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#1 - 07.10.2012, 13:06 von Volker Altmann

Es ist Ost wie West das gleiche Phänomen. Die Berliner ? und sonderbarerweise auch die Landflüchtigen, die die Berliner Insel der Glückseligen zu Ihrer neuen Heimat gemacht haben - hielten sich schon immer für den Nabel der Welt. Schmähungen über die Restrepublik ? ob DDR oder BRD - gehörten schon immer zum guten Ton. Vielleicht liegt darin auch die geradezu legendäre ?Freundlichkeit? der Berliner begründet?

?In den wilden Tagen der Straßenschlachten Anfang der achtziger Jahre, unter dem Motto "Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran", tat sich eine Ethnie hervor, die bis heute bei eingeborenen oder altgedienten Berlinern nicht wirklich beliebt ist: die Schwaben, unterstützt von Bayern.?
Dies gilt offenbar nicht für den Autor selbst. Wie war das mit der Flucht vor dem Kreiswehrersatzamt München? Soll man das jetzt als gelungene Integration sehen (?Ich bin ein 'altgedienter' Berliner?) oder schlicht und ergreifend als ein Verleugnen der eigenen Wurzeln?

#2 - 09.10.2012, 17:40 von Siegfried Wittenburg

Ach, Herr Altmann,

bitte die Präsent-20-Hose nicht so exakt bügeln. Jede Generation hat ihre Aufgabe. Mir ist dieses Über die Stränge schlagen lieber als sich brav irgendwelchen Feldwebeln unterzuordnen und ohne nachzudenken die Waffe gegen den bösen Osten zu richten. Im Osten gab es auch welche, die sich verweigert haben.

Was wäre heute, wenn sich diese Jugen nicht in ihrer Zeit für den Nabel der Welt gehalten hätte?

"Aus stickigen Kleinstädten voll selbstgerechter Süddeutscher nach Berlin entkommen, schlugen sie erst einmal furchtbar über die Stränge - bis sie, oft schneller als alle anderen, wieder die Kurve kratzten und bürgerliche Karrieren einschlugen."

Völlig in Ordnung. Man nennt es auch Pubertät.

#3 - 10.10.2012, 09:30 von Hartmut Wolf

Was heißt "Berlin"? Das war zu der Zeit z. B. in Frankfurt auch nicht anders. Und außerdem gab und gibt es keine "Wehrdienstverweigerer". Die offizielle und korrekte Bezeichnung ist Kriegsdienstverweigerer, was der Sache und den Menschen auch gerecht wurde/wird. Leider habe auch ich vermehrt den Eindruck, dass bei SPON immer mehr Leute mit dürftigem Allgemeinwissen schreibseln.

#4 - 10.10.2012, 12:20 von Olaf Nyksund

Die Frage, die mir damals niemand beantworten konnte (wollte?) und die daher bis heute offen bleibt, lautet:

Warum sind diese Menschen nicht in den Osten der Stadt gegangen, um dort ein neues Leben nach den Prinzipien zu beginnen, die sie so liebten?

Gerade in den 1980er?

#5 - 10.10.2012, 13:36 von Volker Altmann

Herr Wittenburg, offenbar haben Sie meinen Kommentar nicht richtig erfasst.

Ich habe mich niemals gegen die 68er-Bewegung ausgesprochen. Und was das Recht der Jugend betrifft, auf der Suche nach neuen Wegen auch mal über die Stränge zu schlagen, rennen Sie bei mir offene Türen ein. Ich war der Meinung, dass meine Haltung hierzu, schon an anderer Stelle sehr deutlich gemacht wurde in meinen Kommentaren.

Mein Kommentar hier galt dem Verhältnis von Berlin zur Restrepublik im Allgemeinen - zu allen Zeiten.


Herr Nyksund,

viele Kritiker haben damals den Protest gegen das Wettrüsten gerne mit der Empfehlung versehen ?Geh doch nach drüben?. Aber zum Einen gilt hier der Spruch ?Hierbleiben, Widerstehen? und zum Anderen galt die DDR für die meisten Protestler keineswegs als Musterstaat. Sich für die Friedensbewegung einzusetzen oder von einer gerechteren Gesellschaftsform zu träumen, hieß für die große Masse niemals, dass man staatliche Repression, Abschaffung der Meinungsfreiheit, Kerkerhaft aus politischen Gründen oder den Schießbefehl für hinnehmbar hielt.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage hiermit ausreichend beantworten.

#6 - 10.10.2012, 13:36 von Siegfried Wittenburg

"Warum sind diese Menschen nicht in den Osten der Stadt gegangen, um dort ein neues Leben nach den Prinzipien zu beginnen, die sie so liebten?"

Na, weil ohne Mama und Papa Pubertät eben doof ist.

#7 - 10.10.2012, 14:01 von Siegfried Wittenburg

"Mein Kommentar hier galt dem Verhältnis von Berlin zur Restrepublik im Allgemeinen - zu allen Zeiten."

Welche Restrepublik, Herr Altmann?

#8 - 10.10.2012, 14:49 von Siegfried Wittenburg

"Die Berliner ... hielten sich schon immer für den Nabel der Welt."

Genau! Auch John F. Kennedy sagte: "Ich bin ein Berliner!"

Was mich daran stört, lieber Herr Altmann, ist dieses Alleübereinenkammscheren. Ansonsten stimme ich Ihnen zu: Berlin ist anders als München. "Mir san mir" und der Rest sind Saupreußen. :-)

#9 - 10.10.2012, 15:34 von Volker Altmann

?Was mich daran stört, lieber Herr Altmann, ist dieses Alleübereinenkammscheren. ?

Damit kann ich in diesem speziellen Fall leben, lieber Herr Wittenburg. Ich sage nicht, dass jeder Berliner gleich ist ? aber Berlin hat sich diesen Ruf der Überheblichkeit nicht umsonst eingehandelt. In Ost wie West.

Ihre Kritik verwundert mich doch sehr: ?Alleübereinenkammscheren?.
Was bitte ist das dann?: ?Na, weil ohne Mama und Papa Pubertät eben doof ist.?
Bitte nicht mit Steinen werfen, wenn Sie im Glashaus sitzen.

?Welche Restrepublik, Herr Altmann??
Es gab Ostberlin und die restliche DDR. Es gab Westberlin und die restliche BRD. Schon vergessen?

#10 - 10.10.2012, 16:44 von Siegfried Wittenburg

In Polen ist es Warschau, in Frankreich Paris usw. Hauptstädte sind nun einmal Schmelztiegel und den "Provinzbewohnern" ohnehin suspekt.

Was zwischen 1968 und 1989 in Deutschland, Ost wie West, stattgefunden hat, kann ich als "gesellschaftliche Pubertät" bezeichnen. Sie richtete sich zunächst gegen den vorhandenen Mief aus dem Kaiserreich und was danach alles so kam. Dieser Mief war in beiden Teilen Deutschlands vorhanden.

Wer Kinder hat, weiß, dass diese in der Phase zum Erwachsensein zunächst "dagegen" sind. Das "dafür" entwickelt sich erst. Durch Reibung. Und es hilft nichts, wenn sie einfach nur die Eltern wechseln.

Übrigens: Die Mehrheit der Rebellen in der DDR in den 80er Jahren waren Jugendliche.

Was die Restrepubliken betrifft, so waren sie zwar politisch getrennt, doch durch Fernsehen, Radio, Westbesuch, Interzonenzug, Intershop, Pakete, Briefe usw. trotz allem recht eng verbunden.

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