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Honeckers Leibwächter: Erichs treuer Schatten

Archiv Bernd Brückner Bernd Brückner war Bodyguard in der DDR, 13 Jahre lang wachte er über das Leben von Erich Honecker. Nun sind seine Erinnerungen erschienen. Eine seltene, aber distanzlose Nahaufnahme des Staatschefs.
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#1 - 09.05.2014, 12:33 von jochen speck

Der sonst sachliche Bericht wird konterkariert durch die Behauptung:

"Er hat nichts Unrechtes getan"! Honnecker stand an der Spitze eines Unrechtstaates und hat nichts Unrechtes getan ? Er war also nicht verantwortlich für viele Tausende unschuldig verurteilter DDR-Bürger,Erschossene Bürger,die nur das Land verlassen wollten ? Berufsverbote,Schulverbote,Unterdrückung der Pressefreiheit und jeglicher politischer Betätigung außerhalb der SED-Richtlinien usw.usw. Erst vor kurzem kam raus,daß Ulbricht eigenhändig Gefängnisurteile in Todesurteile umgewandelt hat !Was wird alles noch von Honnecker rauskommen ? Die Partei hat immer recht !Gewaltenteilung ?:Fehlanzeige ! Erziehung zum Hass:nachweisbar etc.etc.

#2 - 09.05.2014, 12:45 von Marcel Richter

Größer kann Hohn und Spott...

...für die, die unter der Regie Honeckers gelitten haben nicht ausfallen! "Ich konnte ihm nicht gram sein. Warum auch? Er hat nichts Unrechtes getan, er war lediglich gescheitert." So etwas nennt man wohl Verklärung der Vergangenheit. Traurig!

#3 - 09.05.2014, 13:08 von Alexander Brandl

optional

"Ich konnte ihm nicht gram sein. Warum auch? Er hat nichts Unrechtes getan, er war lediglich gescheitert."

Wirklich eine erschreckende Aussage. Bis heute offenbar NULL Unrechtsbewußtsein für die hunderten Mauertoten und all die anderen Repressalien die "Andersdenkende" in der DDR erfahren mussten.

Menschen die nur in Freiheit leben und eine eigene Meinung haben wollten, aber das war offenbar völlig in Ordnung und Rechtens sie deswegen zu verfolgen.

#4 - 09.05.2014, 13:14 von Thomas Keil

subjektive Wahrnehmung

Ich gebe zu, auch mir ist der letzte Satz sauer aufegstoßen: "Er hat nichts Unrechtes getan, er war lediglich gescheitert." Aber gut dass dieser Satz genauso im Artikel steht. Der Artikel zeigt die subjektive Wahrnehmung des Personenschützers. Der hatte offensichtlich ein gutes und zufriedenstellendes Leben in der DDR und hat Honnecker auf seine eigene Art wahrgenommen. Ich finde es gut auch solche Seiten zu Wort kommen zu lassen, denn sie sind Teil der gesamten Wahrheit über die DDR.

#5 - 09.05.2014, 13:48 von

Selbstverständlichkeiten

Dass ausgerechnet ein Personenschützer nichts Schlechtes über Erich Honecker zu berichten weiß, ist ja nun mehr als selbstverständlich. Wäre dem nicht so, hätte er diesen Beruf kaum ausüben können bzw. wollen. Oder die DDR hätte dann schon einige Jahre früher aufgehört zu existieren, wer weiß.

#6 - 09.05.2014, 14:03 von Frank Schönian

Natürlich hat Honecker Unrecht getan...

...auch ganz persönlich. Aber ich verstehe die Reaktionen hier überhaupt nicht. Warum hat man jedesmal, wenn mal jemand mit einer anderen Sichtweise zur DDR zu Wort kommt, den Eindruck in ein Wespennest zu stechen? In den letzten 25 Jahren wurde die DDR zu Recht und angemesser Weise eher im Sinne der (wirklichen!) Opfer aufgearbeitet. Die Mehrheit der DDR-Bürger waren aber weder Opfer noch Täter, sie haben sich einfach im bestehenden System eingerichtet. Ich denke, es wird Zeit, eben auch Leute mit einer anderen persönlichen Geschichte zu Wort kommen zu lassen, auch wenn man nicht deren Meinung ist. Sollte man mit diesem Bodyguard (der eben auch kein Täter war) einmal in eine Diskussion geraten, kann man dessen Argumente doch immer noch einfach entkräften und bringt wohl eher dessen Weltbild ins Wanken, oder? Ich stimme daher Herrn Keil zu und finde es ist gut, dass dies hier so wiedergegeben wurde. Letztlich wurde nur ein Buch vorgestellt und jeder kann entscheiden, ob es sich für ihn lohnt diese Lebensgeschichte zu kaufen...

mfg

#7 - 09.05.2014, 14:41 von Rainer Duffner

Er meinte es wohl etwas anders

So im Kontrast zu Hitler, der ja die grausamen Exekutionen der Stauffenberg-Gruppe persönlich angeordnet hatte.
Aber den Satz hätte sich Brückner wirklich sparen können.
Wer ganz an der Spitze steht, ist auch für alles verantwortlich.

#8 - 09.05.2014, 14:56 von Marcel Richter

@Frank Schönian

Die Tatsache, dass Herr Brückner qua Berufsstand eine enge Beziehung zu E.H. hatte und die, über die Zeit gewachsenen Sympathien lediglich einen subjektiven Blick auf die Rechtschaffenheit eines E.H. zulassen, dürfte für alle klar sein. Auch die Bedeutung seiner Meinung und seines Eindruckes über geschehene Dinge und erlebte Situationen sind für alle sicherlich interessant. Jedoch kann selbst die engste Beziehung zu einer Person nicht als Legitimation gelten, einen derart 'unkontrollierten Ausspruch' zu tätigen. Es sind nicht nur die 'wirklichen Opfer', Opfer von Repression oder gar Haft, die hier schlucken werden. Es sind alle die, die in diesem System leben mussten, ohne es zu wollen!

#9 - 09.05.2014, 16:36 von Siegfried Wittenburg

Realitätsverlust

"Intrigen, Eigennutz und schließlich Honeckers desolater Gesundheitszustand - Operation an der Gallenblase, Entdeckung eines Tumors am Dickdarm - führten im Sommer 1989 geradewegs in die Staatskrise." Auch diese Darstellung beruht auf einem Irrtum, der im Realitätsverlust des gesamten Staatsapparats und seiner Getreuen begründet ist.

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