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Fehlende Hilfe: Suizidgefahr bleibt oft unerkannt

DPA Menschen mit Suizidgedanken glauben häufig, dass sie keine Hilfe brauchen - ein Fehlschluss. Forscher suchen nach Anhaltspunkten, damit Ärzte und Umfeld die Gefahr rechtzeitig erkennen.
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#1 - 05.05.2014, 14:46 von Andr.e

Zitat von sysop
Menschen mit Suizidgedanken glauben häufig, dass sie keine Hilfe brauchen - ein Fehlschluss. Forscher suchen nach Anhaltspunkten, damit Ärzte und Umfeld die Gefahr rechtzeitig erkennen.
:) - Das ist süß. Den meisten Ärzten geht es wie allen anderen, sie leben nach dem Prinzip der Gaußchen Glockenkurve. Ein paar sehr gute, ein paar schwarze Schafe und gaaaaaanz viel Mittelmaß. Und das Mittelmaß ist nicht zwingend dafür bekannt, sich mit Dingen abseits von Schema F auseinanderzusetzen. Wenn man also seinem Arzt nicht direkt ins Gesicht sagt: "Ich bring mich morgen um!", dann werden die deutlichen Anzeichen auch immer wieder verkannt werden. Von starken Charakteren abgesehen gibt es KEINEN, der sich ohne diese Anzeichen ansatzlos das Leben nimmt.

#2 - 05.05.2014, 15:35 von huggythebear

Gene

Immer wieder wird dieser Schwachsinn diskutiert, dass das Erbgut allein einen Einfluss auf psychische Erkrankungen haben soll. Dabei haben epigenetische Forschungen längst gezeigt, dass sich Genaktivität unter negativen Umweltbedingungen verändert. Somit sind Umwelteinflüsse das entscheidende Moment und nicht die Gene. Aber das ist den meisten Forschern nach wie vor zu kompliziert und sie suchen weiterhin lieber nach dem bösen Gen, das einen schizophren, suizidal oder panikgestört macht. Vielleicht suchen sie demnächst auch nach dem Gen, das erklärt wieso ich lieber Cola als Pepsi trinke. Am Marketing kann es ja nicht liegen ;-)

#3 - 05.05.2014, 15:43 von andreu66

Hilferuf oder Bilanzselbstmord und freie Entscheidung

Oft wird ein Selbstmordversuch unternommen, der "nur" ein Weckruf für andere sein soll. Diese Betroffenen wollen ihre Probleme lösen, wissen aber nicht wie.
Beim Bilanzselbstmord trifft man für sich persönlich die Entscheidung, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist und keine Hoffnung auf Besserung besteht. Da diese Betroffenen sterben wollen, verheimlichen sie ihre Pläne so gut wie möglich. Also, wenn es schon der Ehepartner nicht merken soll, offenbare ich mich auch nicht meinem Arzt. Menschen, die Selbstmord begehen, sind keine Egoisten und haben das Leid, das sie mit ihrer Tat bei anderen verursachen sicherlich bedacht, trotzdem haben sie sich zu diesem Schritt entschieden. auch wenn es schwer fällt, muss man diese Freiheit, sein eigenes Leben und auch seinen eigenen Tod zu bestimmen, akzeptieren.
Und wenn man das akzeptiert, hilft es vielleicht ungerechtfertigte Schuldkomplexe zu verarbeiten.

#4 - 05.05.2014, 15:53 von psychologiestudent

Zitat von huggythebear
Immer wieder wird dieser Schwachsinn diskutiert, dass das Erbgut allein einen Einfluss auf psychische Erkrankungen haben soll. Dabei haben epigenetische Forschungen längst gezeigt, dass sich Genaktivität unter negativen Umweltbedingungen .......
ich fürchte da sind Sie dem Spiegelhype vor ein paar Jahren aufgesessen. Seriöse Wissenschaftler argumentieren nicht für oder gegen Gene oder Umwelt, sondern sprechen immer von einem Zusammenspiel. Epigenetische Mechanismen sind kein Argument gegen die Bedeutung der Gene, sondern eine Erklärung, warum bei gleichen Genen bei manchen eine Krankheit ausbricht und bei manchen nicht, also eine genauere Erklärung dieses Zusammenspiels. Auch lässt sich nicht jedes Gen epigenetisch "ausschalten".

#5 - 05.05.2014, 16:04 von ein_wanderer

Der Tod zieht...

meiner Meinung nach, kann der Tod eines Angehörigen, Menschen hinterherziehen. Das heißt, der Angehörige folgt dem geliebten Menschen nach. Das ist, so absurd es klingen mag, ein Zeichen unterschwelliger Solidarität, ein Akt der Liebe. Er ist gestorben, oder sogar, er möchte sterben, so solidarisiere ich mich und ziehe nach bzw. sogar vor. Sabotiere also mein Leben und folge ihm. Eine tiefe Verzweiflung. Ohne sich wirklich bewusst zu sein, dass der Angehörige es lieber sehen würde, wenn ich mein Leben annehmen und eine Weile bleiben würde. Es scheint hier Verkettungen zu geben, die bewusst gemacht werden müssen und dann lösen sie sich auf wunderbarer Weise.
Ein wesentlicher Irrtum der suizidalen Menschen ist, dass Sie ihre LebensUMSTÄNDE mit ihrem Leben verwechseln. Sie möchten, so wie sie derzeit Leben NICHT leben. Und erliegen dem Irrtum, das Leben zu beenden, statt die Lebensumstände zu ändern. Sie erliegen dem Irrglauben, eine Änderung der Lebensumstände sei nicht mehr möglich.
Eine wirklich suizidaler Mensch, der äußerlich keine Hilfezeichen sendet, wird sich kaum davon abbringen lassen, da er wie oben gesagt, keinen Hilfebedarf erkennt. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass ein Suizid immer ein Fehler ist, der unter falschen Annahmen entsteht. Auch wenn kein Ausweg in Sicht scheint.

#6 - 05.05.2014, 16:09 von psychologiestudent

Zitat von andreu66
Oft wird ein Selbstmordversuch unternommen, der "nur" ein Weckruf für andere sein soll. Diese Betroffenen wollen ihre Probleme lösen, wissen aber nicht wie. Beim .....
ihre Idee des "Bilanzselbstmordes" ist nicht gerade neu, aber bei den meisten der Suizidalen mit solchen Ideen liegt eine manifeste affektive Störung vor, die die Freiheit der Entscheidung stark beschränkt, weil sie sich auf die Denkfähigkeit auswirkt. Manche Schätzungen gehen von einer Rate von 90% psychischer Erkrankungen bei Suiziden aus. Manche bringen sich als Kurzschlussreaktion um, vielleicht auch als Rache oder aus Verzweiflung, manche im Wissen über eine tödliche Krankheit, viele aber (wie gesagt) im Rahmen einer Depression, Schizophrenie oder bipolaren Erkrankung. All diese Störungen kommen in Schüben, d.h. nach der akuten Phase sind auch die Suizidideen fort, was denen nicht mehr hilft, die sich in der Phase umgebracht haben.

#7 - 05.05.2014, 16:41 von BettyB.

Suicid ist kein Mord

Und jemandem, der keine Lust mehr zum Leben hat, sollte nach Hilfsangeboten geholfen werden, in Würde und nicht unter einem Triebwagen zu sterben.

#8 - 05.05.2014, 17:19 von joactin

Existenzielles Problem

Jeder Mensch ist ein Verarbeitungsresultat des Zusammenwirkens von biologischen und sozialen Gegebenheiten. Von dieser Tatsache ist auch die allgemeine Ärzteschaft nicht ausgeschlossen und vielleicht sollte es eines besonderen Studiums wert sein, herauszufinden, warum deren Anteil an Suiziden über dem Durchschnitt liegt.

#9 - 05.05.2014, 17:36 von Bonewerkz

Depression heisst hier: sie sind einfach traurig ueber den Verlust ihrer Eltern. Deswegen "erkranken" sie. Warum bringen sich mehr Arbeitslose um, als "nicht-Arbeitslose"?
Weil: In einer Gesellschaft, die ihre Mitmenschen anhand ihrer Leistungen, und Arbeit bewertet, sind Menschen ohne Arbeit keine Menschen mehr, sondern nur Personen. Ohne nutzen, ohne Geld, ohne Konsumkraft, deshalb sind diese "Personen" ueberfluessig. Ueberall wird das suggeriert, bis diesen Leuten dann auch bewusst wird, dass sie ueberfluessig sind. (ich weiss es aus eigener Erfahrung.) Soziale Kontakte werden abgebrochen, niemand will was mit so einem "Nichtsnutz" zu tun haben. Nicht einmal die Familie, die Eltern, die Geschwister. (Auch selbst erlebt.)
Und das hat nichts mit irgendwelche Gehirnchemie zu tun, wenn ich mal wieder einen gscheiten Job kriegen wuerde, wollte ich mich auch nicht umbringen.
Aber so... wer weiss, ob ich noch am Weihnachten da bin.

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