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Körper und Psyche: Wie Entzündungen Depressionen auslösen

Corbis Depressionen haben ihren Ursprung nicht allein in der Psyche. Immer deutlicher zeigen Studien: Oft sind Entzündungen im Körper mit im Spiel. Wie stark steuert das Immunsystem unsere Gefühlslage?
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#1 - 17.04.2015, 07:11 von Brillalein

Dazu kann ich nur sagen...

Seit 4 Jahren chronische Nebenhöhlenentzündung, zusammen/dadurch auch chronisch entzündete Zahnwurzeln. ENDLICH krieg ich KEIN Blümchenzeugs sondern mal Antibiotika, die auch Streptokoggen abdecken - Voila, mein Hirn gehört wieder mir, Essen schmeckt wieder, mein Kind ist wieder zahm, das Leben ist kein überflüssiger Tunnel mehr...
Chronische Entzündungen machen einen fertig. Und weil man nicht mit blauen Punkten im Gesicht und 50° Fieber bewegungsunfähig ist, wird einem nicht geholfen. Da muss erst mal ein GUTER Zahnarzt kommen.
Sicher, das ist 'anekdotisch'. Aber es zeigt, dass eine Suche auch in andere Richtungen als der klassischen Wegsprechung der Symptome in Betracht zu ziehen wäre. Schon ein zu hoher Backenzahn kann eine chronische, latente Entzündung am Kiefergelenk verursachen, die einen auf Dauer debilisiert.

#2 - 17.04.2015, 07:27 von Thomas Mank

Epilepsie

Einer meiner besten Freunde hat sich vor einigen Monaten völlig überraschend das Leben genommen. Er hatte, äusserlich betrachtet, keinen Grund dafür; er verdiente viel Geld, war klug und hochgebildet, führte eine liebevolle Ehe, bereiste die Welt. Aber er bekam seit seiner Jugend alle par Monate, in der Regel um den Jahresanfang herum, nächtliche epileptische Anfälle. Davor fürchtete erst sich nicht nur, sondern haderte auch damit, Medikamente zu nehmen, die nicht ohne Nebenwirkungen waren. Heute mutmaßen seine Witwe und wir hinterbliebenen Freunde, dass es möglicherweise dieser "Defekt" im Gehirn war, der ihn in eine aussichtslose Stimmung getrieben hat. Die ihm womöglich selbst gar nicht plausibel und dadurch umso unerklärlicher und nicht mitteilbar war.

#3 - 17.04.2015, 08:09 von vhn

Entzündung = Depression

Der Titel ist irreführend. Entzündungen lösen nicht Depressionen aus. Das kann man natürlich nicht so stehen lassen. Vielmehr gehen Entzündungen mit Symptomen der Depression einher. Kennt jeder von einer Grippe: Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit usw. Der Artikel erweckt den Anschein, dass es quasi eine neue Depressionsbehandlung gibt. Das ist natürlich Unsinn. Aber in den Fällen, wo Depressionssymptome durch Entzündungen verursacht sind, muss man dies natürlich erkennen und die Entzündung behandeln, nicht die Depression. Das Ganze ist übrigens nicht neu, sondern seit vielen Jahren bekannt.
Es gibt übrigens auch einen umgekehrten Zusammenhang. Nämlich dass Depression einen unterschwelligen Entzündungsprozess verursacht, der z. B. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

#4 - 17.04.2015, 08:13 von amidelis

Hallo

Liebe Kollegin,

Ich hätte mir gewünscht sie hätten den sensationellen und für diese Frage eminent wichtigen Sachstand der Psychoneuroimmunologie besser dargestellt.

#5 - 17.04.2015, 08:37 von pitgiss

Aus eigener Erfahrung

kann ich das nur bestätigen. Ich habe es selbst bei mir schon beobachtet, dass ich bei einer aufkommenden Erkältung teilweise ziemlich weinerlich und ängstlich wurde, obwohl ich das sonst nie bin. Nach Ausbruch der Erkältung und leichtem Fieber war diese Phase spontan beendet und alles fühlte sich wieder normal an. Der Artikel klingt für mich absolut plausibel.

#6 - 17.04.2015, 08:41 von hwdtrier

Scheint auch bei

Tucholsky so gewesen zu sein und Auslöser seines Selbstmordes.

#7 - 17.04.2015, 08:42 von birgerhemkendreis

Mehr Artikel davon...

Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass den Wunderheilern und Homöopathen das Wasser bis zum Halse steht. Sie können immer häufiger beweisen, dass es körperliche Probleme sind, die zu psychischen Problemen führen. So wie die Menschen damals glaubten, dass die Erde eine Scheibe sei (und die Kirche alle Andersdenkenden töten ließ), so gibts auch heute noch viele Erkrankungen, denen man noch nicht auf die Schliche gekommen ist. Darauf stürzen sich dann gern alle Pseudomediziner und verschreiben Wasser und Zuckerkügelchen,legen Hand auf oder messen die Lebensenergie mit technisch kindlichen Geräten,und sie machen damit ordentlich Kohle.
Statt zu impfen gibts vegane Ernährung, usw...
Also,schön zu sehen, dass man die Fortschritte der echten Wissenschaft hier zeigt..

#8 - 17.04.2015, 08:42 von diskantus

erst die Psyche, dann der Körper.

"können die Psyche so stark beeinflussen, dass die Betroffenen depressiv werden"
das stimmt so nicht. Auch wenn die westliche Medizin es gerne hätte: die Psyche steuert den Körper, nicht umgekehrt.
Natürlich hätte die Pharmaindustrie - die solche "Studien" bezahlt - viel davon, nicht nur Psychopharmaka, sondern auch Entzündungshemmer und Antibiotika zu verkaufen ... es geht ums Geld, nicht um Gesundheit.

Wer durch Schmerzen depressiv wird - also mehr als niedergeschlagen, ver-stimmt: der hat die Neigung zu Depression, d. h. eine seelische Störung, bereits in sich.
Das bedeutet: die wirkliche Ursache für die gegenwärtige Depression ist nicht körperlich bedingt (Entzündung), sondern von einem psychisch prägenden Ereignis bestimmt. Dieses Ereignis (Trauma) kann weit zurück liegen, in der Kindheit (verdeckte Depression - verdrängtes Erlebnis); hier muss gesucht werden.

Der Pharmabranche nutzt allerdings die Betonung der Psyche vor dem Körper nichts. Daher der Versuch, den Körper voran zu stellen: er lässt sich umfangreicher medikamentös behandeln.

#9 - 17.04.2015, 08:46 von amorlibertatis

Körper macht Psyche krank - warum nicht auch umgekehrt?

Liebe Autorin,
vielen Dank für den informativen Artikel. Aber leider reden Sie ziemlich einseitig - und sehr verkürzt - den "Biologen unter den Psychiatern" das Wort. Überspitzt formuliert: Jetzt wissen wir, dass Depression eigentlich eine "körperliche" Erkrankung ist. Dabei legen Ergebnisse der psycho-neuro-immunologischen Forschung nahe, dass das Gegenteil - also in diesem Falle etwa die Depression, die eine Entzündung (Rheuma, MS etc.) auslöst - mindestens genauso richtig ist. Aus meiner Sicht müsste das Fazit sein, dass wir bislang tatsächlich nur sehr wenig wissen über das komplexe Wechselspiel zwischen Körper und Psyche! Vielleicht stellt sich ja eines Tages heraus, dass die ganze Einteilung in psychische und körperliche Erkrankungen dem Menschen gar nicht gerecht wird?!

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