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Zwickel im Schritt

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#1 - 16.08.2012, 18:26 von René Lehmann

Erlauben Sie mir bitte, etwas anzumerken:

Herr Bracht war nicht preußischer Innenminister, konnte er auch garnicht, da es zu diesem Zeitpunkt keine preußische Regierung mehr gab. Letzter Inneminisrter des Freistaates Preußens war Carl Severing (SPD) - und dieser hatte sicher ganz andere Probleme im Auge als die Bademode. Und das war ja wohlauch das Problem für die Reichsregierung weswegen die letzte Regierung des Freistaates Preußen mit dem Preußenschlag am 20. Juli 1932 sauber aus dem Weg geräumt wurde. Vorgeblich weil sie nicht Herr der Lage sei (Altonaer Blutsonntag), tatsächlich aber wohl, weil man in Preußen doch allzu vehement gegen die politischen Ränder vorging - nicht umsonst hat sich hier Preußen die von Historikern verwendete Bezeichnung "Bollwerk der Demokratie in Weimar" erworben. Die Staatsgewalt hatte zur Zeit des Zwickelerlasses im Freistaat Preußen somit die Reichsregierung inne. Herr Bracht war als stellvertretender Reichskommissar für Preußen lediglich mit den Aufgaben des Innern betraut. Sicherlich ist der Zwickelerlass eine Posse, aber nicht eine, die einer immer wieder herbei geredeten preußischen Regelungswut geschuldet sein würde.

weiß-schwarze Grüße

#2 - 16.08.2012, 18:26 von René Lehmann

Ein Nachtrag zu meinem vorigen Eintrag:

Im Artikel heißt es:

"Vor 80 Jahren versuchte der Berliner Beamte Franz Bracht, die Freizügigkeit an deutschen Stränden per Gesetz zu verbieten. Sein "Zwickelerlass" wurde zum peinlichen Beleg für preußische Regulierungswut"

Nun selbst wenn Herr Bracht Innenminister des Freistaates Preußen gewesen wäre, was er nicht war, so hätte eine Verordnung des Freistaates Preußen keine Gültigkeit an allen DEUTSCHEN Stränden besessen, sondern nur an jenen des Freistaates PREUßEN.

#3 - 16.08.2012, 18:27 von

In einer früheren Version des Textes hieß es, Bracht sei preußischer Innenminister gewesen. Er war aber als stellvertretender Reichskommissar nur mit den Aufgaben eines preußischen Innenministers betraut. Wir haben den Fehler korrigiert.

Die Redaktion.

#4 - 17.08.2012, 09:12 von T a Rashid

80 Jahre - das macht doch sehr transparent, die Freizuegigkeit die wir gerne nach aussen tragen sind erst vor kurzer Zeit entstanden.

Wann haben Frauen das Wahlrecht in Europa erhalten?
Muenster (Westf) in den 60er, unverheiratete Paare erhielten keine Wohnung!

#5 - 17.08.2012, 09:12 von

Und aktuell? Wie lange ist es her das sich so genannte EU-Kommissare um die Krümmung saurer Gurken sorgte. Bananen mussten gerader werden. Grüne Punkte wurden an riesengroße Spassmobile gepappt. Deutschland leistete sich in schwierigsten Zeiten eine Rechtschreibreform....

#6 - 17.08.2012, 11:25 von Ulrike Berndt

Herr Bracht hat den Zwickel ebensowenig erfunden wie irgendein anderer preußischer Beamter. Zwickel gibt es seit Jahrhunderten in Kleidungsstücken.
Das lustige am sogenannten Zwickelerlass war wohl die überaus häufige Verwendung dieses - sonst eher selten benutzten - Wortes.

#7 - 17.08.2012, 11:27 von Siegfried Wittenburg

"Und aktuell?"

The evil is always and everywhere! :-)

#8 - 17.08.2012, 18:05 von Eberhard Schmidt

Der Zwickel wird nicht "aufgenäht", sondern ist ein Teil des Schnitts. Ein Kleidungsstück wird aus mehreren ebenen Stücken zusammengenäht und ergibt dann eine dreidimensionale Oberfläche.
Wie die beschaffen ist, hängt natürlich vom Schnittmuster ab, und eben auch davon, aus wievielen und welcherart Teilen das ganze zusammengenäht wird.
Mit Zwickel zwischen den Hosenbeinen drücken sich manche Körperteile nicht so deutlich ab. Eine Dreiecksbadehose hat keinen Zwickel, und eine Jeans auch nicht.
Also nichts mit "aufgenäht".

#9 - 14.03.2014, 12:00 von Kai Bonte

Zwickel im Schritt

Kampf den Nackedeis: Vor 80 Jahren versuchte der Berliner Beamte Franz Bracht, die Freizügigkeit an den Stränden Preußens per Gesetz zu verbieten. Sein "Zwickelerlass" wurde zum peinlichen Beleg für die Regulierungswut der Politiker, Bracht selbst aber ging gnadenlos baden. Von Katja Iken