BMW und Audi natürlich die Hände.
Zitat von sysopDaimlerEigentlich dürfte es Autos wie den Mercedes GL 63 AMG nicht geben. Gegen eine 2,6-Tonnen-Walze mit 557 PS sollten Vernunft, Verstand und das Gewissen rebellieren. Doch manche Märkte wollen diesen Wagen, also gibt es ihn. Und leider, leider fasziniert er in manchen Momenten eben auch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-gl-63-amg-die-tuning-version-des-dicken-allrad-trumms-a-890858.html
den riesigen Stückzahlen, die dieses Fahrzeug bringt, kann man die Werke ja monatelang auslasten. Wenn Mercedes seine Ingenieur-Kapazitäten so verplempert, reiben sich BMW und Audi natürlich die Hände.
garfield 03.04.2013
3.
25 Liter auf 100 km bei entsprechendem CO2-Ausstoß. Ich nehme mal an, damit bekommt der Wagen die grüne (Umwelt-)Plakette. Tja, da kann ich mit meinem sparsamen 13 Jahre alten etwa gleich großen Turbo-Diesel mit einem [...]
Zitat von sysopDaimlerEigentlich dürfte es Autos wie den Mercedes GL 63 AMG nicht geben. Gegen eine 2,6-Tonnen-Walze mit 557 PS sollten Vernunft, Verstand und das Gewissen rebellieren. Doch manche Märkte wollen diesen Wagen, also gibt es ihn. Und leider, leider fasziniert er in manchen Momenten eben auch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-gl-63-amg-die-tuning-version-des-dicken-allrad-trumms-a-890858.html
25 Liter auf 100 km bei entsprechendem CO2-Ausstoß. Ich nehme mal an, damit bekommt der Wagen die grüne (Umwelt-)Plakette. Tja, da kann ich mit meinem sparsamen 13 Jahre alten etwa gleich großen Turbo-Diesel mit einem Drittel des Verbrauchs, aber roter Plakette nur staunen (jaja, ich weiß schon, die Partikel, die Partikel!).
downwind1 03.04.2013
4. Dieses Auto
ist eines was die Welt wirklich nicht braucht. Eigentlich sollte man annehmen, dass Leute die sich solch einen Dinosaurier leisten könnten etwas auf dem "Kasten" haben. Aber irgend etwas obsiegt über die Intelligenz.
ist eines was die Welt wirklich nicht braucht. Eigentlich sollte man annehmen, dass Leute die sich solch einen Dinosaurier leisten könnten etwas auf dem "Kasten" haben. Aber irgend etwas obsiegt über die Intelligenz.
herr12345 03.04.2013
5. Heißer feger
das mercedes so ein Schlachtschiff herausbringt ist doch gut daran sollte sich BMW mal ein beispiel nehmen die bringen ja auch nur Fußhupen raus (auser der x6)
das mercedes so ein Schlachtschiff herausbringt ist doch gut daran sollte sich BMW mal ein beispiel nehmen die bringen ja auch nur Fußhupen raus (auser der x6)

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Fahrzeugschein

Hersteller: Mercedes
Typ: GL 63 AMG
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Biturbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.461 ccm
Leistung: 557 PS (410 kW)
Drehmoment: 760 Nm
Von 0 auf 100: 4,9 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 12,3 Liter
CO2-Ausstoß: 288 g/km
Kofferraum: 680 Liter
umgebaut: 2.300 Liter
Preis: 130.305 EUR

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