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Der brutale Kaiser der DDR

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#1 - 28.12.2007, 12:29 von

Liebe Leser!

Nachdem die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung und damit die komplette Telefon-, Handy- und Mail-Überwachung und die Internetpräsenz aller Bürger installiert ist und weitere Überwachungsmaßnahmen greifen (Bankkonten, Autonummmern-Scan, Schülerkarte, Gesundheitskarte), erscheint mir Mielke wie ein dilettantischer Vorläufer der jetzigen Überwachungsperfektionisten.

Ich habe nicht viel davon, mich jetzt über die Schweinereien von Mielke aufzuregen und die von Schäuble, Zypries und Co stillschweigend zu schlucken.

Ein schönes neues Jahr wünscht Ihnen
Zingiber

#2 - 28.12.2007, 16:31 von Thomas Glöckner

Ich denke, dass der Beitrag über Mielke nicht sehr objektiv ist, denn er war weit mehr, als der oben beschriebene "grobschlächtige" und brutale Kerl, denn sonst hätte er, mit den beschriebenen Eigenschaften, nicht so lange einen der erfolgreichsten Geheimdienste der Welt führen können.
Außerdem möchte ich der Aussage "brutaler Kaiser" widerprechen, da Mielke zum einen im Selbstverständnis Kommunist gewesen war, was nicht mit monarchischen Anklängen zu vereinen ist, und zum anderen wurde in dem besagtem Artikel zu Recht festgestellt, dass er das MfS nie zu einem Staat im Staate gemacht hätte, was aber m.E. die Vorraussetzung für eine "Erhebung" zum Kaiser gewesen wäre. Darüber hinaus hatte er weder über diktatorische noch über alleinige Macht verfügt, denn er wurde immer vom Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär der SED kontrolliert!!

#3 - 30.12.2007, 13:31 von

Lieber Zingiber,

hätten Sie Ihren Beitrag vor 20 Jahren im Machtbereich Mielkes veröffentlicht und auf ihn statt auf IM Schäuble gemünzt, dann könnten Sie das hier gar nicht lesen - ich bezweifle, dass Sie in der Stasi-U-Haft auch nur ein Neues Deutschland zu Gesicht bekommen hätten. Ihre große Hoffnung wäre, dass der Westen Sie innerhalb der nächsten 3 Jahre freikauft, damit Sie zur Einschulung Ihrer Tochter wenigstens ein Päckchen in den Osten schmuggeln können und sie später irgendwann vielleicht mal heimlich in Prag treffen.

Regen Sie sich über Mielke auf; das schärft das Gefühl dafür, wovon es Schäuble, Depenheuer & Co. abzudrängen gilt!

Guten Rutsch!

#4 - 30.12.2007, 17:52 von

Lieber Till Sokolov,

leider übersehen Sie das unendliche Leid, das der Irakkrieg mit massiver deutscher Unterstützung (Überlfugrechte, sicherer Hafen, Nachschubasis) noch heute täglich erzeugt.

Auch die Einrichtung Guantanamo, die von Schäubele gerechtfertigt wird, übersehen Sie. Schäuble sagt: "Guantanamo kann man kritisieren. Aber wer das tut, muß sagen, wie man es besser machen kann".

Ich verurteile das undemokratische DDR-Regime,aber ich messe nicht mit zweierlei Maß. Ich verabscheue es, wenn die Untaten von Mielke und wem auch immer dazu gebraucht werden, gegenwärtige Untaten als Wohltaten erscheinen zu lassen.

Herzlichst
Ulrich Müller

#5 - 30.12.2007, 21:34 von

Das MfS war nicht erfolgreich, wie Herr Glöckner es behauptet. Verwaltungswissenschaftlich wie historisch gesehen war es ein riesiges, unübersehbares, selbst verwaltendes und über weite Strecken unkontrollierbares Konglomerat aus geheimen und öffentlichen Dienststellen, das mit der eingehenden Informationsmenge völlig überfordert war und dessen Inkompetenz die vielschichtigen Reform- und Ablehnungs-bestrebungen übersah, fehlinterpretierte und gottseidank sich selbst auch noch im Handeln lähmte.
Im übrigen finde ich die Beschreibung als "Kaiser" überaus passend - unantastbar, dekadent, abgehoben, ohne jede Kontrolle, unverbesserlich selbstherrlich ohne jeden Sinn für die Außenwelt und mit Allmachtsphantasien... ein Mensch, der sein ganzens Leben mit dem Bewusstsein verbringen musste, ein Mörder zu sein. Wie sonst sollte so eine Person bezeichnet werden?

Michael Schmidt

#6 - 31.12.2007, 01:06 von

Lieber Herr Müller,

seien Sie versichert, ich übersehe weder Irakkrieg noch Guantanamo. Woraus schließen Sie das? Woraus schließen Sie, ich wolle Schäubles Vorgehen als Wohltaten darstellen?

Ich glaube mich mit Ihnen einer Meinung, dass der KgdT für Schäuble und Genossen heute der Heilige Gral ist, der die Errichtung der Diktatur des Proletariats für Mielke und Genossen war. Und dessen Erringung ist natürlich daran gekoppelt, dass ihnen absolut freie Hand gewährt wird und wir Zwangsbeglückten uns endlich in die Einsicht fügen, dass, wo gehobelt wird, Späne fallen.

Und ich bin über das, was hier gerade passiert, so entsetzt wie Sie. Schäuble baut einen Rechtsstaat, wie unperfekt der an vielen Stellen auch sein mag, in einen Überwachungsstaat mit Schuldsvermutung um (und die Generation Web 2.0 weiß gar nicht worüber wir uns so aufregen, auch das entsetzt mich). Ein SPD-Bundeskanzler schmeißt seinen Job und heuert bei einem hohen Offizier des einzigen europäischen Geheimdienstes an, der es an krimineller Energie und Zahl seiner Opfer mit der Gestapo aufnehmen konnte.

Nichtsdestotrotz war die DDR ein geschlossenes Terrorsystem und Mielke war der Chefterrorist. Für Ihren Eingangsbeitrag säßen Sie seit Freitagnachmittag in irgendeinem Stasiloch und hätten seit dem kein Auge zugetan. Ihre Frau würde zukünftig die Betriebstoiletten reinigen, wenn sie sich nicht von Ihnen distanziert und dabei gleich noch eine IM-Verpflichtung unterschreibt. Vielleicht würde man Sie für Jahre wegsperren, vielleicht einfach nur über Monate und Jahre immer und immer wieder zu NVA-Reservistenübungen im Uranbergbau einziehen, bis Ihre Tochter Sie siezt und Ihr behandelnder Onkologe Ihnen nicht mehr in die Augen schaut.
Wenn Sie dann immer noch einen Freundeskreis haben, der zu Ihnen hält und dem Sie über Ihre Behandlung durch die staatlichen Stellen berichten, dann würden die IMs, deren Anwesenheit in Ihrem Freundeskreis für Sie eigentlich nicht überraschend ist, mit ihrem Bericht dafür sorgen, dass Sie weitere 5 Jahre wegen "Hetze", "Verleumndung", "Zersetzung" abgehen. Vor der genauen Verkündung Ihres Strafmaßes würde Ihre heulende Mutter von Freund zu Freund ziehen; sie beschwörend, ruhig zu sein und nicht alles noch schlimmer zu machen.

Glauben Sie mir, bis Sie für eine Kritik an IM Schäuble und seinen Gesellen Ihre oder Ihrer Familie Leben, Gesundheit, Freiheit aufs Spiel setzen, ist es ein weiter Weg, den es den Jungs natürlich beizeiten abzuschneiden gilt.

Mit besten Grüßen
Till Sokolov

#7 - 09.01.2008, 10:39 von Thomas Glöckner

Ich denke, Herr Schmidt, dass Sie nicht objektiv sind, was ihre Wertungen betrifft zu Mielke, aber gensu dass sollten sie in einer Diskussion wohl sein, wenn ich mich nicht irre.
Lassen Sie uns bei den Fakten bleiben. Fakt ist, dass das MfS erfolgreich gewesen ist, denn sonst wäre die "Unterdrückung" des DDR-Volkes, wie es so schön heisst, nicht so lange vonstatten gegangen, eine "Opposition" wäre früher lautstark in Erscheinung getreten und das Ende der DDR wäre vermutlich eher eingetreten.
Zum zweiten gab es im MfS so gut wie keine internen "Verräter", die für einen anderen Geheimdienst gearbeitet haben, das deutet mir nicht auf eine "Krisenerscheinung" und ebensowenig auf ein "unüberschaubares Konglomerat" des MfS hin.
Zum dritten, wenn Sie von "Inkompetenz" des MfS reden, dann sollten Sie den BND fragen, ob er es auch so sieht, denn wenn das MfS inkompetent gewesen wäre, dann frage ich mich, wie es diesen Dienst so gut und gründlich aussphähen konnte?
Zum vierten halte ich die Bezeichnung "Kaiser" für Mielke für falsch, denn er regierte eben nicht ohne Kontrolle und selbstherrlich, weil er zu jeder Zeit vom Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär der SED und damit von der SED kontrolliert worden ist. Auch handelte das MfS nie abgelöst von ihrem Auftrag: "Schild und Schwert der Partei" zu sein, mit anderen Worten Mielke schuf sich nie ein "eigenes Reich", in dem er alleine das Sagen gehabt hätte. Ein eigenes Reich ist in meinem Verständnis aber die Vorrausetzung für einen "selbstherrlichen, absoluten Kaiser" und dies war eben nicht beim MfS und Mielke gegeben.
Mit freundlichen Grüssen
Thomas Glöckner

#8 - 14.10.2009, 14:34 von

"Dass die Stasi in der Ära Honecker immer mehr als Firma "Horch & Guck" (DDR-Jargon) agieren musste, und immer weniger im alten Stil als politische Schläger-, Folter- und Mördertruppe auftreten konnte, ging Mielke oft genug gegen den Strich."

dies trifft nicht den Punkt. Die StaSi selbst hat vermutlich den Begriff Horch+Guck in Umlauf gebracht und zwar wohlüberlegt. Zweck war, zu vermitteln, dass die Stasi jeden abhören könnte, was selbst der prozentual größte Geheimdienst der Welt jedoch nicht konnte.

Diese Info wird aktuell in der Normannenstr. "gelehrt" und dürfte zutreffen.

#9 - 14.03.2014, 11:52 von Kai Bonte

Der brutale Kaiser der DDR

"Dir hack ich den Kopf ab!" Er war hinterhältig, ungehobelt, ungebildet, ließ foltern und morden: Heute wäre Erich Mielke 100 geworden. Hans Michael Kloth porträtiert den Stalinisten, der 32 Jahre als Stasi-Chef den totalen Überwachungsstaat steuerte - und sich dafür nie vor Gericht verantworten musste.