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Irrwitzige DDR-Karriere: Der real existierende Millionär

Klaus Mehner/ Bundesstiftung Aufarbeitung Siegfried Kath lebte den amerikanischen Traum - in der DDR. Vom Kellner stieg er auf zum Handelsmillionär, residierte prunkvoll, fuhr teure West-Autos. Das Regime profitierte von seinem Geschäftssinn. Dann schlug es zu.
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#1 - 25.05.2018, 12:03 von Mustrum Ridcully

Warum sieht man auf den Bildern eigentlich immer nur einen Wartburg und keinen "Westwagen"?

#2 - 25.05.2018, 12:18 von Reinhard Kupke

Der war ja nicht der Einzige

Es gab mehrere solche Leute, welche mit ihrem Geschäft Devisen verdienten. Der Staat ließ die gewähren, solange sie nicht über die Stränge schlugen und schön unauffällig blieben. Falls das nicht mehr gegeben war, schlug die Hand des Gesetzes zu. Da war der sattsam bekannte VEB Antikhandel Pirna, an welchem Herr Klath beteiligt war. Die verwendeten ein besonders perfides Geschäftsmodell. Zuerst wurden in der DDR Preise für Antiquitäten künstlich in die Höhe getrieben. Das ging leicht, weil ja die Preise einfach festgelegt werden konnten. Jetzt stelle man sich vor, man habe schöne Dinge geerbt, z.B. alte Möbel. Da konnte es leicht geschehen, dass man einen Schrank besaß, der plötzlich mit 100.000,00 DDR-Mark bewertet wurde. Wenn man das dem Aufkäufer vom Antikhandel oder einer anderen einschlägig bekannten Firma aus Leipzig zeigte, dann konnte es geschehen, dass die erklärten, dass man bei so wertvollem Besitz ja Vermögenssteuer hätte bezahlen müssen. Das hatte natürlich keiner getan. Deshalb kam dann die Alternative, entweder Verkauf für einen Apfel und ein Ei oder Anzeige, Enteignung, Anklage wegen Steuerhinterziehung und Verurteilung. Der Chef der bekannten Leipziger Firma stand dann auch selbst vor dem Kadi. Der hatte in seiner Außenwirkung auch übertrieben. Hier gab es auch einen großen Briefmarkenhändler, welcher auch Devisen verdiente. Auch so mit Aufkauf von Massenware, gern zum Kilopreis, und ganzen Sammlungen. Von dem hat man allerdings nie gehört, dass er seine Kunden hier betrogen hätte. Die aufgekaufte Marken wurden dann im Westen verkauft und brachten Devisen. Der Mann wurde für die Oberen nicht mehr tragbar, als eine Bezirksklassemannschaft im Fussball plötzlich mit von ihm gesponserten Trikots von Puma auflief. Das Prinzip war eben: Westgeld gerne in jeder Menge, aber bitte leise und unauffällig.

#3 - 25.05.2018, 14:21 von Lars Mach

(Einkommens-)Millionäre in der DDR - gab es einige

Meist waren es Künstler, die in der DDR Millionäre oder sogar Einkommensmillionäre wurden. Der realexistierende Sozialismus hatte sich außerdem auf die Verstaatlichung großer Betriebe und Konzerne konzentriert; Kleinunternehmer und kleine Betriebe waren nicht auf dem Schirm.

#4 - 25.05.2018, 15:10 von Reinhard Kupke

Zu 3 (Einkommens-)Millionäre

Sehr geehrter Herr Mach, zu den Künstlern kann ich nichts sagen, aber was die Verstaatlichung, also Enteignung, angeht, liegen Sie völlig falsch. In der DDR wurden Privatbetriebe bis herunter zu ca. 8 Angestellten zu tausenden enteignet und zu "Volkseigentum" gemacht. Ich glaube nicht, dass diese zur Sparte "große Betriebe und Konzerne" gehörten.

#5 - 25.05.2018, 16:02 von Andreas Großmann

Sirgfried Kath

Was hat der VEB ANTIKHANDEL PIRNA mit diesem Beitrag gemein?

#6 - 25.05.2018, 18:13 von Lothar Krause

Zu 4.

Ganz so war es nicht, aber heute ist das auch egal, wen interessiert das noch.
Ich hatte 1972 in einer solchen Klitsche angefangen zu arbeiten. War vorher eine KG, dem ehemaligen Eigentümer wurden seine Anteile abgekauft. Er wurde Direktor dieses nunmehr volkseigenen Betriebes. Erst nach seinem Weggang erholte sich die Firma mit neuer Leitung.

#7 - 26.05.2018, 07:32 von Jan Froe

Es ist schwer nachvollziehbar, wieso der Herr als eine Art Held beschrieben wird. Er hat die besonderen Verhältnisse zwischen den beiden deutschen Staaten und die vom Regime gewährten Privilegien zum eigenen und zum Vorteil der Behörden ausgenutzt. Auf der Strecke blieb der Normalbürger, der nicht die Möglichkeit hatte, seine Wertgegenstände zu einem adäquaten Preis in den Westen zu verkaufen.

#8 - 28.05.2018, 21:08 von Siegfried Wittenburg

Heldenepos

Jetzt frage ich mich, wann endlich in den Beiträgen zur deutschen Geschichte Schalck-Golodkowski, Erich Mielke, Al Capone und Erich Honecker als Helden beschrieben werden? Ich meine, dieser "Held" hat ahnungslose Menschen wenigstens zeitweise mit staatlichem Segen nach Strich und Faden ausgenommen. In einem Rechtsstaat wäre das vorsätzlicher Betrug und wird mit bei einer solchen Dimension mit Gefängnisstrafe belegt. Weiß der Autor überhaupt, was er schreibt?

#9 - 03.06.2018, 14:48 von A. Malliki

Staatskapitalismus ist eben auch nur Kapitalismus

Noch heute - über 20 Jahre nach dem "Mauerfall" - fällt es ganz offensichtlich den meisten schwer zu akzeptieren, dass der praktizierte Kommunismus auch nur ein Staatskapitalismus ist. Die Unterschiede zum gefühlten Sieger in dieser Schlacht - der "Westen" - sind verschwindend gering aber brisant im Detail.

Der Staatskapitalismus kannte keine Wohnungsnot noch überzogene Mieten für den Staatsbürger. Sanktionen gegen nicht vermittelbare Arbeitslose gibt es auch bei uns. Wer hier nicht kuscht muss auf der Straße leben, in der DDR wurde er im Gefängnis untergebracht.

In der DDR warte man 10 Jahre auf einen Trabi; im Westen muss 20 Jahre auf ein Auto gespart werden, wenn man es denn bar kaufen will - außer man nimmt einen Kredit auf oder least die ganze Geschichte. Dagegen gab es in der DDR keine Privatinsolvenz.

Was nützen schön dekorierte Schaufenster mit Zugang für alle, wenn man es sich doch nicht leisten kann. In der DDR gab es eben "Westkaufhäuser", da kam nur der rein, der die Preise auch zahlen konnte.

Ein Blick in unsere Einkaufsstraßen erinnern an den so verhasste Sozialismus. Überall dieselben Kaufhäuser. Ohne Marx hätte der Kapitalismus - so wie wir ihn heute kennen - gar nicht überlebt. Die Monopolbildung ist noch nicht abgeschlossen - aber bald. Dennoch wird der Durchschnittsbürger ihn als Freiheit im Konsum empfinden, weil es die öffentlich vertretene Meinung ist ohne eigenständiges Überdenken der Situation.

Ziel des heutigen Kapitalismus: Die Staatsmacht zu erreichen. Ist ihm bereits gelungen. Wir leben im privatisierten Staatskapitalismus. Demokratische Regierungen treffen ihre Entscheidungen nach dem Außenmass der als "reich" deklarierten Persönlichkeiten ohne Rücksicht auf die Masse.

Sie residieren in Villen, abgeschirmt von der Allgemeinheit, die ihnen ihren Reichtum sichert, erhält und per Not sogar mit Krieg gegen Übergriffe verteidigt = Armee.

Wie bereits erwähnt, wir leben die der "DDR" und sind genauso verblendet wie die damalige Masse, die stillhielt und ertrug. Leider haben wir heute keine Möglichkeit mehr uns mit etwas Größerem zu vereinigen - außer eben die EU - die von sich behauptet demokratisch zu sein.