Mobilität

Günstiger Oldtimer BMW 3er E21

Underdog-Oldie

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren. Das zeigt der erste 3er von BMW, der die Kompaktklasse aufmischte.

BMW
Sonntag, 20.10.2019   19:24 Uhr

Für Klassiker von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Schlitten gibt es sie noch: Oldtimer, die in der Anschaffung günstig sind, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss. Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie vor. Diesmal: der BMW 3er E21.

Das Modell:

Als der Dreier - Werkscode E21 - im Jahr 1975 auf den Markt kam, stand BMW wirtschaftlich nicht gut da. Das änderte die erste 3er-Baureihe schlagartig. Motoren und Fahrwerk wurden von Vorgängermodellen übernommen, doch um neue Kundenkreise zu erschließen, wurde der erste Dreier optisch anders konzipiert: Weg vom kompromisslos sportlichen Image hin zu mehr Komfort und Premium.

Sichtbar wird das beim Interieur des E21. Armaturenbrett und Lenkrad wurden aufgeschäumt, während die Konkurrenz Billigplastik verwendete. Außerdem sollte beim E21 im Innenraum keine einzige Schraube sichtbar sein. "Davon war man bei BMW damals geradezu besessen", sagt Ralf Ziegler vom 3er-Klub.

Das Karosseriedesign loben viele E21-Liebhaber als zeitlos. Die passive Sicherheit verbesserte BMW deutlich, etwa durch eine formstabile Fahrgastzelle und computerberechnete Knautschzonen. Kopfstützen und Sicherheitsgurte hinten waren gegen Aufpreis lieferbar. Auch Alufelgen, getönte Scheiben oder Schiebedach kosteten extra. Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber oder Ledersitze waren nicht erhältlich.

Bei den Motoren hatten Mitbewerber wie Ford Taunus oder VW Passat mit Basisleistungen von 55 PS das Nachsehen. Selbst beim Audi 80 war bei 85 PS Schluss (abgesehen vom späteren GTE). Beim BMW 3er begann die Motorenpalette mit dem 316 erst bei 90 PS. Der 318 kam auf 98 PS, der 320 auf 109 PS. Topversion war der 320i mit 125 PS. Zum Modelljahr 1978 reichte BMW in dieser Fahrzeugklasse als einziger Hersteller Sechszylinder-Reihenmotoren nach. Der 320 leistete nun 122 PS, der 323i stramme 142 PS.

Allerdings gab es den E21 ab Werk ausschließlich als Zweitürer. Einzige Ausnahme: Der Karosseriebauer Baur baute knapp 5.000 3er zum Cabriolet um, indem er den Limousinen nachträglich das Dach abtrennte. Kostenpunkt: rund 7.000 Mark extra. 1982 wurde der E21 nach 1,4 Millionen Stück vom E30 abgelöst.

Warum ausgerechnet der?

Der BMW E21 ist ein Underdog. "Es ist wie beim heutigen BMW 2er Active mit seinem Frontantrieb", sagt Ralf Ziegler. "Keiner mag ihn, aber alle kaufen ihn." Keine Frage, sein Nachfolger E30 bietet mit Viertürer, Kombi, Vollcabrio, Diesel und der Sportikone M3 deutlich mehr Vielfalt. "Den Reiz des ersten Dreiers hat aber der E21 - er steht für den Paradigmenwechsel bei BMW", sagt Ziegler, der selbst einen 316 mit 90 PS fährt.

Beim E21 muss es nämlich nicht unbedingt ein Sechszylinder sein, auch wenn BMW bis heute vom Ruf seiner legendären Reihensechser zehrt. "Der erste 3er wurde als Vierzylinderauto konzipiert", sagt Ziegler. Und die seien praktisch unzerstörbar: Laufleistungen von 500.000 Kilometer seien für einen Vierzylinder keine Seltenheit. Viele E21-Fans lieben auch das Haifischgesicht des ersten BMW 3ers. Die Front sollte sportiv und markant aussehen, so hatten es die Designer vorgegeben. "Das maß sich damals bei BMW noch nicht an der Größe der Niere im Kühlergrill", sagt Ralf Ziegler.

Verfügbarkeit:

Laut 3er-Klub waren Anfang 2019 noch 3.409 E21 zugelassen. Vor allem Rost hat den Bestand arg dezimiert. Trotzdem kann man auf dem Klassikermarkt fündig werden. Selbst auf Gebrauchtwagenportalen gibt es ein Angebot, allerdings überwiegen hier die Fahrzeuge in schlechtem Zustand.


Weitere günstige Oldies finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Ersatzteilversorgung:

Die ist top, wenn man sie mit ehemaligen Konkurrenzautos - etwa Audi 80 oder Ford Taunus - vergleicht. Verschleiß- und Blechteile hat entweder BMW oder der Zubehörmarkt auf Lager. Selbst viele Innenausstattungsteile liegen bei BMW parat, allerdings meist in schwarz. Die Wunschfarbe kann aber jeder Sattler mit Airbrush nachsprühen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Schwachstellen:

Der BMW E21 kann praktisch an allen Stellen rosten, und das unvorhersehbar. "Es kann vorkommen, dass man plötzlich mitten im Türblech ein Rostloch hat", sagt Experte Ziegler. Die Technik ist dagegen recht simpel. Nur bei frühen Sechszylindermodellen bis 8/1979 ist der Zugang eingeschränkt, ein Zahnriemen-Wechsel kann vier Stunden dauern. Die Motoren gelten durchweg als robust. Auch die Sechsender halten ewig, wenn die Zahnriemen-Wechselintervalle eingehalten und bei 200.000 Kilometern präventiv Lager und andere Verschleißteile überholt werden.

Anlaufstellen im Internet:

Preis:

Fahrbereite E21 gibt es ab etwa 3.500 Euro, manche sogar mit Rest-TÜV. Diese Autos sollte man sich genau anschauen, es droht Reparaturstau. Solide 3er kosten ab 10.000 Euro. Gepflegte Topmodelle wie der 323i sind selten unter 15.000 Euro zu haben.

insgesamt 78 Beiträge
widower+2 20.10.2019
1. Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf Oldtimer?
Wer wenig Geld hat, kann sich nach den Angaben im Artikel auch den abgerocktesten 3er der ersten Serie ohne TÜV für 3500 Euro nicht leisten. Was für Vorstellungen manche Leute von "wenig Geld" haben, ist irgendwo [...]
Wer wenig Geld hat, kann sich nach den Angaben im Artikel auch den abgerocktesten 3er der ersten Serie ohne TÜV für 3500 Euro nicht leisten. Was für Vorstellungen manche Leute von "wenig Geld" haben, ist irgendwo zwischen erschütternd und erstaunlich.
gsa 20.10.2019
2. Konkurrent zum Taunus?
Das war der 3er wohl niemals. Andere Klientel, andere Daten.
Das war der 3er wohl niemals. Andere Klientel, andere Daten.
catcargerry 20.10.2019
3. Rost
Aus den Baujahren habe ich einen zweijährigen 5er gefahren und den vier Jahre ausgehalten. Da sind dolle Sachen passiert, nicht nur regelmäßige Wechsel von Zylinderkopfdichtungen. Als immerhin sechsjährigen habe ich den als [...]
Aus den Baujahren habe ich einen zweijährigen 5er gefahren und den vier Jahre ausgehalten. Da sind dolle Sachen passiert, nicht nur regelmäßige Wechsel von Zylinderkopfdichtungen. Als immerhin sechsjährigen habe ich den als Bastlerfahrzeug verkauft. Als Spaghettisieb war er nur zu groß. Jedenfalls steht seitdem meine Überzeugung, dass für die Marke meine Leidensfähigkeit nicht ausreicht.
gsa 20.10.2019
4. Hoppla PS:
Mein Taunus von 1965 hatte einen Sechszylinder mit 90 PS. Und 6 Volt. Auch nicht so schlecht, oder?
Mein Taunus von 1965 hatte einen Sechszylinder mit 90 PS. Und 6 Volt. Auch nicht so schlecht, oder?
catcargerry 20.10.2019
5. Ansichtssache
Kommt immer drauf an, wie man sein Geld verdient - mit Arbeit, im Schlaf oder mit Schreiben. Für 4 TEUR habe ich gerade ein 15 Jahre altes gepflegtes Cabrio, Vollviersitzer, kein BMW, kein VW, knapp unter 50 Tkm Laufleistung, [...]
Zitat von widower+2Wer wenig Geld hat, kann sich nach den Angaben im Artikel auch den abgerocktesten 3er der ersten Serie ohne TÜV für 3500 Euro nicht leisten. Was für Vorstellungen manche Leute von "wenig Geld" haben, ist irgendwo zwischen erschütternd und erstaunlich.
Kommt immer drauf an, wie man sein Geld verdient - mit Arbeit, im Schlaf oder mit Schreiben. Für 4 TEUR habe ich gerade ein 15 Jahre altes gepflegtes Cabrio, Vollviersitzer, kein BMW, kein VW, knapp unter 50 Tkm Laufleistung, TÜV fast neu, erstanden. Wenn man nicht auf Oldtimer oder Marke fixiert ist, sondern auf Einsatzzweck, gibt der Markt in der Preislage schon mehr her als Rostlauben.

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