Mobilität

Nahverkehr in Rom

30 Plastikflaschen für ein Bahnticket

Müll sammeln und dafür kostenlos Bus und Bahn fahren: Wer in Rom alte Plastikflaschen abgibt, bekommt dafür ein Ticket für den Nahverkehr. Nun soll das System ausgeweitet werden.

Annette Reuther/ DPA

In Rom tauschen Fahrgäste alte Plastikflaschen gegen U-Bahn- und Bustickets ein

Dienstag, 08.10.2019   10:57 Uhr

In Rom können Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel alte Plastikflaschen gegen U-Bahn- und Bustickets einlösen.

Dabei stecken die Passagiere die Plastikflaschen in einen Automaten, der einem via App Geld für Tickets auf das Telefon lädt.

Für jede Flasche gibt es über das System "+Ricicli +Viaggi" (Recycle und Reise) fünf Cent. Für 30 Flaschen erhält man ein Ticket für eine einfache Fahrt.

Bisher stehen erst in drei Metrostationen solche Automaten - aber vor denen würden sich stets lange Schlangen bilden, heißt es bei den römischen Verkehrsbetrieben Atac. Einen Monat nach der Einführung des Systems im Sommer seien bereits 100.000 entsorgte Plastikflaschen entgegengenommen worden, inzwischen seien es mehr als 20.000 Flaschen pro Tag. Das System soll bald auch an anderen Bahnhöfen etabliert werden.

Italiens Hauptstadt hat chronische Müllprobleme. Fast überall in der Stadt quellen die Tonnen täglich über. Mindestens genauso problematisch wie der Abfall ist der öffentliche Nahverkehr. Das U-Bahn-Streckennetz hat nur drei Linien. Die Busse sind oft veraltet, Brände aufgrund schlechter Wartung sind keine Seltenheit. Dafür sind die Tickets günstig: Pro Fahrt bezahlt man 1,50 Euro. In Italien gibt es bisher kein flächendeckendes System für Pfandflaschen, das dem deutschen System vergleichbar wäre.

Rom sei die erste europäische Hauptstadt mit einem solchen System, sagte Bürgermeisterin Virginia Raggi. Ein ähnliches System gibt es beispielsweise in Indonesien oder der türkischen Stadt Istanbul. Auch in Mexiko gab es vor ein paar Jahren eine ähnlich kreative aber nicht ganz so nachhaltige Möglichkeit an ein Zugticket für den Nahverkehr zu gelangen. Statt Flaschen zu sammeln, mussten die Mexikaner Kniebeugen machen - so wollte der Staat gegen Übergewicht kämpfen. Für zehn Kniebeugen gab es ein Bahnticket - eine Idee, die sich aber nicht durchsetzte.

cfr/dpa

insgesamt 24 Beiträge
tomvondeek 08.10.2019
1. Der Postillon hat mal wieder zuerst berichtet :->
https://www.der-postillon.com/2019/09/pfand-bus.html
https://www.der-postillon.com/2019/09/pfand-bus.html
migampe 08.10.2019
2. Das sollten sich alle Wettbewerbsbefürworter vor Augen halten:
"Die Busse sind oft veraltet, Brände aufgrund schlechter Wartung sind keine Seltenheit. Dafür sind die Tickets günstig: Pro Fahrt bezahlt man 1,50 Euro." Ein Gruß an alle Billigheimer und "die Wirtschaft regelt [...]
"Die Busse sind oft veraltet, Brände aufgrund schlechter Wartung sind keine Seltenheit. Dafür sind die Tickets günstig: Pro Fahrt bezahlt man 1,50 Euro." Ein Gruß an alle Billigheimer und "die Wirtschaft regelt das schon Wettbewerbsbefürworter". Billig kann jeder - aber gut noch lange nicht. Ich zahle lieber mehr. Und man sehe sich in D die Bahnkonkurrenz einmal genauer an: Warum können sie billiger? Weil deren Züge nicht den Komfort der DB-Züge bieten, weil das Personal schlechter bezahlt wird, weil sich sie sich die lukrativen Strecken rauspicken und denen die Anbindung von Kleinkleckersdorf am Arxxx vorbei geht.
stolte-privat 08.10.2019
3. Das nenne ich doch mal...
...innovativ und zeitgemäß. Umweltschutz und ÖPNV im Verbund. Warum kann Rom das und nicht Berlin? Wir Deutschen beanspruchen doch immer die Vorreiterrolle....
...innovativ und zeitgemäß. Umweltschutz und ÖPNV im Verbund. Warum kann Rom das und nicht Berlin? Wir Deutschen beanspruchen doch immer die Vorreiterrolle....
*HeRa* 08.10.2019
4.
Die Stadt Rom ist nicht das komplette Land und damit geht der Vergleich mit dem "Komfort der DB-Züge" etwas an der Sache vorbei. Berliner U-Bahnen bieten auch null Komfort und sind im Vergleich zu den U-Bahnen Roms [...]
Zitat von migampe"Die Busse sind oft veraltet, Brände aufgrund schlechter Wartung sind keine Seltenheit. Dafür sind die Tickets günstig: Pro Fahrt bezahlt man 1,50 Euro." Ein Gruß an alle Billigheimer und "die Wirtschaft regelt das schon Wettbewerbsbefürworter". Billig kann jeder - aber gut noch lange nicht. Ich zahle lieber mehr. Und man sehe sich in D die Bahnkonkurrenz einmal genauer an: Warum können sie billiger? Weil deren Züge nicht den Komfort der DB-Züge bieten, weil das Personal schlechter bezahlt wird, weil sich sie sich die lukrativen Strecken rauspicken und denen die Anbindung von Kleinkleckersdorf am Arxxx vorbei geht.
Die Stadt Rom ist nicht das komplette Land und damit geht der Vergleich mit dem "Komfort der DB-Züge" etwas an der Sache vorbei. Berliner U-Bahnen bieten auch null Komfort und sind im Vergleich zu den U-Bahnen Roms deutlich schmutziger. In Rom ist ein kurzer Zugtakt, in Berlin ist er nur theoretisch, aber in der Realität doch eher selten. Die Überlandzüge der Trenitalia bieten ebenfalls Komfort...
freigeistiger 08.10.2019
5. Schön länger
Das gibt es in Deutschland schon viel länger. Für 30 Plastikflaschen und Dosen gibt es 7,50 Euro. Dafür gibt es im deutlich teureren Deutschland sogar die Hin- und Rückfahrt. Innovativen Sinn würde es bei Zigarettenkippen [...]
Zitat von stolte-privat...innovativ und zeitgemäß. Umweltschutz und ÖPNV im Verbund. Warum kann Rom das und nicht Berlin? Wir Deutschen beanspruchen doch immer die Vorreiterrolle....
Das gibt es in Deutschland schon viel länger. Für 30 Plastikflaschen und Dosen gibt es 7,50 Euro. Dafür gibt es im deutlich teureren Deutschland sogar die Hin- und Rückfahrt. Innovativen Sinn würde es bei Zigarettenkippen machen.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP