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Kinderbuchautorin Enid Blyton: Heile Welt, tiefe Abgründe

Getty Images/ George Konig Millionen Kinder lieben die Abenteuer in "Fünf Freunde" oder "Hanni und Nanni". Wer war die sagenhaft erfolgreiche Enid Blyton wirklich - teilzeitverrückte Mutter oder Heile-Welt-Schreibautomat?
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#1 - 28.11.2018, 11:59 von Thomas Seeling

Deutsche Bücher

Interessant finde ich ja auch, dass es auf Deutsch wesentlich mehr "Hanni und Nanni" gibt als auf Englisch. Über die Urheberschaft der deutschen Bücher kann man kaum etwas herausfinden. Generell ist das Menschenbild aller ihrer Bücher sehr primitiv und archetypisch, um nicht zu sagen rassistisch - nach heutigem Maßstab.

#2 - 28.11.2018, 13:15 von Harald Kipke

Trotzdem...

..habe ich Ihre Bücher geliebt. Und sie hat dafür gesorgt, dass viele Kinder meiner Generation ihre Freude am Lesen entdeckten, wenngleich diese Art von Geschichten sich für die spätere Deutschnote eher nachteilig auswirkten. Es gab immer die Karl May und die Enid Blyton Fraktion. Aber es war eine schöne und unrealistische Welt; in ihr durfte man noch länger Kind bleiben.

#3 - 28.11.2018, 13:15 von Susanne Zenner

Nun ja....

Wenn die fünf Freunde schon 1942 veröffentlicht wurden und dann in den Fünzigerjahren, braucht man sich über Sexismus oder Rassismus nicht zu wundern - der war gang und gäbe. Und George, der Tomboy, ist für diese Zeit schon relativ fortschrittlich. Dass die Bücher schon älter sind, habe ich aber nicht an den Vorurteilen gemerkt, sondern an der ausführlichen Schilderung des Nahrungsaufnahme. Mitternachtsfeste auf Lindenhof, bei denen so viel gegessen wird, das man platzt etc, das waren vermutlich die Wunschträume der hungernden Kriegs- und Nachkriegskinder. Aus der heutigen Sicht finde ich die Darstellung von Mobbing, um Einzelgänger, Individualisten und Sport-Hasser wieder "auf Linie" zu bringen, noch fragwürdiger. Das entspricht aber wohl englischem Internatsvorstellungen.
Besonders Hanni und Nanni , aber ach Dolly wurden ja sehr eingedeutscht, auch von den Namen her. Ich habe tatsächlich zwei Freundinnen, die nur auf Grund dieser Schilderungen, umbedingt in ein Internat wollten.

#4 - 28.11.2018, 14:45 von Irina Bruns

Enid Blyton

Es ist mir relativ egal, ob Enid Blyton ein skuriles Leben geführt hat, wenngleich mir ihre Kinder leid tun müssen, die offenbar eine schwierige Kindheit hatten. Wenn man Enid Blyton als Kinderbuchautoren ablehnen müsste, müsste man auch die höchst unterhaltsamen viktorianischen Romane von Anne Perry, die als Jugendliche immerhin an einem Mord beteiligt war, ignorieren. Ich sehe keinen Grund dazu, die Werke dieser Autorinnen wegen ihrer unerfreulichen Lebensumstände abzulehnen. Und von Bukowski müsste man dann wohl auch nicht weiter reden.
Enid Blytons Bücher haben meine Kindheit genauso positiv beeinflusst, wie die Bücher von Astrid Lindgren. Am liebsten mochte ich die Geheimnis-Bücher, die mir vom Alter der Kinder am nächsten waren, als ich in der ersten Klasse das Lesen entdeckte. Dort gab es neben stereotypen Figuren auch integrative, wie zum Beispiel den Aussenseiter "Dickie", den man sich auch als Mädchen zum Vorbild nehmen konnte und an dem man lernte, jemanden nicht nur nach dem ersten Eindruck zu beurteilen. In den folgenden Jahren war ich immer auf der Suche nach geheimnisvollen Ecken, Geschichten und suchte mir auf der kleinen dänischen Insel, auf der wir jedes Jahr unsere Ferien verbrachten, "Höhlen", zu denen die Erwachsenen nicht vordringen konnten. Dort sass ich an der Klippe am Meer und las, was das Zeug hielt. Mit 13 warfen sie mich aus der Berlin Schmargendorfer Kinderbücherei hinaus und schoben mich in die Erwachsenenbücherei ab, weil es so gut wie kein Buch mehr gab, das ich nicht mehrfach gelesen hatte. Dies war maßgeblich Blyton und Lindgren zu verdanken. Ja, die Figuren bei Blyton waren teilweise veraltet, aber das war nicht so schlimm, da meine Mutter mir erklärt hatte, dass die Bücher eben aus einer älteren Zeit stammten. Im Gegenteil gab es immer wieder Mädchenfiguren, die gegen die ihnen von den Jungs auferlegten Einschränkungen aufbegehrten und die ich mir zum Vorbild nahm. Es gab aber auch viele interessante Einblicke in die Welt der 30er und 40er Jahre, als man Limonade noch selbst machte und nicht in jedem Haushalt ein Fernseher stand. Ich lernte Tricks, wie das Durchpausen von Schrift, Geheimtinte, das Öffnen verschlossener Türen und traute mich, in das Ferienhaus meiner Eltern durch das Fenster "einzubrechen", als diese zum Einkaufen gefahren waren. Ich lernte, Lücken in der Erwachsenenwelt für mich zu nutzen und unbequeme Fragen zu stellen.
Auch meinen eigenen Kindern gab ich diese Bücher (wohlgemerkt in der alten, nicht der überarbeiteten todöden Übersetzung) zum Lesen und hatte dabei den Erfolg, dass meine jüngere Tochter, die sich mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche rumplagt, so begeistert davon war, dass sie sich durchbiss und danach dann direkt zu Pratchett wechselte, was ja immerhin ein ordentlicher Sprung ist. Nein, es sind schöne kleine Geschichten, die eine für Kinder im Grundschulalter überschaubare Welt beinhalten, sie aber gleichzeitig ermutigen, ihre Welt auszudehnen. Man muss sie halt in den richtigen Kontext betten und als Eltern begleiten. Aber das muss man sowieso.

#5 - 28.11.2018, 14:56 von Moritz Bonn

Warum versucht man immer

versucht man immer krampfhaft etwas negative aus dem historischen Kontext herausgelöst bei Persönlichkeiten zu suchen. Es ist doch klar, dass die Bücher vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit geschrieben wurden. Außerdem ist doch Blyton selbst ein Bsp. dafür, dass Frauen auch vor schwierigsten Hintergründen erfolgreich arbeiten können. Sie war sicherlich ein Naturtalent darin, sich Geschichten für Kinder auszudenken und hat wie ein Workoholic gearbeitet. Man muss jetzt auch nicht unbedingt gerade von ihr erwarten, dass sie trotz ihres Schaffens noch eine herausragende Mutter sein würde. Welche in den 20er oder 30er Jahren geborene Tochter behauptet schon, eine wahnsinnig liebevolle Mutter gehabt zu haben?

#6 - 28.11.2018, 15:35 von Peter Kropff

Eine Kindheit ohne Enid Blyton kann ich mir nicht vorstellen. Von den Fünf Freunden hatte ich alle Bücher. Wirklich alle!

#7 - 28.11.2018, 17:43 von Katja Kondziella

@Moritz Bonn Nr.5

sehe ich ganz genauso. offenbar war die Autorin eine emanzipierte Frau, die ihr Talent in Geld umwandelte. Besser einen Ehemann "vergessen" als ihm lebenslang hinterhertrauern. Ich versteh den negativen Unterton des Artikels nicht.

#8 - 04.12.2018, 12:15 von Dieter Janssen

Geheimnis am Holunderweg, Geheimnis um eine giftige Feder.......

Ich habe sie alle verschlungen. Dieses immer wieder vorkommende nachträgliche Niedermachen der Produzenten von Kunst oder Kitsch - wie auch immer, ist völlig daneben. Wir hören auch heute noch gern Jimmy Hendrix, auch wenn jener sich dauernd mit Kokain vollpumpte. Manche sagten sogar, dass er anders wohl kaum zu dieser Musik gekommen wäre. Das Ergebnis ist entscheidend. Die Kinder, die diese Bücher verschlungen haben interessierten sich nicht für den Schreiber. Sie hatten an der Story ein Interesse. Und: Wäre diese Frau absolut kinderlieb und eine treusorgende Ehefrau gewesen, gäbe es nicht einmal diesen Artikel. Denn, es ist ja nur dann alles hochinteressant, wenn es konträr erscheint - das ist dann allemal ein Artikel wert. Vielleicht sollte man dann auch über denjenigen oder diejenigen schreiben, die über andere Schriftsteller schreiben? Da gäbe es vielleicht auch wieder etwas zu entdecken. Eventuell viele Fehlversuche und dann der Wechsel auf die andere Seite: Man wird einfach Kritiker. So einfach ist es. Mir haben die Geheimnis-Bücher viel geholfen. Ich wurde einfallsreicher, achtete mehr auf Dinge, die sonst unentdeckt blieben und war sehr motiviert erfolgreich zu sein.