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Gregor Gog, König der Vagabunden: "Generalstreik ein Leben lang"

Bea Davies/ Patrick Spät/ Avant Verlag In der Weimarer Republik organisierte er einen Vagabundenkongress und publizierte die erste Straßenzeitung Europas. Gregor Gog, radikaler Freigeist, half den Obdachlosen und empörte das Spießbürgertum.
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#1 - 16.10.2019, 19:21 von Patrick Lang

Vagantengruss aus der Schweiz

Schöner Artikel! Herzerwärmend zu hören, dass der "Kundige" in deutschen Gefilden so spät im 20.Jh. noch Sprache und Ausdruck gefunden hat. ... Bei uns in der Schweiz hat man sie/ihn und ihre Kultur schon im Lauf des 19. Jh. mit Napoleonischer Hilfe mundtot gemacht, um eine moderne Industrie aufzubauen.
Die ungeschriebene Geschichte eines europäischen Genozids wartet immer noch auf ihre vollständige Aufarbeitung.
Fahr heil, statt "Sieg Heil" ...

#2 - 16.10.2019, 20:00 von Kuno Hildebrand

Die rettende Schweiz...

... erwies sich dann doch nicht so ganz, zum Schutz vor den Nazis, als tauglich.
Sehr bezeichnend, wie ich finde, für die Rolle, die dieses „neutrale“ Land zu dieser Zeit gespielt hat. Und was das Verhältnis Stalins zu den Anarchisten anbelangt, so wurden diese von ihm schon während des spanischen Bürgerkrieges bekämpft, oder doch mindestens im Stich gelassen. Das könnte auch erklären, warum Gregor Gog dann in der Sowjet Union weniger als Kommunist von „seinen“ Genossen gesehen wurde, als vielmehr zum Anarchisten erklärt wurde, dem Stalin und seine Schergen nicht trauten. Zumal jemand aus Deutschland sich bei den Sowjets erst mal beweisen musste.

#3 - 17.10.2019, 07:39 von Frank Kanera

Die bürgerliche Mär von der Freiheit

Geht es ja letztlich darum, ein williges Heer von Bütteln zu schaffen um eine reiche und mächtige Clique noch reicher und mächtiger zu machen. Entsprechend werden wirklich frei lebende Völker und Gruppen ausgegrenzt und bekämpft. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dieser Beitrag ist sehr interessant und passt auch in unsere Zeit in der die ultra - Anpassung und Unterwerfung zu verängstigten, besorgten und feindseligen Bürgern führt.

#4 - 17.10.2019, 09:03 von Dieter Hannemann

Auch heute sind Leistungs- und Konsumverweigerer verachtet

Obdachlos ist von Oben gewollt, denn wenn Arbeiter diese auf der Straße sehen, sind sie bereit auch sehr prekäre Arbeitsbedingungen zu erdulden, sowie unbezahlte Überstunden und jeden Niedriglohn, nur um nicht ofw zu werden!
Auch heute ist Stuttgart noch eine liberale Stadt, wo Obdachlose den ALG2-Tagessatz auch für längere Zeitb kommen, wöchentlich ausbezahlt, sowie der Krankenkassen-Pflicht-Beitrag auch wirklich an die KV abgeführt wird. In den meisten anderen Städten in Deutschland wird man dagegen vertrieben, der KV-Beitrag nicht gezahlt, was dazu führt das seit 1. April 2007 der Einführung dieser Zwangsversicherung fast alle Obdachlosen hohe Beitrags-Schulden haben und nur das allernötigste bekommen. Genau darum beträgt die Lebenserwartung der ofw-ler nur 46 Jahre!
Allerdings betätigen sich heute viele Obdachlose in Parteien welche das bedingungslose Grundeinkommen umsetzen wollen, damit Armut, Obdachlosigkeit endlich überwunden wird!

Sehr tragisch, dass er damals in der Schweiz kein Asyl bekam und den Versprechungen der Kommunisten vertraute, damit wurde er leider einer der Millionen Opfer des Gulag durch Zwangsarbeit.
Erst Georg Orwell hat in seinen Büchern: "1984 und Farm der Tiere" diese Verlogenheit jedem klar gemacht.
Es gab in der DDR extra den §249 für Vagabunden! Arbeitsverweigerung wurde mit 2 Jahren in Zwangsarbeitslager bestraft, wo man bei Arbeitsverweigerung so lang zusammengeschlagen wurde bis man krankenhausreif war, oder gearbeitet hat. Arbeit bekam man da als Bestrafung für jedes auch noch so kleines Vergehen. Erziehung zu Fleiß und Gehorsam! Ost-Nostalgiker sollten sich einfach mal das durchlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/§_249_StGB_der_DDR

Betroffene haben heute Anspruch auf Haftentschädigung und Rehabilitierung:
https://www.personen-suche-ddr.de/allgemeines/rehabilitation-vom-§-249-stgb-der-ddr/

#5 - 17.10.2019, 10:39 von Robert Truss

Ich habe etwas neues gelernt.

Vielen Dank dafür.

#6 - 18.10.2019, 06:43 von Sebastian Michel

Romantische Verklärung

So schön und romantisch sich ein Vagabundenleben auch anhört - schlussendlich soll die Allgemeinheit für das Auskommen dieser Menschen aufkommen. Hier Arbeitsverweigerung als erstrebenswert darzustellen, halte ich für bedenklich. Wer nicht arbeiten will, muss halt entsprechend Vermögen aufbauen und irgendwann als Privatier leben (siehe Frugalisten, FIRe-Bewegung etc.). Dann liegt er niemandem auf der Tasche.

#7 - 18.10.2019, 15:56 von Dieter Hannemann

„Vaga 2020“ neuer Vagabunden-Kongress in Berlin

Leben wir um zu arbeiten und muss es unbedingt "Erwerbsarbeit" in Vollzeit sein? Ist nur die Arbeit am Fließband und der Job im Krankenhaus etwas wert, nicht aber das instand-setzen eines Schrottautos, das pflegen eines Angehörigen? Wenn selbst 50% der Lebensmittel vernichtet werden, KI, Automaten, Roboter immer mehr Jobs übernehmen, wie können dann immer noch Menschen der Meinung sein: Wer nicht arbeitet nimmt anderen etwas weg?
Es hat heute alles im totalen Überfluss und wir benötigen nur den Schlüssel zur gerechten Verteilung = das BGE ist dieser Schlüssel!
Es gibt bisher keinen Film über den Vagabunden-Kongress von 1929 in Stuttgart, oder über Gregor Gog, obwohl es heute mehr Obdachlose in Deutschland gibt als 1929 und es in Zukunft noch sehr viel mehr werden können!
"Mit dem „Vaga 2020“, so der Name des geplanten Kongresses, will er eine Austauschplattform für Menschen mit und ohne festen Wohnsitz bieten. Es soll, wie damals, um Freiheit und Selbstbestimmung gehen. Ansonsten ist die Form noch vage, nur der Tagungsort steht fest: „Definitiv unter freiem Himmel, vielleicht in der Hasenheide“" Auszug aus: https://taz.de/Vagabunden-Kongress/!5596738/