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Ruanda vor 25 Jahren: Der angekündigte Völkermord

ABDELHAK SENNA/ AFP Es war Afrikas Alptraum: 1994 ermordeten Hutu-Milizen binnen hundert Tagen 800.000 Menschen, vor allem aus der Tutsi-Minderheit. Verzweifelte Warnungen eines Uno-Generals verhallten. Hätte das Massaker verhindert werden können?
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#1 - 04.04.2019, 15:34 von Peter Herrmann

Soweit ich weiß ist die Bezeichnung der Hutu und Tutsi als "Stämme", "Völker" oder "Ethnien" eine Erfindung der Kolonialzeit um die Bevölkerungsstruktur an die von Rassenlehre beeinflusste Weltsicht anzupassen.
Man kann davon ausgehen, dass die Einteilung vor allem nach Klassen oder Kasten entstanden ist, vor allem Viehbesitz machte einen Menschen zum Tutsi, man konnte also (nicht leicht, aber möglich) zwischen den Klassen wechseln, ähnlich wie im feudalen Europa, wo vererbbarer Landbesitz der Schritt zum Adel war und dann in der Familie blieb, samt der Klassenzugehörigkeit.
Erst die Europäer haben die Idee etabliert, dass die beiden Gruppen genetisch unterschiedlich wären, samt der Hypothese von einer Einwanderung und Unterwerfung. Dafür gibt es keine ausreichenden Belege.
Von daher ist es das Einzig richtige die Begriffe aus dem Leben zu tilgen und nicht mehr zwischen Ruandern zu unterscheiden und die Schuld jedem Täter persönlich zuzuschreiben, als ruandischer Mörder, nicht als Soldaten in einem Stammeskrieg.

#2 - 04.04.2019, 15:44 von Bastian Wetter

Und wieder ist ein "Held" unter den Namen, die beim Genozid eine wichtige Rolle spielten: Kofi Annan
Ohne Konsequnzen und bußen. Wie immer.

#3 - 04.04.2019, 15:46 von Hawe Müller

Das wirft kein gutes Licht auf Kofi Annan,

dennoch ist Ruanda das Modell gegen Migration und Flucht. Wie sollten von dem Land lernen.

#4 - 04.04.2019, 15:46 von Martin Beckert

Un

wer sich auf die UN verlässt ist verlassen. UN Soldaten haben weder in Srebrenica noch in Ruanda den Massenmord verhindert. Eine Organisation die sich nicht traut robust einzugreifen und von allen Beteiligten blockiert wird ist wertlos.

#5 - 04.04.2019, 15:55 von Siegfried Bernhard

Auch wir sind schuldig!

Jedem, der sich einen Eindruck verschaffen will, lege ich den Film "Hotel Ruanda" ans Herz. Selbst die filmische Aufbereitung läßt erschaudern. Für mich bedeutete dieser Völkermord auch das Ende der Mitgliedschaft in einer Partei, die Bundeswehreinsätze im Ausland prinzipiell ablehnte. Ja, das gab es wirklich. Und obwohl auch heute noch ein Gegner von Auslandseinsätzen, vertrete ich immer noch die Meinung, im Falle eines Völkermords (der allerdings nicht auf einem "Hufeisenplan" beruht) ist die Weltgemeinschaft verpflichtet, mit einem rubusten Mandat einzugreifen. Nur, und das meine Kritik seit Ruanda. In ALLEN Konflikten seither ist der Westen in Form der NATO, auch wenn man das als "Koalition unter Führung der USA" titelt, IMMER auf einer Seite der Konfliktparteien, NIE als neutraler Akteur dazwichen eingeschritten. DAS der Urfehler aller Interventionen. Hätte der Westen Russland in Libyen vor der UNO nicht so über den Tisch gezogen, wären viele Friedensmissionen unter UNO-Mandat heute die Normalität. War es nicht AM Westerwelle, der damals schon vorausahnend die Teilnahme in Libyen duch Enthaltung abblockte?

#6 - 04.04.2019, 15:57 von Gottfried Jung

Versagen der UN

Auch wenn die USA eine entscheidende Rolle bei der unterlassenen Hilfeleistung der UNO spielten (nach ihrem Desaster in Somalia, wollten sie in keinen neuen Krieg verwickelt werden), gibt Dallaire vor allem Kofi Annan, dem damaligen UN-Verantwortlichen für Peace Keeping Missions (DPKO), eine Mitschuld (Artikel vom 3. Mai 1998 in The New Yorker). So habe dieser die wiederholten Hilfsersuche und Berichte aus Ruanda über den bevorstehenden Völkermord zurückgehalten und nicht an den UN-Sicherheitsrat weitergeleitet. Die USA haben Kofi Annan dies Verhalten später mit dem Generalsekretariat der UN belohnt. Der Völkermord in Ruanda war zeitgleich mit dem Versagen der UN im Bosnienkrieg, was den Völkermord an bosnischen Muslimen in Srebrenica ein Jahr später erst möglich gemacht hat.
2006 wurde auf der Basis dieser Erfahrungen im UN-Sicherheitsrat die Resolution „Responsibility to Protect“, verabschiedet, die Zivilgesellschaften vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schützen sollte. Militärische Mittel wurden als letztes Mittel eingeschlossen.
In Syrien wurde die Anwendung dieser Resolution, die auch als "Humanitäre Intervention" bezeichnet werden kann, durch die Vetomächte Russland und China blockiert.

#7 - 04.04.2019, 18:36 von Olha Metluk

Humans of New York

Wer sich mehr dafür interessiert, im Blog Humans of New York wurden die Überlebenden aus beiden Seiten interviewed. Sehr lehrreiches Lektüre, finde ich.

#8 - 04.04.2019, 19:09 von Martin R. Schmid

Burundi auch

Wie immer wenn über diesen schrecklichen Genozid berichtet wird bleibt völlig ausenvor das der Konflikt auch im Nachbarland Burundi ausgetragen wurde. Mit einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur war das Morden dort fast so schlimm wie in Ruanda. Leider ist Burundi heute noch mit das ärmste Land Afrikas wohl auch weil es keine mediale Aufmerksamkeit bekommt.

#9 - 04.04.2019, 19:31 von Dirk Breidenbach

Ich kann mich noch gut erinnern

Es war ein Gottesdienst am 1. Weihnachtstag 1994. Es war mein erster Gottesdienst im Vikariat. In der Gemeinde dort gab es den Punkt "Informationen aus der Ökumene". Dazu hatten wir eine Informationssammlung der Evangelischen Kirche im Rheinland, aus der wir Informationen aussuchen konnten.
Ich habe damals die Information über den Genozid mit 500.000 Toten in Ruanda gewählt. Voll Entsetzen, davon das erste Mal überhaupt gehört bzw. gelesen zu haben.
Im Nachhinein stellte sich ja heraus, dass die Zahl der Toten in Ruanda und Burundi noch wesentlich höher war. Es erschreckt mich immer noch, wie ein solch unfassbares Geschehen damals unter den Augen der Weltöffentlichkeit ohne jede Reaktion derselben stattfinden konnte. Aber es war ja nur Afrika...

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