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Bundesliga-Saisonstart

Die Erfindung des Einwurftors

Gemütlich Warmspielen zum Saisonauftakt? Von wegen. Am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga geht es gerne rund. Zum Beginn der 46. Bundesliga-Saison zeigt einestages die spektakulärsten und skurrilsten Ereignisse der Premierenspieltage.

dpa
Von
Donnerstag, 14.08.2008   23:09 Uhr

Er gilt als einer der besten Torhüter, der je in der Bundesliga spielte: Zwischen den Pfosten von Bayern München erfreute der charismatische Lockenkopf Jean-Marie Pfaff mit seinen Paraden von 1982 bis 1988 nicht nur die Anhänger des deutschen Rekordmeisters. 156 Bundesligaspiele bestritt der Belgier in diesen sechs Jahren und half kräftig mit, dass allein in dieser Zeit die Meisterschale drei Mal an die Isar wanderte.

Einige Episoden würde Pfaff allerdings am liebsten aus seiner Erinnerung löschen - darunter so manchen Saisonstart. In Auftaktmatches kassierte der langjährige belgische Nationalkeeper gleich zwei der bis heute ungewöhnlichsten Treffer. Und er wurde hautnah Zeuge eines der kuriosesten Nicht-Tore der Bundesliga.

Die Erfindung des Einwurftors

Es ist der 21. August 1982, Pfaffs erstes Punktspiel für seinen neuen Arbeitgeber, die Münchner Bayern. Beim Gastspiel in Bremen läuft bis zur 44. Minute alles normal. Dann wirft Werder-Stürmer Uwe Reinders von der linken Seite kraftvoll ein. Eine harmlose Standardsituation - eigentlich. Doch der Ball fliegt über 35 Meter weit vor das Tor. Pfaff ist überrascht und verschätzt sich. Von seinen Fingerspitzen rutscht die Kugel ins Netz: 1:0 für Werder, der Endstand.

Das Fernsehen zeigt die Szene immer und immer wieder, die Presse druckt Fotos der Blamage aus den unterschiedlichsten Winkeln. Ganz Deutschland lacht über den neuen Bayern-Keeper: Hätte er den Einwurf einfach durchgelassen ohne ihn zu berühren, hätte es laut Reglement Abstoß gegeben. Aus Einwürfen dürfen direkt keine Tore erzielt werden, schließlich heißt das Spiel ja Fußball.

Eigentor als "Tor des Monats"

Drei Jahre später, der 10. August 1985: Wieder sorgen die Bayern mit einer ungewollten Slapstick-Einlage für Schadenfreude. Und wieder ist Pfaff betroffen, auch wenn ihn dieses Mal trifft keine Schuld trifft. Beim Auswärtsspiel in Uerdingen kommt es in 34. Minute im Mittelfeld bei einem Zweikampf zu einem Pressschlag: Während Uerdingens Larus Gudmundsson seinen Fuß im letzten Moment noch geschickt zurückhält, zieht Bayern-Mittelfeldspieler Helmut Winklhofer voll durch. Er trifft den Ball optimal, sein kraftvoller Schuss senkt sich aus etwa 35 Metern in hohem Bogen über Pfaff hinweg und in ziemlich sehenswerter Manier in die Maschen des eigenen Tores. Die Zuschauer der Sportschau wählen die Aktion zum "Tor des Monats". Es ist das erste Eigentor, das dieses Prädikat erhält, doch Winklhofer holt die Siegermedaille nicht bei der ARD ab.

Ein weiteres Jahr später, der 9. August 1986: Wieder dieser verflixte erste Spieltag. Doch endlich einmal ist nicht Jean-Marie Pfaff der Depp, sondern die anderen. Dortmunds Stürmer Frank Mill bringt das Kunststück fertig, völlig frei und mutterseelenallein vor dem von Pfaff längst verlassenen Bayern-Tor, nur den Pfosten zu treffen. Mills beeindruckene Erfolge - 123 Tore in 387 Bundesligaspielen, 17 A-Länderspiele, Olympia-Bronze 1988 in Seoul - sind seither vergessen: Noch heute wird er immer wieder als Erstes auf seinen unglaublichen Fauxpas vor dem Bayern-Tor angesprochen.

Pfaff hat seine aktive Laufbahn längst beendet. Doch auch vor und nach ihm gab es am ersten Spieltag immer wieder kuriose Begebenheiten - sehr oft mit Beteiligung seines FC Bayern. Also: Es lohnt sich, ganz genau hinzuschauen, jetzt am Freitag, wenn die Münchner ab 20.30 Uhr gegen den Hamburger SV in der Allianz Arena die 46. Bundesliga-Saison eröffnen.

Gut möglich, das wieder etwas Denkwürdiges dabei ist.

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