Mobilität

Nordrhein-Westfalen

Monheim bekommt kostenlosen Nahverkehr

Die Bewohner des nordrhein-westfälischen Monheim könnten künftig kostenlos Bus fahren - zumindest nach einem Beschluss des Stadtrats. Zur Umsetzung fehlt noch die Zustimmung des Verkehrsverbundes.

Federico Gambarini/DPA

Busse in Monheim: Künftig kostenlos

Mittwoch, 10.07.2019   21:57 Uhr

Der Stadtrat von Monheim am Rhein hat die Einführung eines Gratis-Nahverkehrs beschlossen. Der Rat der 44.000-Einwohner-Kommune nahe Düsseldorf stimmte am Mittwochabend einstimmig dafür, dass die in Monheim gemeldeten Bürger spätestens ab April 2020 für Busfahrten nichts mehr zahlen müssen.

Monheims städtische Flotte umfasst 47 Busse. Die in der Stadt gemeldeten Bürger sollen auch ins benachbarte Langenfeld umsonst fahren können. Zugereiste sollen in Monheim aber weiterhin Tickets lösen. Die Stadt hatte im März bereits mit der Einführung fahrerloser Kleinbusse von sich reden gemacht.

Eine Bahn hat Monheim nicht, die Busse steuern aber S-Bahn-Haltestellen hinter der Stadtgrenze an - dort können Fahrgäste in die S-Bahn umsteigen und nach Düsseldorf oder Köln fahren. Für so eine Fahrt halbiert sich der Preis. Für die wegbrechenden Ticketeinnahmen zahlt Monheim pro Jahr etwa drei Millionen Euro an das lokale Nahverkehrsunternehmen.

In Pfaffenhofen hat sich die Zahl der Fahrgäste mehr als verdoppelt

Zur Umsetzung der Entscheidung fehlt noch die Zustimmung des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, der neben Monheim auch Düsseldorf und den Ruhrpott umfasst. Diese könnte im Spätsommer erteilt werden.

Neu ist das Konzept des kostenlosen Nahverkehrs nicht. Im brandenburgischen Templin waren Gratisbusse von 1998 bis 2003 unterwegs. Im bayerischen Pfaffenhofen befördern seit Ende 2018 sechs Linienbusse kostenlos Einheimische und Zugereiste, seither haben sich die Passagierzahlen dort mehr als verdoppelt.

Umstritten ist die Idee nicht nur wegen der Kosten, sondern auch, weil Autofahrer sich durch die Maßnahme nicht zwingend umstimmen lassen. Die estnische Hauptstadt Tallinn setzt beispielsweise seit 2013 auf kostenlosen Nahverkehr. Die Zahl der Fahrgäste stieg zwar an, der Fahrgastzuwachs ging allerdings zurück auf Passagiere, die vorher zu Fuß gegangen waren und diese Wege nun mit dem ÖPNV zurücklegten.

fek/dpa

insgesamt 25 Beiträge
Mitdenker77 11.07.2019
1. Rechtlich korrekt?
Ist eine solche Maßnahme mit der aktuellen Rechtslage vereinbar? Schließlich werden Einheimische und Besucher unterschiedlich behandelt. Warum geht das hier aber nicht bei der Infrastrukturabgabe aka Autobahnmaut?
Ist eine solche Maßnahme mit der aktuellen Rechtslage vereinbar? Schließlich werden Einheimische und Besucher unterschiedlich behandelt. Warum geht das hier aber nicht bei der Infrastrukturabgabe aka Autobahnmaut?
andreabs 11.07.2019
2.
Die Idee als solche ist ja prima, aber ich halte es für diskriminierend wenn zugereiste die Tickets bezahlen müssen. Analog zur Entscheidung des EuGHs zur Maut halte ich eine solche Entscheidung schlicht für unzulässig.
Die Idee als solche ist ja prima, aber ich halte es für diskriminierend wenn zugereiste die Tickets bezahlen müssen. Analog zur Entscheidung des EuGHs zur Maut halte ich eine solche Entscheidung schlicht für unzulässig.
katj.steinb 11.07.2019
3. wahnsinn...
...die Stadt , so groß wie der Ortsteil Berlin-Wannses oder Grunewald, ...in so einer kleinen Gemeinde kommt man mit dem Rad zehmal schneller von A nach B, als mit dem Bus, da lohnt es ohnehin nicht einen Cent für den Bus zu [...]
...die Stadt , so groß wie der Ortsteil Berlin-Wannses oder Grunewald, ...in so einer kleinen Gemeinde kommt man mit dem Rad zehmal schneller von A nach B, als mit dem Bus, da lohnt es ohnehin nicht einen Cent für den Bus zu zahlen. Kostenloser ÖPNV muß FLächendeckend in ganz DE eingeführt werden,wenn man was bewegen will. Trotzdem wird kein Autofahrer auf ÖPNV umsteigen , wenn er 15 oder 20 Minuten auf einen Bus warten muß, und niemand hat Lust seinen Tagesablauf auf einen Bus-Fahrplan auszurichten.
thsherlok 11.07.2019
4. Bundesweit
Warum nicht eine bundesweite Regelung? Man zahlt pro Jahr 365 Euro und kann dann überall den ÖPNV nutzen. Warum diese Kleinstaaterei (bzw. Kleinstädterei) bei der wieder jeder sein eigenes Süppchen kocht?
Warum nicht eine bundesweite Regelung? Man zahlt pro Jahr 365 Euro und kann dann überall den ÖPNV nutzen. Warum diese Kleinstaaterei (bzw. Kleinstädterei) bei der wieder jeder sein eigenes Süppchen kocht?
pizzerino 11.07.2019
5. cool, aber nur Teilweise.
Ticketautomaten, Stempelautomaten, Kontrollen, alles das KÖNNTE man sich ersparen. Im Gegenteil muss man jetzt auch noch Eingeborene und Zuagroaste unterscheiden. Vielleicht mit Armbinde?
Ticketautomaten, Stempelautomaten, Kontrollen, alles das KÖNNTE man sich ersparen. Im Gegenteil muss man jetzt auch noch Eingeborene und Zuagroaste unterscheiden. Vielleicht mit Armbinde?
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