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Bündnis des Bösen

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#1 - 24.08.2009, 09:13 von Rudolf Probst

Ehe das Ganze hier völlig in Geschichtsklitterung ausartet, sollten ein paar Anmerkungen erlaubt sein:

1. Von Seiten der Sowjetunion war die Annexion Ostpolens analog des geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt eine Korrektur der Ergebnisse des Polnisch-Sowjetischen Krieges von 1920. Damals war Polen der Aggressor, der sich weite Teile der durch den Bürgerkrieg geschwächten Ost-SU einverleibte und dabei im Auge hatte, nicht nur einfach die Republik Polen wiederauferstehen zu lassen, sondern am liebsten ein Groß-Polen in den Grenzen von 1771.

2. Die heutige Ostgrenze Polens, die dann im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges entstand, und noch weiter westlich liegt als die Interimsgrenze ab 1939, ist auch kein Zeichen der "Landverfressenheit" des "Bösen Russen", sondern entspricht beinahe deckungsgleich der sogenannten "Curzon-Linie".

Deren Namensgeber George Curzon war übrigens kein georgischer Kumpel Jossif Wissarionowitsch Stalins, sondern 1919 britischer Außenminister. Das Ziel dieser Linie war es, den neuerstehenden Nationalstaat Polen anhand der Siedlungsgebiete der Volksgruppen festzulegen. Indem die tatsächliche Grenze dann weiter östlich verlief und im Polnisch-Sowjetischen Krieg noch weiter nach Osten verschoben wurde, gerieten auch weite Teile Weißrußlands und der Ukraine unter polnische Besatzung und Vorherrschaft.
Eine Konstellation also, die keineswegs dem friedlichen Miteinander von Völkern und Staaten Vorschub leistete.

#2 - 24.08.2009, 12:14 von Thomas Glöckner

Nebenbei sollte man nicht vergessen, dass die Sowjetunion sich mit dem Vertrag für ein paar Jahre den Frieden gesichert hat.Außerdem war die Chance für eine Einigung mit den Westmächten gegeben, die diese nicht wahrnehmen wollten, so dass die Sowjetunion im Interesse des Friedens für ihr eigenes Land gezwungen gewesen war andere Optionen zu suchen und zu ziehen. Wäre der Vertrag nicht gewesen, so denke ich, wären die Deutschen 1941 viel schneller in Moskau gewesen und der Krieg hätte womöglich einen anderen Ausgang genommen, wobei ich nicht behaupten möchte, dass dieses der einzige Faktor gewesen sei.
Zum Schluss bliebe noch zu erwähnen, dass man den Vertrag ohne falsche moralische oder gar klassenstandpunktliche Entrüstung sehen sollte. Der Vertrag war ein normales von politischen Interessen geleitetes Werk, wozu, und auch das war normal, ein geheimes Protokoll gehörte.

#3 - 24.08.2009, 13:33 von Thomas Steffen

Zwei Fragen hätte ich gern beantwortet:

1. Warum erklärten Großbritannien und Frankreich der Sowjetunion nicht den Krieg?

2. Warum wird die "gleichzeitige Kriegsführung" der Finnen gegen die SU zur Rückgewinnung der im Winterkrieg verlorenen Gebiete aus heutiger Sicht wesentlich milder beurteilt, als die Rückgewinnung ehemaliger weißrussischer und ukrainischer Gebiete durch die Rote Armee? Immerhin führte der Krieg Finnlands damals zu einer Kriegserklärung Großbritanniens und der USA an Helsinki.

#4 - 01.09.2009, 14:37 von Heinrich Pesch

Also das Argument, dass Stalin Zeit gewinnen wollte, wurde erst gegen 1944 erfunden. Egal was Stalin sich vorgenommen hatte, von Zeit gewinnen war ja keine Spur. Als das Unternehmen Barbarossa anlief 1941 hatte die udssr noch nicht einmal einen Verteidigungsplan ausgearbeitet. Die Truppen wurden von den Deutschen sofort überrannt. In Moskau war schon im September das Brot alle. Die Verteidiger vor Moskau wurden mit einem Gewehr pro Gruppe ausgerüstet, der Rest erhielt Holzgewehre zum Üben. Leningrad hatte keine Lebensmittelreserven angelegt usw.
Es ist erstaunlich, wie die Notlügen Stalins heute immer noch geglaubt werden.

Ein überraschendes Detail im Ribbentrop-Molotow-Pakt wurde mir dieses Jahr bewusst. Hitler hatte so übereilt gehandelt, dass er übersehen hatte, wie wichtig das finnische Nickel für die Wehrkraft Deutschlands war. Wenn es den Russen gelungen wäre, Finnland 1939/40 zu besetzen, wäre Deutschland schachmatt gesetzt! Dann hätte Stalin auch Nordschweden in Reichweite gehabt mit dem Erz in Kiruna.
Putin hat übrigens in Polen ein Interview gegeben, in dem er den Pakt als "völlig unmoralisch" bezeichnete.

#5 - 28.09.2012, 14:23 von

Bild 1 links im Hintergrund: Richard Schulze-Kossens, damals Adjutant von Ribbentrop, später auch Adjutant von A.Hitler und gegen Ende des Krieges Kommandant der Junkerschule Tölz.

#6 - 14.03.2014, 12:05 von Kai Bonte

Bündnis des Bösen

Vor 70 Jahren schlossen die Diktatoren Adolf Hitler und Joseph Stalin einen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilten sie Polen untereinander auf, eine Woche später fiel die Wehrmacht im Nachbarland ein - und kaum zwei Jahre später auch in der Sowjetunion. Von Ernst Piper