Mobilität

Autogramm Seat Tarraco

Sieben in einem SUV

Volkswagens Tochter Seat ködert Familien mit dem Pseudogeländewagen Tarraco. Ausgedient hat damit wohl der Großraumvan Alhambra - dabei ist der praktischer.

Foto: Tom Grünweg
Von
Montag, 18.02.2019   06:36 Uhr

Der erste Eindruck: Elegant aber einfallslos. Bislang hat sich die spanische Marke im VW-Konzern zumindest beim Design emanzipiert, doch das SUV Tarraco sieht von außen austauschbar aus. Mittlerweile gibt es so viele SUV, dass Modelle sich kaum noch abheben können, ohne in Extreme zu verfallen.

Das sagt der Hersteller: Seat-Chef Luca de Meo setzt große Hoffnungen in das erste große SUV der Marke - schließlich ist schon jetzt jeder dritte Neuwagen der Spanier ein solcher Pseudogeländewagen. "Der Tarraco bringt Schwung in das Segment und wird für Seat neue Kundengruppen erschließen", sagt de Meo. Damit markiert das technisch eng mit dem Skoda Kodiaq verwandte SUV den nächsten Schritt in der laut de Meo "größten Produktoffensive der jüngeren Seat-Geschichte". Der Tarraco sei Teil eines 3,3 Milliarden Euro umfassenden Pakets, das seit 2015 in die Produktpalette investiert werde. Eine Modellreihe wird dabei wohl auf der Strecke bleiben: Die Großraumlimousine Alhambra wird mit dem Tarraco überflüssig.

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Autogramm Seat Tarraco: Sieben in einem SUV

Das ist uns aufgefallen: Haaallloooo, Echooo? Wenn man zum ersten Mal in den Tarraco steigt, ist man versucht, den Widerhall zu testen. Denn im Raumangebot steht das 4,74 Meter lange SUV einer Großraumlimousine in nichts nach. Um in die dritte Reihe zu gelangen, muss man zwar ein bisschen klettern, und mit der Knie- und Kopffreiheit ist es dort auch nicht weit her. Doch das ist beim Alhambra nicht anders. Erfahrungsgemäß werden ohnehin nur wenige Kunden die dritte Sitzreihe für 800 Euro Aufpreis bestellen.

In der zweiten Reihe, die sich um eine Handbreit verschieben lässt, sitzt man im Tarraco dagegen richtig gut und in der ersten deutlich besser als im Großraummodell. Nur beim Beladen steht man mit dem SUV schlechter da. Am Volumen, das von 700 bis maximal 1920 Liter reicht, gibt es nichts auszusetzen. Doch verglichen mit einer Großraumlimousine ist die Ladekante deutlich höher und der Begriff Sport Utility Vehicle bekommt eine ganz andere Bedeutung: Es ist wirklich Sport, einen schweren Koffer in den Laderaum des Tarraco zu wuchten.

Dass man sich vorn wohlfühlt, liegt vor allem an der hohen Sitzposition, die einen bequemen Einstieg und eine gute Aussicht ermöglicht. Die Ablagen sind intelligent verteilt. Das Display hinterm Lenkrad und der große Touchscreen, der sich teils mit berührungslosen Wischgesten steuern lässt, lassen das Cockpit modern erscheinen. Man navigiert online, lässt sich unterhalten oder spricht mit Amazons Assistenzsystem Alexa.

Auffällig ist das Temperament des Tarraco. Zwar sieht er von außen nicht so feurig aus wie sein kleiner Bruder Ateca, den es auch als Cupra mit 300 PS gibt. Doch am Steuer macht der Neue Spaß. Erst recht, wenn man die adaptive Fahrwerksregelung DCC bestellt und in den Sportmodus wechselt. Nein, ein Sportwagen wird aus dem SUV auch dann nicht. Aber mit strammen Federn und Dämpfern, gierigem Gaspedal und etwas weniger Lenkkraftunterstützung darf es ruhig mal ein Umweg sein. Auf dem Weg in den Winterurlaub freut man sich durchaus auf die Passpassagen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Seat Tarraco - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der Seat Tarraco kommt ab Ende Februar in den Handel. Die Preise beginnen bei 29.980 Euro und liegen damit rund 1800 Euro über dem Skoda-Bruder Kodiaq, der älter ist und biederer daherkommt. Angeboten wird der Seat mit zwei Benzinmotoren mit 1,5 oder 2,0 Liter Hubraum sowie 150 oder 190 PS; zudem gibt es zwei 2,0-Liter-Diesel mit ebenfalls 150 und 190 PS. Die stärkeren Motoren haben stets Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Für den schwächeren Diesel gibt es den Allradantrieb "4Drive" als Option. Der kleinere Benzinmotor hingegen ist ausschließlich als Fronttriebler bestellbar.

Das werden wir nicht vergessen: Ein bisschen billiger und lange nicht so spießig - je länger man mit dem Tarraco unterwegs ist, desto überflüssiger erscheint einem der Alhambra, selbst wenn der noch 500 Liter mehr Stauraum bietet. Nicht einmal die CO2-Bilanz spricht in diesem Fall gegen das SUV. Auf dem Papier ist der Tarraco sogar das etwas sparsamere Auto.

Hersteller: Seat
Typ: Tarraco
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 147 g/km
Kofferraum: 700 Liter
umgebaut: 1.920 Liter
Preis: 43.800 EUR
insgesamt 88 Beiträge
realist-1 18.02.2019
1. 3. Sitzreihe überflüssig? Was ist denn mit der 2.
So einen Artikel kann nur schreiben wer keine 3 Kinder hat! Worauf es ankommt wird nicht mal ansatzweise erwähnt: Passen 3 Kindersitze nebeneinander in die 2. Reihe? Da bleiben nur Vans, bei großen Kombis allesamt [...]
So einen Artikel kann nur schreiben wer keine 3 Kinder hat! Worauf es ankommt wird nicht mal ansatzweise erwähnt: Passen 3 Kindersitze nebeneinander in die 2. Reihe? Da bleiben nur Vans, bei großen Kombis allesamt Fehlanzeige. Und das die 3. Reihe überflüssig ist wie sie behaupten glaube ich auch nicht. Warum erzielen denn dann Vans mit 3.Reihe deutlich höhere Gebrauchtwagenpreise als solche ohne diese Option? Es ist überaus praktisch auch mal die Oma mitnehmen zu können...
dlh255 18.02.2019
2. Vergleich mit Alhambra?
Mal ehrlich, der Alhambra ist doch nicht nur ein Lastenauto (Bild 11: "Zum Transport langer Gegenstände lässt sich sogar die Beifahrersitzlehne flachlegen." -> geht doch jetzt auch schon). Zumindest in meiner [...]
Mal ehrlich, der Alhambra ist doch nicht nur ein Lastenauto (Bild 11: "Zum Transport langer Gegenstände lässt sich sogar die Beifahrersitzlehne flachlegen." -> geht doch jetzt auch schon). Zumindest in meiner Umgebung kaufen sich die meisten das Auto wegen der Kinder. Wir haben 3 und nehmen ab und an noch Freunde mit. Jetzt schauen wir uns mal den mittleren Sitz in der zweiten Reihe an. Sonderlich bequem sieht der nicht aus. Und schmal dazu, sie ebenfalls Bild 11, sprich das Auto hat keine drei vollwertigen Sitze mehr, scheinbar kann man diese nicht mal einzeln verschieben. Dazu kommt die schräge Heckscheibe, welche ebenfalls Stauraum nimmt. Mag sein, dass die Fahreigenschaften besser sind, aber Reisefähigkeit auf längeren Strecken mit 5 oder mehr Personen sehe ich definitiv als schlechter an. Und das größte Minus: keine Schiebetüren! Wer Kinder hat und schon mal mit einem Auto Schiebetüren auf einem Parkplatz stand wird wissen, was ich meine. Wer ein Auto für den Transport braucht, greift sicher auch eher zu einem Fahrzeug der Caddy-Klasse statt einem SUV. Die Entwicklung wird immer trauriger.
cindy2009 18.02.2019
3. Wie, was?
"----Denn im Raumangebot steht das 4,74 Meter lange SUV einer Großraumlimousine in nichts nach. ----" und dann fehlen "nur" 500 Liter Stauraum? Schiebetür fehlt ? Hohe Ladekante dafür inklusive? Der VAN ist [...]
"----Denn im Raumangebot steht das 4,74 Meter lange SUV einer Großraumlimousine in nichts nach. ----" und dann fehlen "nur" 500 Liter Stauraum? Schiebetür fehlt ? Hohe Ladekante dafür inklusive? Der VAN ist als Familien Transporter gedacht und nicht als Pseudotemperament-Schleuder. Offensichtlich ist praktischer Nutzen heutzutage nicht mehr gefragt. Naja, solange es noch die Alternative von VW und Ford gibt, kann man ja gerne auf diese Kiste als Hersteller setzen. Ich fürchte nur, daß die Vernunft langsam ausstirbt.
Keksfabrik 18.02.2019
4. So ein riesiges Auto...
...und dann nicht mal drei vollwertige Sitze in der zweiten Reihe. Die Leute scheinen ja auf austauschbares Design zu stehen. Anders ist die Flut an Tiguaqs und Kodians ja nicht zu erklären.
...und dann nicht mal drei vollwertige Sitze in der zweiten Reihe. Die Leute scheinen ja auf austauschbares Design zu stehen. Anders ist die Flut an Tiguaqs und Kodians ja nicht zu erklären.
hanseat1973 18.02.2019
5. Ist das Werbung oder kann das weg?
Lieber Spiegel, lieber Herr Grünweg, dieser Autotest ist wirklich schon sehr interessant. Sie geben einen Verbrauch von 5,6 Liter Benzin auf 100 km an. Erstens muss man Sie darauf hinweisen, das dies die Normangabe des [...]
Lieber Spiegel, lieber Herr Grünweg, dieser Autotest ist wirklich schon sehr interessant. Sie geben einen Verbrauch von 5,6 Liter Benzin auf 100 km an. Erstens muss man Sie darauf hinweisen, das dies die Normangabe des Herstellers für das 150 PS-Modell bei 80 km/h außerorts auf der Landstraße ist und zweitens nicht dem von Ihnen vorgestellten 190 PS-Modell entspricht. Ihr Testwagen, sofern Sie ihn denn wirklich auch gefahren sind, verbraucht im Realbetrieb laut anderer Testergebnisse bei behutsamen Fahren 9,5 Liter (Zahlendreher?), bei den - oh Freude - von Ihnen angesprochenen sportlichen Passpassagen auf dem Weg in den Winterurlaub 12,5 Liter aufwärts. Und seien Sie doch so fair und schenken Ihrer Leserschaft reinen Wein ein. Schreiben Sie an diesen Stellen doch mal, dass SUV-Fahrer maßgeblich dazu beitragen, dass die Winterurlaube in den Alpen in der Zukunft schlichtweg ausfallen. Denn da liegt bald kein Schnee mehr. Und fairerweise sollten Sie dann auch weiter schreiben, dass dann, wenn man nun nicht mehr mit dem SUV in den Winterurlaub fahren kann, immer mehr SUVs in den Städten fahren und die dann noch mehr Benzin im Stop-And-Go-Verkehr verbrauchen. Ansonsten könnte man Ihren SPON-Testbericht ein wenig wie eine Werbeanzeige interpretieren. Das will doch niemand bei Ihnen. Und dass Sie am Ende auf der Basis falscher Sachinformationen (Verbrauch, bzw. der Herstellerangabe eines fiktiven Verbrauchs) dem älteren Alhambra im Fazit eine schlechtere CO2-Bilanz zuordnen, ist schon ein wenig frech und müsste Ihnen vermutlich spätestens jetzt auch klar sein. Abschließend: Warum kann ein SUV-Fahrzeugtest bei Ihnen nicht einfach mal mit den Worten schließen: "Ja, Sie können einen SUV fahren. Aber dann müssen Sie auch zugeben, dass das bescheuert ist."?
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