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Deutscher Überfall auf die Sowjetunion: "Stark aufgeräumt, ohne Gnade"

Getty Images Sie nannten es "Unternehmen Barbarossa" - vor 75 Jahren begann Hitlers Feldzug gegen die Sowjetunion. Minutiös beschrieb der deutsche General Gotthard Heinrici den Kriegsverlauf. Ein Dokument des Grauens.
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#1 - 21.06.2016, 11:28 von Johannes Höper

Ja, das waren unsere Väter und Großväter.

Und es war ein großes Verbrechen.
Allerdings hänge ich immer noch der - inzwischen auch von vielen Historikern gestützten - These an, das der Einmarsch in Russland Stalins eigenem Angriff gen Westen nur um 14 Tage zuvorgekommen ist. Die Mengen und Positionen des vorgefundenem Kriegsmaterials, die Stellungen der überraschten sowjetischen Einheiten und die (nachträglich) bekanntgewordenen Befehle waren eindeutig nicht defensiver Natur. Quellen: V. Suworow, W. Post und andere

Der weitere Verlauf des Krieges kann natürlich nur erahnt werden, aber Deutschland hätte darin wohl keine Rolle mehr gespielt...

#2 - 21.06.2016, 11:58 von Jens Boh

etwas komplexer ...

...ist das Thema "Russlandfeldzug 41-45" dann doch, als uns der Artikel hier weis machen möchte.
Sowohl aus militärisch-strategischer Sicht inkl. der Vorgeschichte "warum und wann Russland angegriffen wurde", als auch was "hinter den Frontlinien" durch SD und SS (ungleich Waffen SS) passierte.
Es gibt ja mittlerweile durchaus wirklich sehr sehr viel brauchbare und gute Literatur dazu.
Was das bei Spiegel immer sehr einseitig platzierte Thema der "Kriegsverbrechen" seitens der Deutschen (ob Wehrmacht oder andere Gruppierungen) angeht, spricht man wohl gegen Windmühlen, wenn man darauf hinweist, das die Russen aus einem ganz anderem Kaliber waren als die westlichen Alliierten. Es ist beispielsweise historisch als gesichert anzusehen, das die "verbrannte Erde" Politik im Jahre 1941 von der russischen Führung durch die großlächigen Rückzüge in erheblichem Maße angewendet wurde und in der Folge oftmals -gerade auch von den Russen selber- den Deutschen angelastet wurde.
Ohne hier auf eine vermeintliche Ritterlichkeit der "normalen" Wehrmachtsverbände (die es uneingeschränkt im Allgemeinen weder auf deutscher noch alliierter Seite gab!) abzuzielen, so muss man immer bedenken, dass die Geschehnisse heute verständlicherweise aus Sicht der Sieger und nicht der Besiegten gedeutet werden und eine realisitische Bewertung unter der Berücksichtigung des jeweiligen Standpunktes und auch des Zeitgeistes gemacht werden sollte. Heute lässt sich immer sehr einfach mit dem Finger auf damalige Ereignisse zeigen.

#3 - 21.06.2016, 12:06 von Peter Nowak

Ergaenzt werden koennte:

1. Warum kaempfte der russische Soldat so verbissen? Auch, weil Politkommissare und Spezialeinheiten des Geheimdienstes NKWD eigene zurueckweichende Truppen niederschossen. Kriegsgefangene russische Soldaten hatten nach Kriegsende und bei ihrer Rueckkehr in die UdSSR Repressalien zu erwarten. Stalin war nicht einmal bereit, seinen in Gefangenschaft geratenen Sohn auszutauschen.
2. Viele Anrainerstaaten der UdSSR sowie andere europ. Staaten beteiligten sich an dem Feldzug - Finnland, Slowakei, Kroatien, Ungarn, Rumaenien, Bulgarien, Italien.
3. Die sowjetische Bevoelkerung hatte bereits in den Jahren vor dem Krieg - und auch danach - durch Massnahmen der kommunistischen Machthaber erheblich zu leiden und Menschenverluste in Millionenhoehe zu beklagen.
Stichworte: Grosse Saeuberungen der 30er-Jahre - Cistka.
Hungerprogramme gegen Minderheiten, Ukrainer, Kosaken usw. - Hladomor.
System der Arbeitslager - Gulag.
Wenig bekannt ist auch, dass die SU nach dem dt. Angriff auf Polen von Osten in Polen eindrang und erhebliche Gebiete okkupierte und im Winter 39-40 das damals noch neutrale Finnland - vergeblich - angegriffen hatte.

#4 - 21.06.2016, 12:40 von Dm Nachname

"1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und lebte fortan als Pensionär."

Das verstehe ich nicht. Absolut. Er war Generaloberst, der zweithöchste Generalsrang! Wie viel Millionen musste er persönlich töten, um höhere Haftstrafen?

#5 - 21.06.2016, 12:40 von Viktor Ragnarsson

NATO hat heute

Wehramcht ersetzt. Wenn man die o.a. Karte "Unternehmen Barbarossa" mit der aktuellen Karte der NATO Einheiten an der Ostgrenze vergleicht, ist es fast 1:1 gleich. Und die Ziele der NATO sind der Wehrmacht sehr nah und die Teilnehmer (es kamen ein Paar neue dazu, aber im Grunde...).

#6 - 21.06.2016, 12:46 von Michael Gerhold

Im Osten nichts Neues

Was in dem Artikel steht ist alles schon tausendmal geschrieben: der Rassen- und Vernichtungskrieg, die Weite des Raumes, der Winterkrieg, die Partisanen.

Aber wenn die Wehrmacht im Dezember 1941 "eigentlich schon geschlagen" war, warum war sie dann nicht im folgenden Sommer wie Napoleons Grande Armee aus Rußland vertrieben? Gut, der Vergleich hinkt gleich mehrfach. Aber warum haben sich die Siege der Wehrmacht 1942 fortgesetzt? Wie ist das Desaster von Rshew zu erklären ("das sowjetische Verdun"), der erneute deutsche Vormarsch im Süden und die wiederum gigantischen Verluste der Roten Armee, auch bei Stalingrad (ca 1 Million Tote)?

Nun ja, ein Teil der Erklärung ist das riesige Ausmaß der Kollaboration der Sowjetbevölkerung. Bogdan Musial zufolge gab es noch Mitte 1943 allein etwa 600.000 frontnahe Hiwis! Derselbe Autor behauptet daß die Wehrmacht 1942, wo ihr Verbände aus Weißrußland, der Ukraine und dem Baltikum gegenüberlagen, die Soldaten oft erfolgreich aufforderten sich zu ergeben: "Wir lassen euch umgehend frei und schicken euch auf eure Höfe zurück" - was Musial zufolge auch geschah.

Ich weiß, Musial ist umstritten. Aber das würde erklären warum Stalin die Soldaten der Roten Armee, die sich ergeben haben, mit höchstem Mißtrauen betrachtete. Es ist auch zu empfehlen, im Hinblick auf den Krieg in der Sowjetunion das Werk von Richard Overy zur Kenntnis zu nehmen, insbesondere "Russia's War. Blood upon the Snow". Darin kann man u.a. das Ausmaß der sowjetischen Kriegsanstrengungen erfahren. Die 7-Tage-Arbeitswoche war normal, und für zivile Zwecke wurde überhaupt nichts mehr produziert. Das mußte auch sein, denn die Verluste der Roten Armee blieben unverändert hoch bis zum Ende. Musial behauptet, deren Verluste an Panzern und Flugzeugen sei 1945 genauso hoch gewesen wie 1941!

Wie konnte das alles sein? Warum die Kollaboration? Warum die durchweg schlechte Planung der Gegenoffensiven und die hohen Verluste? Warum mußte der Krieg im Osten solange dauern?

#7 - 21.06.2016, 12:56 von Winfried Karst

Herr Breedlove

sollte sich auch mal etwas zu dem Thema durchlesen. Dann würde er aus seiner aggressiven Nato-Strategie vielleicht mal wieder die Luft rauslassen und das Säbelrasseln beenden.

#8 - 21.06.2016, 13:04 von Jens Fischer

@5

Warum sollte man ihn länger einsperren? Weil er Generaloberst war?
Man konnte ihm keine konkreten Vergehen vorwerfen, und bei Kriegsausbruch war er definitiv nicht im Rang und der Position, irgendwas zu befehlen das nachträglich als "Verbrechen gegen den Frieden" gewertet worden wäre. Die Siegergeneräle Die auch viel dreck am stecken hatten, wollte doch auch niemand einsperren. schade eigentlich.

#9 - 21.06.2016, 13:06 von Jochen Schmidt

@Johannes Höper

Diese Präventivkriegsthesen sind so alt wie widerlegt. Bitte mal informieren

"Die Präventivkriegsthese vertreten seit 2000 in Deutschland noch einige der extremen oder neuen Rechten zugeordnete Historiker, etwa Stefan Scheil. In Russland vertreten sie einige Journalisten, die sich dazu weiterhin auf den Präventivschlagsplan vom 15. Mai 1941 berufen und außer Acht lassen, dass Stalin diesen abgelehnt hat. Die übrigen deutschsprachigen Historiker weisen deren Veröffentlichungen als methodisch unwissenschaftliche, revisionistische und semantische Entlastungsversuche zurück." Hier finden Sie Belege: https://de.wikipedia.org/wiki/Präventivkriegsthese

https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Suworow

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