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Zeitzeugen der Nachkriegszeit: Englisch für eine Flasche Milch

privat Ihre Schüler zahlen in Naturalien: Nach Kriegsende verschlägt es Erna Elisabeth Nordmann aufs platte Land, wo sie Bauern die Sprache der Besatzer lehrt. Ihr Sohn Harald bekämpft die Not mit Winnetou.
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#1 - 25.02.2018, 16:11 von dc s

Das Résumé ist leider nicht von der Hand zu weisen. Solche Erinnerungen sind wertvoll, dass sie verloren werden gehen dürfen. Jeder könnte ein Flüchtling sein. Not hat viele Gesichter und macht keinen Unterschied nach Bildung, Rasse oder Herkunft. Die Präsenz bestimmter politischer Kräfte im Bundestag schmerzt zwar, aber das Todschweigen dieser Gedanken ist auch nicht Hilfreich.
Es gibt Menschen, die die Geschichte nicht kennen oder nicht kennen wollen, damit müssen wir leben. Die Aufgabe der sozialen, freiheitlichen und demokratischen Menschen ist es, geschichtliche, politische und philosophische Bildung auf breiter Front zu vermittelten und das Bewusstsein für die eigene Verantwortung immer wieder zu stärken.
Wenn das in den Schulen nicht gelingt, ist kein Platzt für moderne Fächervorschläge wie 'Wirtschaft' oder sonstiges. Zur Allgemeinbildung gehören die Fähigkeiten unsere Demokratie zu erhalten noch vor den Wünschen der Wirtschaft und Industrie. Deren weitreichende Ideen gehören zur Berufsausbildung. Dabei haben sie über die Kammern auch genügend Einfluss. Dem humboldschen Bildungsideal, das uns über hundert Jahre gute Dienste geleistet hat, ist in den letzten Dekaden schon genug Gewalt angetan worden. Eine Rückbesinnung darauf wäre an der Zeit. Da wäre auch noch genug Raum für patriotischen Stolz., ohne dass es gleich nationalistisch wirkt.

#2 - 25.02.2018, 17:24 von Thomas Dunskus

Ja so war's etwa

Der Text von Herrn Nordmann schildert die Verhältnisse in den ersten Nachkriegsjahren sehr anschaulich und richtig, nur in einem Punkt muss ich ihm widersprechen. Herr Nordmann sagt: "In der Nazizeit war es verdächtig gewesen, sich für die Sprache des Feindes zu interessieren." Das kann ich in keiner Weise bestätigen. Ich bin einen Tag älter als das Dritte Reich, mithin auch ein paar Jahre älter als Herr Nordmann, 1942 sollte ich in Berlin in die höhere Schule kommen und, weil meine Eltern als alte SPD-Leute die Dinge nicht so sahen wie die Hitler-Regierung, hatten sie dafür das Französische Gymnasium ausgesucht, in der berechtigten Hoffnung, dass sich dort die NS-Politik weniger stark auswirken würde als an den normalen Oberschulen, die Englisch als erste Fremdsprache von der Sexta an lehrten.

In meinem Fall ging es also mit Französisch los, acht Wochenstunden, und weil die Lehrer zumeist beim Militär waren, hatte das FG eine gebürtige Französin ausfindig gemacht, Mme. Berger-Gury, die sich dafür sehr gut eignete - mais qu'est-ce qu'elle nous a fait baver… So hatten wir am Ende der Sexta alle regelmäßigen Verben intus, und etliche unregelmäßige noch dazu.

Vom Sommer 1941 an hatten die Bombenangriffe auf Deutschland erstaunlicherweise nachgelassen, sie setzten im Sommer 1943 aber wieder verstärkt ein und die Schulen wurden aus den Großstädten aufs Land verlegt, so auch das FG. Meine Eltern schickten mich jedoch nach Schlesien zu meiner Großmutter, die 50 km östlich von Breslau lebte und ich kam auf die nahegelegene Oberschule in Öls. Dort war aber Englisch die erste Fremdsprache und ich musste ein Jahr Englisch nachholen. Mit Unterstützung durch die Schule fanden wir auch eine Privatlehrerin, Frau Nietert, und ich konnte dann auch bald normal am Unterricht teilnehmen.

So muss ich in diesem Punkt Herrn Nordmann entschieden widersprechen - der Schuldirektor war Mitglied der NSDAP, der Englischlehrer, Herr Kunze, auch, aber dass Englisch "die Sprache des Feindes war" war dabei nie ein Problem.

#3 - 26.02.2018, 08:58 von Carsten Schmitz

Falsche Beschreibungen - zweites Bild

Im zweiten Bilder Gallerie sind die Beschriftungen der beiden Bilder vertauscht.
Die 'Emergence Ration ' stammt übrigens nicht von US-Truppen, sonden von der Britischen Armee - siehe https://www.youtube.com/watch?v=yEAwZ2uiq54