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Zeitzeugen des Hungerwinters 1946/47: "Die Moral geht zum Teufel"

ullstein bild Abfall essen, betteln, "fringsen" - im Extremwinter vor 70 Jahren sterben mehrere hunderttausend Deutsche durch Hunger oder Kälte. Fünf Zeitzeugen erzählen von arktischer Kälte, Diebestouren und Madensuppe.
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#1 - 20.02.2017, 10:45 von Dirk Oetzmann

Ob

der Vergleich mit einem doppelten Hamburger Royal jetzt so passend ist, weiß ich nicht. Der Satz der Viertklässlerin ist jedenfalls ein Schlag in die Magengrube.

#2 - 20.02.2017, 10:53 von Richard Kotlarski

Auch heute hungern Menschen

Ohne die Hilfe damals vor allem der Amerikaner, hätten noch weit weniger Deutsche überlebt. Und das, obwohl wir im Krieg ihre Gegner waren. Daran sollten wir heute denken, wenn wir Menschen in Not unterstützen.

#3 - 20.02.2017, 10:55 von Stefan Jäger

Wahnsinn

"1936 hatte der durchschnittliche Kalorienverbrauch in Deutschland noch 3113 Kalorien pro Tag betragen. Ende 1946 lag die vorgesehene Tagesration für erwachsene Normalverbraucher bei lediglich 1550 Kalorien."
Wenn man bedenkt, dass eine Banane schon ca. 115.000 Kalorien hat, also 115 kcal, müssen die Menschen im III. Reich schlimmer gelebt habe als im hungersnotgeplagten Afrika. Man will den Journalisten ja nicht unterstellen, dass sie zu dusselig sind Kilokalorien von Kalorien zu unterscheiden. :-)

#4 - 20.02.2017, 11:12 von Michael Schnickers

Moral

Was vollkommen in diesem ansonsten sehr guten Artikel fehlt, sind die vielen deutschen "Frauleins", die dank eines Techtelmechtels an gutes Geld und Lebensmittel kamen. Davon lebten oft ganze Familien. Die Männer waren an der Front geblieben oder noch in Kriegsgefangenschaft und wenn man hungernde Kinder zu Hause hat, dann pfeift man auf die Moral. Oft war es Liebe, oft Berechnung.
Das gibt die Generation von damals aber wohl nicht so gerne zu... Dabei ist es nur menschlich.

#5 - 20.02.2017, 11:24 von Thomas Schäfer

Care-Pakete

Mein Vater, Jahrgang 1938, gerät beim Erwähnen der Care-Pakete immer leicht ins Grübeln. Gehört hatte er damals von diesen Paketen, gesehen oder gar davon profitiert nie. Die Menschen in meiner Region versuchten ihr Glück beim Hamstern

#6 - 20.02.2017, 11:48 von Gunda Mapache

Care Pakete

Meine Familie hat in Westberlin öfter care pakete bekommen und auch die Blockade 48 nur mithilfe der Amerikaner überlebt. Das nachdem sie von den Russen "befreit" worden waren, incl. mehrfacher Vergewaltigung. Das ist keine Propaganda, sondern einfach Erlebnisse aus erste Hand.

#7 - 20.02.2017, 12:45 von Nicole Cordier

Mein Vater im Nachkriegswinter

Auch mein Vater, Jahrgang 1940, hat nie ein Care-Paket gesehen, da meine Oma keine Kirchgängerin gewesen ist - dies aber im katholischen Rheinland, zumindest in Brühl, die Ausgabestelle gewesen ist. Allein mit vier Kindern gab es diese Hilfe für sie nicht. Viel schlimmer war aber in seinen Erzählungen, dass er und sein vier Jahre älterer Bruder zur bäuerlichen Verwandschaft ins Vorgebirge geschickt worden ist, um irgendetwas zu Essen zu erbitten. Den dortigen Bauern ging es wohl damals nicht ganz so schlecht. Nach einem halben Tag Fußweg wurden mein Vater und sein Bruder trotzdem ohne eine einzige Kartoffel von den "geizigen Buuren" wieder heim geschickt - halb erfroren und entkräftet. Eine Geschichte, die meinem Vater auch Jahrzehnte später noch Tränen in die Augen getrieben hat...

#8 - 20.02.2017, 12:56 von Klaus-Peter Studer

Bombenkrieg

Ohne die Hilfe der Amerikaner hätten viele diese schweren Jahre nicht überlebt. Ohne den Bombenterror hätte die Bevölkerung gar nicht so leiden brauchen. Von Deutschland ging der Krieg aus. Die Deutschen waren unbarmherzig und grausam. Auch gegen die eigene Bevölkerung. Widerspruch bedeutete häufig den Tot. Verbrechen auf der einen Seite rechtfertigen keine Verbrechen auf der anderen Seite. Die Alliirten waren kaum besser als die Deutschen. Vorsätzlich und geplant wurden ganze Wohngebiete in Schutt und Asche gelegt. Die Amerikaner und die Engländer wussten sehr genau wen sie da treffen. Keine kriegswichtig Industrie, militärische oder staatliche Einrichtungen. Sie hatten gezielt Zivilisten bei lebendigen Leib verbrannt. Grausam und unbarmherzig. Sie hatten gezielt die Infrastruktur vernichtet. Auch die die der Versorgung der Bevölkerung diente. So was bezeichnet man zu Recht als Völkerrechtsverbrechen. Für die Care Pakete schulden wir den Amerikanern Dank. Vergewaltigungen gab es nicht nur bei den Russen. Auch bei den Westmächten. Sicher nicht in dieser grausamen Form. Deutschlands Schuld ist unbestritten. Es ist aber falsch, deswegen die Verbrechen der Alliirten zu rechtfertigen oder schönzureden. Was rechtfertigt es, wenn man einen Menschen bei lebendigen Leib verbrennt? Der Hunder in Deutschland war auch eine Folge des Bombenterrors. Eine Folge davon, dass die Kriegsgegner nicht die Nazis bekämpft hatten, sondern die Bevölkerung. Terror gegen Terro. Das bleibt ein Verbrechen. Menschlichkeit ist nicht teilbar

#9 - 20.02.2017, 13:20 von F. Kurz

Kuh im Nebenzimmer - für meine Babymilch

Am kalten 2. März 1947 wurde ich in Traunstein geboren. Meine Eltern hatten vorsorglich ins Nebenzimmer eine Kuh gestellt und für sie auch Futter-Heu im Dachspeicher gesammelt. So konnten sie mich mit Baby-Milch versorgen - und hatten auch Milch zum Tauschen übrig.

Ich danke Euch!

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