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Der unerwünschte Nazi-Jäger

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#30 - 01.02.2013, 09:20 von Hans-Anton Ludwig

>>Mit diesem Vorfal, den ich nich kannte, zeigt der Autor des Artikels, wenn auch unfreiwillig, das wir hier in diesem Lande von normalen Menschen mit grausamen Seelen umgeben sind.<<

Werter Herr Figo, jetzt haben wir 2013, der Skandal ereignete sich 1952. Ich denke schon, dass auch uns Deutsche mittlerweile das Licht der Aufklärung etwas mehr erleuchtet.
Davon abgesehen gab es offensichtlich auch schon in der 50er Jahren eine gewisse politische Hygiene, die dazu führte, dass der Justizminister Müller wegen seines Amtsmissbrauchs zurücktreten musste und die weiterhin dazu beitrug, dass Auerbach bereits 2 Jahre später vollständig rehabilitiert wurde. Scheint also nicht nur "grausame Seelen" gegeben zu haben...


>>Kann mir jetzt nochmal einer erklären, was der Richter jetzt so schlimmes in seinem Leben verbrochen hat, dass er als Nazi abgestempelt wird?
Er war General in der Wehrmacht.... na und ? Hat doch in erster Linie nichts mit Nazi sein zu tun!<<

Werter Herr Schroffel, er wird ja auch nicht als "Nazi", sondern als NS-Jurist bezeichnet.
Er war Oberkriegsgerichtsrat (Oberstleutnant), also Richter der Militärgerichtbarkeit im NS-System, also definitiv "NS-Jurist".
Und damit auch ein nicht unwesentliches Rädchen im Getriebe einer Blutjustiz, deren daran beteiligte Juristen ?strafrechtlich wegen Rechtsbeugung in Tateinheit mit Kapitalverbrechen zur Verantwortung [hätten] gezogen werden müssen." (BGH 1995 (5 StR 747/94, hier Bezug in Abschnitt B, II, cc und c)).
Selbst wenn man unterstellt, dass jemand im NS-System ein hohes Richteramt hätte bekleiden können, ohne als systemtreu und politisch zuverlässig zu gelten, darf man aber feststellen, dass er, wie vom BGH dargelegt, zumindest Dreck am Stecken hatte. Als Angehöriger der (Militär-)Justiz war er möglicherweise mitverantwortlich für Opfer, deren Ansprüche durch Auerbach so nachdrücklich formuliert wurden. Grund genug für die Annahme einer gewissen Befangenheit, denken Sie nicht?

#31 - 01.02.2013, 09:24 von Arno Dittmer

>Was die meisten Deutschen och heute nicht begriffen habe ist das die meisten die die Nazis umbracht haben Deutsche Staatbuerger waren die der juedischen Religion nachgingen.
>
>Wie man heute davon spricht ist als waeren diese Menschen
>vom Mars gekommen. Sie waren Deutsche.

Zur Info: die meisten Opfer waren ausländische Europäische Juden. Im deutschen Reich gab es knapp 1 Mio Juden, von denen fast die hälfte ermordet wurden. Sonst verständlich.
>
>Natuerlich wollten die Mitlaeufer und die Verbrecher all es vergessen.
>
>Deutschland hat mir den Grossvater und den Vater genommen in den Kriegen.
>
>Als ich erwachsen war bin ich ausgewandert . Ich hatte die Nase voll.
>
>I ch kann mich noch eriinnern als ich als Kind mit meiner Mutter duchs dorf ging und sie mir hinter vorgehaltendeer Hand sagt der so und so da drueben war auch ein grosser Nazi. I ch habe nie vergessen da fast das ganze Dorf Nazis waren.
>
>Nach dem Tod meiner Mutter als ich zehn war zog ich weg von dem Dorf. Ich war froh.

#32 - 01.02.2013, 12:41 von Horst Jungsbluth

Wenn man in einem demokratischen Rechtsstaat die Täter aus einem Unrechtsstaat in allen Bereichen der Geseiischaft nicht nur unbehelligt lässt, sondern sie sogar weiter in der Justiz wirken können, dann ist der sogenannte Rechtsstaat nur Makulatur und es führt zu solchen absurden Ergebnissen. Wenig erstaunlich auch, dass sich die "unabängigen" Medien nicht für diesen Mann einsetzten, wenn ich daran erinnern darf, dass diese sich selbst noch 1988/89 an einer wie ein Theaterstück inszenierten Wohnungsnotkampage in Berlin, die auf einer puren statistischen Bereinigung beruhte, wieder einmal mit Wonne beteiligten und zur Freude der Stasi und der undemokratischen Kräfte tatenlos zusahen, wie mit verfälschten Gesetzestexten und rechtswidrigen Fliessbandprozessen Existenzen, Arbeits- und ausbildungsplätze vernichtet wurden.

#33 - 03.02.2013, 12:15 von Frank Weiß

am beispiel auerbachs sieht man einmal mehr das wesen des deutschen kleinbürgers.während die verbrecher aus der zeit des faschismus wieder in amt + würden und wohlversorgt sind, wird gegen die berechtigten ansprüche der opfer gehetzt. statt reue, scham,gerechtigkeit und großzügigkeit gegen die menschen die fast alles in den terrorjahren verloren hatten gibt es neid, mißgunst , intrigen. und man nutzt die wiedergewonne macht gegen juden und ab 1956 gegen kommunisten. so kommt es, daß nazirichter oft gleich zweimal über menschen wie auerbach "richten" konnten. als faschistische verbrecher und später dann als teile des "rechtsstaates".

#34 - 03.02.2013, 12:15 von Jürgen Kröner

Ich bin durch den Roman "Landgericht" von Ursula Krechel auf den Fall Auerbach gestossen, lässt mich seit dem nicht mehr los.

Mir war schon klar, das in den Nachkriegsjahren einiges unter den Teppich gekehrt wurde, ein wenig -wenn auch sehr begrenzt- fand ich das immer nachvollziehbar; die Schuld war einfach zu monströs, um bei ständiger Beschäftigung damit weiterleben zu können.

Aber wie verbreitet und flächendeckend die Wiedereinsetzung von NSDAP-Mitgliedern und am Holocaust und an Kriegsverbrechen aktiv beteiligter NS-Größen wirklich war, ist wirklich unfassbar und sehr beklemmend.

Auch das so kurz nach Kriegsende schon wieder oder immer noch so offensichtlich antisemitische Klischees bedient wurden, und das durch alle Gesellschaftsschichten (und nicht zuletzt auch im SPIEGEL), macht sprachlos.

Wie schwer muß es den ins Ausland geflüchteten jüdischen Mitbürgern gefallen sein, nach 1945 wieder nach Deutschland zu kommen und hier in praktisch allen gesellschaftlichen Bereichen wieder die gleichen Entscheidungsträger wie zur NS-Zeit vorzufinden, während sie als Enteignete und Zwangsausgebürgerte kämpfen und betteln mussten, um wieder einen deutschen Pass zu erhalten.

Die allgemeine Unwissenheit um den Fall Auerbach sollte auch all jenen zu denken geben, die meinen, es wäre doch jetzt mal gut mit Erinnern und Wiedergutmachung. Es gibt noch viel aufzuarbeiten!

#35 - 03.02.2013, 12:19 von Peter Grolig

Die Dummheit und Ignoranz der damaligen Gesellschaft zeigt sich auch in den Adoptionsverfahren der sogenannten "braunen Kindern". Da hat man in den 1950er Jahren Mischlingskinder von Schwarzen GI´s und deutschen Frauen noch im Alter von 5 bis 6 Jahren in die USA gebracht, weil sie dort angeblich besser aufwachsen können. Auch die Wissenschaft war damals dumm und blind. Das Westdeutsche Volk hat sich in seiner ganzen Geschichte wahrlich nicht mit Ruhm und Ehre bekleckert. Schande über uns.

#36 - 03.02.2013, 12:21 von Ulf Hagen Ruttmann

Dass der Spiegel 1947 sich selbst an der antisemitischen Hetze gegen Auerbach beteiligt hat bleibt in dem Artikel unerwähnt. Es wenig Selbstkritik wäre schon angebracht

#37 - 03.02.2013, 12:22 von Peter Grolig

Wenn ich den Bericht und gewisse Artikel (wikipedia) recht verstehe, dann blieb als Anschuldigung lediglich der Tatbestand des unbefugten Führens eines akademischen Titels.
Wie kann man die Debatte um die Frau Schavan hiermit in Relation bringen?
Welche Gesinnung hat das deutsche Volk eigentlich heute?

#38 - 03.02.2013, 12:23 von Peter Grolig

>In welche Drecksschule bin ich gegangen, was für ein ignorates Arschloch war ich doch - bis heute kannte ich den Namen nicht, bis heute hab ich zwar gewußt, das Nachkriegsdeutschland - auch weiter Nazideutschland war - doch hier - bekommt diese ganze verrottete Untertanengesellschaft das Gesicht eines Opfers vorgehalten - Danke für die Information - ein Grund mehr sich zu schämen ein Teil dieser Gesellschaft zu sein, opportun handeln, Wohlstand verdienen, ansonsten jede Schandtat akzeptieren.
>
>Werden Milliarden etwas plump umverteilt, schreit der Wutbürger - wo ist der Wutbürger der über das ganze arrogante Bildungsbürgergehabe schreit?
>Ach - müßt ich mich ja selber beschimpfen - Selbstbeschimpfung macht die Sache auch nicht besser - also was solls.
>
>Ich öde mich an, mich ödet meine Feigheit an, doch noch mehr öden mich all jene an, die sich guten Gewissens ihre Drecksleben auf das Elend der Verlierer schmieren.

Oh, Seelenverwandter. Dich gibt es. Das hätte ich in meinen künsten Träumen nicht zu erwarten gedacht.

#39 - 03.02.2013, 12:23 von Ken Akamatsu

>>>Mit diesem Vorfal, den ich nich kannte, zeigt der Autor des Artikels, wenn auch unfreiwillig, das wir hier in diesem Lande von normalen Menschen mit grausamen Seelen umgeben sind.<<
>
>Werter Herr Figo, jetzt haben wir 2013, der Skandal ereignete sich 1952. Ich denke schon, dass auch uns Deutsche mittlerweile das Licht der Aufklärung etwas mehr erleuchtet.<<
Ich glaube da irren sie.
Erinnern sie sich noch an die Diskussion, zur Rehabilitierung von zum Tode verurteilten Deserteuren und "Wehrkraftzersetzern"? Ich schon.
Ein Satz ist mir hier aus dem SPON-Forum besonders in Erinnerung geblieben: "Wenn man die Fahnenflüchtigen rehabilitiert, unterstellt man damit die anderen Wehrmachtsoldaten hätten etwas falsch gemacht! Das darf nicht sein."

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