Mobilität

Norwegen

Wasserstofftankstelle explodiert - Versorgung mit dem Treibstoff eingestellt

In der Nähe von Oslo ist eine Wasserstofftankstelle explodiert, die Versorgung mit dem Treibstoff brach in ganz Norwegen zusammen. Toyota und Hyundai liefern deshalb vorerst keine Brennstoffzellenautos mehr aus.

NTB Scanpix/ Heiko Junge via REUTERS

Zerstörte Wasserstofftankstelle in Sandvika (Norwegen)

Mittwoch, 12.06.2019   11:55 Uhr

Aus bisher ungeklärter Ursache ist eine Wasserstofftankstelle in Norwegen in Flammen aufgegangen. Medienberichten zufolge verletzten sich dabei zwei Menschen, die sich in einem nicht mit Wasserstoff betriebenen Auto in der Nähe aufhielten. Aufgrund der Explosion hätten die Airbags in dem Wagen ausgelöst - ohne dass es einen Aufprall gegeben hätte. Schwere Personenschäden habe es aufgrund des Vorfalls nicht gegeben, sagte der Chef der Betreiberfirma Nel Hydrogen, Jon André Lokke.

Aufgrund des Vorfalls, der sich bereits am Montagabend in Sandvika bei Oslo ereignete, brach die Wasserstoffversorgung für Autofahrer in Norwegen komplett zusammen. Nel Hydrogen schloss Medienangaben zufolge alle Stationen im Land und weitere im Ausland. Bevor die Anlagen wieder den Betrieb aufnehmen, müssten die Hintergründe der Explosion geklärt werden.

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Die Zeitung "Dagens Næringsliv" berichtete von verzweifelten Brennstoffzellenauto-Fahrern, die ihre Wagen nun stehen lassen müssen. "Es ist total tragisch", zitiert sie den Chef des Wasserstoffautoverbandes, Ulf Hafseld. Hersteller Toyota sicherte den Kunden leihweise Ersatzautos zu.

Weiterer Rückschlag für die Brennstoffzellentechnik

Für die Wasserstofftechnik ist der Vorfall zumindest in Norwegen ein weiterer herber Rückschlag. In dem skandinavischen Land dominieren batterieelektrische Autos, die jeden Monat zu Tausenden verkauft werden. Dagegen sind insgesamt nur etwa 170 Autos mit Brennstoffzellenantrieb zugelassen, die ebenfalls von üppigen Steuervergünstigungen profitieren. Die Zahl der Wasserstofftankstellen hatte sich zuletzt bereits verringert.

Auch weltweit verbreiten sich Brennstoffzellenautos langsamer als von Verfechtern der Technik erhofft. Als ein Grund gilt das vielerorts noch dünne Netz von Tankstellen. Diese sind teuer, auch weil hohe Sicherheitsauflagen gelten. Wasserstoff ist leicht entzündlich. Zudem kosten die Fahrzeuge deutlich mehr als Elektroautos mit großem Akku, für die es in Europa bereits Zehntausende Ladestationen gibt. Anfang der Woche hatte Toyota bekannt gegeben, verstärkt auf batterieelektrische Autos zu setzen.

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In Norwegen lieferte Toyota nach dem Vorfall laut Medienberichten zunächst keine Brennstoffzellenautos mehr aus. Solange es keinen Treibstoff zu kaufen gebe, sei dies sinnlos. Auch Hyundai wollte den Kunden keine Wasserstoffautos übergeben, bis die Ursache des Feuers gefunden und die Versorgung wieder sichergestellt sei. Beide Unternehmen erklärten, dass sie die Technik prinzipiell für sicher halten. Toyota will demnächst ein günstigeres Model auf den Markt bringen.

An der Osloer Börse hinterließ der Zwischenfall ebenfalls Spuren. Aktien des Anlagenbetreibers Nel stürzten am Dienstag um bis zu 29 Prozent ab und reduzierten ihre Verluste später etwas. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien herzustellen, zu speichern und zu vertreiben.

nis

insgesamt 80 Beiträge
kpfeilst 12.06.2019
1. Ein Argument warum...
...H2 Brennstoffzellenautos auch in vielen Jahren nicht die Straßen bevölkern. Denkbarer sind stationäre Brennstoffzellen (mit Abwärmenutzung) und gleichzeitiger Stromproduktion um z.B. e-Auto zu laden, sowie H2 [...]
...H2 Brennstoffzellenautos auch in vielen Jahren nicht die Straßen bevölkern. Denkbarer sind stationäre Brennstoffzellen (mit Abwärmenutzung) und gleichzeitiger Stromproduktion um z.B. e-Auto zu laden, sowie H2 Brennstoffzellenantriebe für größere Leistungen, also Züge, Busse, LKWs allerdings nur mit guter Wartung..... H2 in der Breite aller möglichen Anwendungen birgt erhebliche Risiken, u.a. auch bei Terrorismus.
felisconcolor 12.06.2019
2. Verdammt
blöde Sache. ich persönlich halte die Brennstoffzelle immer noch für die bessere Alternative. Der Satz "für die es in Europa bereits Zehntausende Ladestationen gibt" (gemeint sind Ladestationen für Akkus) ist [...]
blöde Sache. ich persönlich halte die Brennstoffzelle immer noch für die bessere Alternative. Der Satz "für die es in Europa bereits Zehntausende Ladestationen gibt" (gemeint sind Ladestationen für Akkus) ist natürlich ziemlich beschönigend. Wäre doch mal nett die Anzahl der öffentlichen Ladestationen im europäischen Ländervergleich zu veröffentlichen. Ich will jetzt nicht unken aber Deutschland dürfte hier nicht führend sein.
hausfeen 12.06.2019
3. Da wird man darüber nachdenken müssen, zukünftig ...
... keine Tanks, Tankwagen und fließende Befüllung zu verwenden, sondern Gasflaschen, die an der Tankstelle ausgetauscht werden. Wäre schade, wenn so eine vernünftige Transportenergie aus Sicherheitsgründen scheitern [...]
... keine Tanks, Tankwagen und fließende Befüllung zu verwenden, sondern Gasflaschen, die an der Tankstelle ausgetauscht werden. Wäre schade, wenn so eine vernünftige Transportenergie aus Sicherheitsgründen scheitern würde. Da bleibt eigentlich nur noch die dynamische Batterieaufladung per Induktion als Zukunftsoption.
Kaiserstuhlwinzer 12.06.2019
4. Wasserstoff ist nun mal hochexplosiv,
das weiß jeder, der sich damit ernsthaft beschäftigt. Für Brennstoffzellenautos bleibt damit nur der Umweg über Erdgas (CH4) mit relativ aufwendiger Zerlegung in CO, H2 und (als Nebenprodukt) H2O, wobei man unter [...]
das weiß jeder, der sich damit ernsthaft beschäftigt. Für Brennstoffzellenautos bleibt damit nur der Umweg über Erdgas (CH4) mit relativ aufwendiger Zerlegung in CO, H2 und (als Nebenprodukt) H2O, wobei man unter Emissionsgesichtspunkten dann auch gleich einen Verbrenner mit Erdgas fahren kann (etablierte Technologie, vorhandene Infrastuktur) oder die Methanol-Brennstoffzelle mit technisch unproblematischem flüssigem Treibstoff, der aber ebenfalls ("ein wenig") C-enthält. H2 könnte allenfalls über metallorganische, drucklose Speicher ("Schwämme") den Weg in den Transportsektor finden, was bislang aber aus Kostengründen nicht läuft. Unter dem Strich kommt man am Ende bei Oberleitungssystemen für die Langstrecke und Akkus für die Kurzstrecke raus, wobei die Elektroenergie natürlich nur Sinn macht, wenn sie aus Sonne und Wind erzeugt wird. Das Schöne ist: man könnte, wenn man nur wollte!
HerrMichaelJ. 12.06.2019
5. Eventuell ein Anschlag
Wenn man sich vorstellt, was für China auf dem Spiel steht, wenn sich die nutzer- und umweltfreundlichere Technik durchsetzt, dann könnte man sich auch vorstellen, dass die Durchsetzung von Wasserstoff als Antriebsquelle heftig [...]
Wenn man sich vorstellt, was für China auf dem Spiel steht, wenn sich die nutzer- und umweltfreundlichere Technik durchsetzt, dann könnte man sich auch vorstellen, dass die Durchsetzung von Wasserstoff als Antriebsquelle heftig sabotiert wird. China ist ja auch bekannt dafür, sich im Ausland heftig, teils illegal, einzumischen.

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