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Fotos, die Franco unterdrückte

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#1 - 02.07.2008, 10:13 von Carlos Abreu

Es sind wirklich eindrucksvolle Bilder, die vor allem durch ihre Authenzitaet wirken und in mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Was hat dieses Land Leiden muessen.
Noch einen Hinweis an den Autor des Berichts, die Maedschen halten nicht ein Schwert in der hand, sondern ein Bajonett.

#2 - 02.07.2008, 13:18 von

>Es sind wirklich eindrucksvolle Bilder, die vor allem durch ihre Authenzitaet wirken und in mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Was hat dieses Land Leiden muessen.
>Noch einen Hinweis an den Autor des Berichts, die Maedschen halten nicht ein Schwert in der hand, sondern ein Bajonett.


Franz Besendörfer
2. Juli 2008

Als ich vor 15 Jahren in einer mehrtägigen Exkursion das heiß umkämpfte Universitätsviertel von Madrid besichtigte, fand ich keinen Studenten, der von den Kämpfen von 1936/37 etwas Näheres wußte. Dieses Thema wurde zu Francos Zeiten in den Schulen ausgeblendet.

#3 - 26.10.2008, 11:03 von Ernst Pelzing

Die Fotodokumentation des Ministerio de Cultura zum Spanischen Bürgerkrieg ist sehr eindrucksvoll. Sie sollte jedoch durch einen Blick in die aktuelle spanische Tagespresse ergänzt werden. Eine vom spanischen Richter Baltasar Garzón angeordnete Exhumierung von Massengräbern aus dieser Zeit ist ein beredtes Zeugnis dafür. Der zuständige Staatsanwaltschft legt sich jedoch quer. Juristisch nicht machbar, Fragen der Zuständigkeit etc. Eine nach Francos Tod ergangene Generalamnestie für die im Rahmen dieses Bürgerkrieges von Francoanhängern und Republikanern begangenen Gräuel sind somit offensichtlich Geschichte. Also keine juristische, sondern nur noch historische Aufarbeitung? Neben der Aufarbeitung der deutschen Geschichte zur Kriegsgräuel gibt es diesbezügliche Beispiele aus jüngerer Zeit wie Argentinien und Chile, in denen die Verantwortlichen trotz eines offiziellen Mantels des Schweigens zur Rechenschaft gezogen wurden und noch werden. Von den Ereignissen der Stalinzeit ganz zu schweigen. Das kollektive Gedächtnis ruht nicht auf Knopfdruck.
Ernst Pelzing

#4 - 31.10.2008, 10:50 von Ernst Pelzing

Ernst Pelzing
30. Oktober 2008
Eine sozusagen als Post-Zeitzeuge gemachte persönliche Erfahrung mag als sinnvolle Ergänzung zu der vom spanischen Ministerio de Cultura zum Thema Spanischer Bürgerkrieg veröffentlichten Bilddokumentation und dem in der aktuellen spanischen Tagespresse behandelten Thema der Exhumierung von Massengräbern aus dieser Zeit dienen.
Ort und Zeitpunkt: Eine typische Ortskneipe in einem 35 Km nördlich von Madrid gelegenen Ort Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Verfasser dieser Schilderung sitzt mit einem guten älteren Bekannten bei einem Glas Rotwein an einem Tisch im Freien vor dieser Kneipe. Ein weiterer guter Bekannter von uns beiden lässt im Vorbeigehen in meine Richtung den abschätzigen Begriff "facha" (abschätzig für "Faschist") fallen. Zur Klärung für den geschätzten Leser, der mit diesem Begriff nicht viel anfangen kann: Mein Tischnachbar war als "franquista", also ehemaliger Frankoanhänger und damit Faschist im Ort bekannt. Daraus machte er keinen Hehl. Dass diese politische Abkanzelung als Faschist knapp 20 Jahre nach Francos Tod großzügig auf mich als Tischnachbarn Anwendung fand, war jedoch aus damaliger Sicht reichlich ungewöhnlich. Wie die oben angesprochene Dokumentation jedoch zeigt, ist sie es offensichtlich aus heutiger Sicht trotz der nach dem Tode Francos erlassenen Generalamnestie nicht. Beispiele zur juristischen und geschichtlichen Aufarbeitung gibt es in Spanien und weltweit genug.

Es mag dem aufmerksamen Leser überlassen bleiben, seine eigenen Schlussfolgerungen aus der vom gemeinsamen Bekannten gemachten Bemerkung vor dem dargestellten heutigen Hintergrund zu ziehen.

#5 - 08.11.2008, 14:36 von Ernst Pelzing

Es ist die Zeit der Be- und Erkenntnisse, hier wiederum aus der Franco-Zeit. Aller guten Dinge sind drei oder "a la tercera va la vencida", um vor Ort zu bleiben.

Wie wir aus der Madrider Tageszeitung "El País" erfahren, wollte Franco sein Land nach nun freigegebenen CIA-Dokumenten aus dem Jahr 1974 zu einer Atommacht machen.

Das Foto von den Azoren mit Bush, Blair und Aznar und dem Hintergrund Irak-Krieg ging um die Welt.

Rodríguez Zapatero sucht nach einem Platz für Spanien und findet ihn über Sarkozy ...

und immer sind die USA mit von der Partie.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt oder
"Honi soit qui mal y pense".

Ernst Pelzing

#6 - 05.02.2009, 10:13 von Ernst Pelzing

Die Vergangenheit lebt in Namen durch ihre Inhalte weiter.

Namen sind nicht nur Schall und Rauch, wie die derzeitige Diskussion um die Holocaust-Leugnung zeigt.

Wie SPIEGEL ONLINE in http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,604966,00.html
berichtet, "tragen viele deutsche Schulen die Namen alter Nazis. Mit der Umbenennung tun sich die Stadtväter oft schwer".

Ähnliches tut sich südlich der Pyrenäen. So weist CADENA SER unter http://www.cadenaser.com/articulo/sociedad/Nombres/franquistas/siguen/todavia/presentes/muchos/colegios/Espana/csrcsrpor/20081227csrcsrsoc_6/Tes/ mit Datum 27.12.2008 auf folgenden Sachverhalt hin: "Nombres franquistas siguen todavía presentes en muchos colegios de España" [frei übersetzt: "Frankistische Namen an zahlreichen spanischen Schulen erinnern noch an dieses Regime".]
Das Beharrungsvermögen an maßgebender Stelle ist somit enorm und ist nicht nur auf Deutschland begrenzt.

Ernst Pelzing

#7 - 05.02.2009, 14:41 von Ernst Pelzing


Da Spanien eigentlich erst jetzt mit der Aufarbeitung des Franco-Regimes beginnt, sei hier folgendes ergänzend festgestellt:
In Spanien kam es am 31.10.2007 unter der sozialistischen Regierung Zapatero zur Verabschiedung eines Gesetzes, das sich mit dem historischen Andenken [Ley de Memoria Histórica] befasst, konkret mit der "Anerkennung und Erweiterung der Rechte sowie Festlegung von Maßnahmen zu Gunsten der Personen, die während des [spanischen] Bürgerkriegs unter Verfolgung und der [frankistischen] Diktatur litten". Darunter fällt auch "das Entfernen der frankistischen Symbole aus der Öffentlichkeit".
Der spanische Bürgerkrieg dauerte vom 17.1.1936 bis zum 1.4.1939. Franco verstarb am 20.11.1975.
Aus diesen Daten lässt sich schlussfolgernd ableiten, dass man in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Zeit hatte, nazistische Namen aus der Öffentlichkeit zu entfernen. Offensichtlich besteht noch immer erheblicher Handlungsbedarf.

otap

#8 - 10.09.2009, 16:01 von Ernst Pelzing

Historisches Rechts- und Linksdenken, verbunden mit einem Körnchen lokaler Besonderheiten im spanischen Parteienspektrum, oder an den Symbolen der Franco-Diktatur scheiden sich die Geister - Mehr als eine Provinzposse

Aufschlussreicher Artikel in EL PAÍS (der den spanischen Sozialisten nahe stehenden Tageszeitung), Ausgabe vom 8.9.2009, mit dem Titel "A Coruña retira símbolos franquistas sin el apoyo del PP" ("A Coruña entfernt franquistische Symbole ohne Unterstützung der PP [Konservative]".

Dem genannten Artikel zufolge handelt es sich um "die Beseitigung von 53 Auszeichnungen, unter ihnen die Widerrufung von Franco und acht seiner Minister übertragenen Ehrentiteln sowie die Umbenennung von 22 Straßenbezeichnungen", worauf sich die PSOE [Sozialisten] und die BNG [Nationalisten] vor Ort geeignigt hatten. Die PP [Konservativen] seien nicht gegen die Anwendung des Gesetzes, wie ein PP-Abgeordneter auf regionaler Ebene erklärte. "Man könne jedoch nicht die engstirnige und einen Alleinanspruch [auf Auslegung] erhebende Art und Weise, die der Bürgermeister gewählt habe, bei einem Vorgang teilen, der die Sensibilitäten aller Beteiligen berücksichtigen müsse".

Die Angelegenheit basiert auf dem vom spanischen Abgeordnetenhaus 2007 verabschiedeten Gesetz "Ley de Memoria Histórica", also "Gesetz des Historischen Andenkens". Dem obigen Artikel zufolge führen die Konservativen den getroffenen Beschluss auf "la memoria histÉrica" des BNG und auf "la memoria histÓrica" der PSOE zurück. Das sich aus der PP-Äußerung ergebende, hier durch Großbuchstaben hervorgehobene Wortspiel "hYsterisches Andenken" der galicischen Nationalisten und "histOrisches Andenken" der Sozialisten ist sozusagen das Salz in der Suppe und bringt das eigentliche Problem bei der Aufarbeitung der historischen Gegebenheiten auf den Punkt. Dieser Vorgang spielt zwar auf Provinzebene, geht jedoch, wie die spanische Tagespresse deutlich zeigt, weit über den Rahmen einer Provinzposse hinaus.

Ernst Pelzing

#9 - 11.09.2009, 16:30 von Ernst Pelzing

Baltasar Garzón, der im Zusammenhang mit der Verhaftung Pinochets bekannt gewordene spanische Untersuchungsrichter, steht jetzt selbst vor Gericht wegen angeblicher Amtsanmaßung in Sachen Untersuchung der unter dem Franco-Regime begangenen Verbrechen

Die unter dem Franco-Regime von eigener wie von republikanischer Seite begangenen Bürgerkriegsgreueltateten sind in Spanien historisch nie aufgearbeitet worden. Das rächt sich jetzt. Sie sind ein ständiger Quell für ideologisch geprägte Querschüsse aus den beiden Hauptlagern des spanischen Parteienspektrums, den an der Macht befindlichen Sozialisten (PSOE) unter Zapatero und den Konservativen (PP) unter Rajoy, und ihnen nahe stehenden Organisationen.

Einem in der spanischen Tageszeitung EL PAÍS am 9.9.2009 unter dem Titel "Garzón declara como imputado en el Supremo por investigar el franquismo" (Garzón sagt als Beschuldigter vor dem Obersten Gerichtshof wegen seiner Untersuchung des Franquismus aus") veröffentlichten Artikel zufolge steht Garzón jetzt selbst wegen angeblicher Amtsanmaßung in dieser Angelegenheit vor Gericht. Er sitzt sozusagen zwischen zwei Stühlen. Denn er ist einerseits Opfer der gegen ihn von den Klägern, dem ultrarechten Berufsverband Manos Limpias und der Asociación Libertad e Identidad, vorgebrachten Klage. Andererseits äußert sich die Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica (Vereinigung für die Wiedererlangung des Historischen Andenkens) in dem genannten Artikel in einem äußerst scharfen Kommuniqué zur "ungeheuerlich ungerechten und paradoxen Situation, die durch den Obersten Gerichtshof entstanden ist". Weiter "Es ist unverständlich, wie die Suche nach Gerechtigkeit für die Opfer von so schweren Menschenrechtsverletzungen, wie sie von der franquistischen Diktatur verübt wurden, als strafbare Handlung angesehen wird".

Die PSOE wünschte Garzón über ihren Sprecher "das Beste". Die PP äußerte sich dahingehend, dass der Genannte "dem Gesetz unterliege".

Angesichts dieser Ausgangslage ist die Unabhängigkeit des Obersten Gerichtshofs gefragt.

Ernst Pelzing







#10 - 14.03.2014, 11:56 von Kai Bonte

Fotos, die Franco unterdrückte

Tote Kinder, Flugzeugwracks, Madrid in Trümmern: Mehr als 3000 Fotos aus dem Bürgerkrieg, die das spanische Kulturministerium veröffentlicht hat, zeigen eine Realität, die General Franco verschweigen wollte - jetzt sollen Internetnutzer die Geschichten zu den Bildern liefern. Von Stephan Orth