Mobilität

Frauen und ihre PS-Leidenschaft

"Meine knallharte, schöne Karre"

Sie lieben das Design, fühlen sich auf den Polstern unabhängig - oder lassen sich zu Songs inspirieren: Libby Edelman hat Frauen fotografiert, die eine starke Bindung zu ihrem Wagen haben.

Libby Edelman / powerHouse book
Von
Montag, 01.04.2019   11:11 Uhr

Debbie Pollack verliebte sich an einer Tankstelle in Palm Beach. Dort sah sie ihn und konnte nicht widerstehen: einen Rolls Royce Silver Shadow, Jahrgang 1976. Sie musste das Auto einfach kaufen, es passte zu gut zu ihr und ihrem Haus.

So wie Pollack haben viele Frauen laut Libby Edelman eine starke emotionale Verbindung zu ihrem Fahrzeug. "Warum denken wir typischerweise, dass nur Männer Autos lieben?", fragte sie sich. Sie selbst spreche ständig mit ihrem Mann und ihren Söhnen über Räder, Motoren und Abgassysteme.

Vor ein paar Jahren entdeckte die Fotografin zufällig die Geschichte einer Frau, die sich mit ihrem Wagen begraben ließ. Edelman war fasziniert: "Was für eine Leidenschaft muss sie für dieses Auto gehabt haben!" In ihrem Bildband "Lovin' my car: Women in Driver's seat" versammelt sie rund 50 Frauen, die genauso verrückt nach ihrem Auto sind.

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:34 Uhr
Ohne Gewähr

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Libby Edelman
Lovin' My Car: Women in the Driver's Seat

Verlag:
powerHouse Books
Seiten:
128
Preis:
EUR 18,27

Edelman suchte über Jahre hinweg nach passionierten Besitzerinnen, reiste quer durch die USA, um sie aufzuspüren. So wie Jill Rau, für die ihr Mercedes-Benz 280 SL ein Spiegelbild ihrer Persönlichkeit ist; oder Kelly Klein, die das Design ihres Jeeps liebt und sich darin sexy fühlt; Laura Rapp behandelt ihren Cadillac Deville 1959 wie ein Dame, nie würde sie dessen Türen zuschlagen.

Abgelichtet hat sie Edelmann mit ihren Wagen auf der Straße oder vor ihrem Zuhause. Jedem Porträt fügte sie ein Zitat der Besitzerin hinzu: Die Frauen erzählen, wann und unter welchen Umständen sie ihr Fahrzeug gekauft haben, was sie besonders an ihm schätzen und welche Bedeutung es in ihrem Leben hat.

Jeder Frau überließ Edelman selbst, in welcher Kleidung und in welcher Pose sie sich präsentierte. Felicia Bessen tanzt in Leggings in ihrem Truck, während Wendy Luscombe mit einer Motorsäge auf ihrem Hummer H1 thront und Jill Rau sich auf der Motorhaube räkelt. Jedes Bild erzählt, wie die jeweilige Frau sich mit ihrem Wagen fühlt und was sie verbindet.

Fotostrecke

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Manchen Frauen vermittelt ihr Auto ein Gefühl von Unabhängigkeit und Kraft. Es inspiriert die Besitzerinnen dazu, Lieder zu schreiben, Kunst zu machen oder in Abenteuer aufzubrechen. Im Gegenzug behandeln sie es wie einen vertrauten Freund, als wären sie gemeinsam auf Lebensreise.

Lola, Bessi oder Letitia: Viele Frauen geben ihrem Auto auch einen Namen, häufig einen weiblichen, was die Verbindung noch einmal zu stärken scheint. Der Bildband zeigt ausgefallene Modelle wie einen Mercedes-Benz 300 SL aus dem Jahr 1954, aber auch gewöhnliche Wagen wie einen Toyota Tacoma von 2016. Nicht jedes Auto ist schick, aber für die Besitzerinnen etwas ganz Besonderes.

Edelmann selbst besitzt ein knallrotes Mini Cabrio, ein Geschenk ihres Mannes. "Mir macht es Spaß, mit ihm durch die Stadt zu fahren, er ist einfach süß und man kann überall parken", sagt sie. "Er ist genauso wie ich: schnell, kann viele Dinge in kurzer Zeit erledigen und sieht gut aus. Gemeinsam sind wir bereit, die Welt zu erobern." Nur einen Namen für ihren Wagen hat die Fotografin noch nicht: "Das sollte ich ändern."

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