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Medikamente: Wie gut wirken Antidepressiva?

Getty Images Millionen Menschen leiden unter Depressionen - Dutzende Medikamente versprechen, die Beschwerden zu lindern. Forscher haben nun mehr als 500 Studien ausgewertet, um den Nutzen der Mittel genauer zu beziffern.
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#1 - 22.02.2018, 20:01 von vera gehlkiel

Mir erscheinen acht Wochen Zeitdauer zur Wirkungsüberprüfung mehr als knapp bemessen. Mein Fachwissen in dieser Richtung ist nicht mehr brandaktuell, aber wenn ich das noch richtig zusammenkriege, muss man alleine schon vier Wochen darauf rechnen, bis etwa bei Escitalopram eine Stabilisierung des Wirkungseintrittes insofern erreicht ist, als dass die anfänglich oft harten Nebenwirkungen wie gastrointestinale Störungen, starke Dösigkeit, Schlafstörungen und allgemeine Antriebsschwäche sich soweit gelegt haben, dass für den Patienten subjektiv der Nutzen den Schaden überwiegt. Im weiteren Verlauf gibt es dann häufig noch einen Anpassungsbedarf in Richtung der Zieldosis. Die wiederum aber essentiell davon abhängt, ob eine Umfeldstabilisierung während und nach der akuten Krisis gelingt. Um dies adäquat zu leisten, muss eine engmaschige Behandlung mit Gesprächen zudeckender und Schuldgefühle energisch relativierender Charakteristik die Tablettenaufdosierung begleiten. Ob Antidepressiva einem Menschen in der Krise sofort gegeben werden sollten, würde ich bezweifeln, dies kann seine Compliance entscheidend negativ beeinflussen. Gegebenenfalls sollten hier starke Angstlöser primäres Mittel der Wahl sein. Ich persönlich halte Antidepressiva im mittelfristigen Verlauf, dann immer gemeinsam mit einer hochwertigen Psychotherapie, aber für den Königsweg gegen die Depression. Ein Weg, der nach meinem Dafürhalten vorwiegend deswegen verbaut wird, weil verschreibende Ärzte entweder selbst nicht so richtig daran glauben, dass diese Mittel helfen, oder sie ihre Patienten nicht adäquat darüber aufklären, dass die Einnahme zu Beginn nachgerade qualvoll sein kann. In dieser Zeit braucht der Patient einen Rückzugsort und die Gewissheit, im Arzt jederzeit einen Partner anzutreffen, der ihn ernst nimmt. Dann klappt es sicher auch mit den Tabletten. Die Erleichterung, die sie bieten, ist sehr oft eine Option, die sich der selbstquälerische Depressive nachhaltig verbaut hat. Dass jemand in diesem Zustand nach acht Wochen Behandlungsphase die Nutzwirkung eines Medikaments mit zureichender innerer Distanz beurteilen können wird, halte ich für relativ unwahrscheinlich.

#2 - 22.02.2018, 20:02 von user124816

einerseits sind depressionen mist, andererseits finde ichs gut das ich damit nicht alleine da stehe.
ich hatte vor einigen jahren mal das was ich meine ganz persönlichen 3 monate hölle nenne. das erstaunliche dabei war, dass ich einerseits wusste das ich depressionen habe, aber dieses wissen nichts nutzte. der depressive emotionale teil hatte sein eigenleben, und der rationale teil konnte nur zusehen.
inzwischen fange ich beim leisesten symptom an johanniskrauttee zu trinken und vitamin d zu schlucken - meißt in den wintermonaten. jetzt z.b.

#3 - 22.02.2018, 20:07 von Grummelchen321

Bitte

fügen Sie einen Hinweis über Hilfsangebote dem Artikel zu.Danke

#4 - 22.02.2018, 20:31 von bissig

Statistik

Im Aritkel steht "Etwa jeder fünfte bis sechste Mensch in Deutschland entwickelt irgendwann im Laufe seines Lebens eine Depression schätzen Experten. Das bedeutet auch: Binnen einem Jahr erkranken etwa fünf bis sechs Millionen Menschen in Deutschland." Bei 80 Mio Einwohnern wären das bei jedem 5. insgesamt 16 Mio, die irgendwann an einer Depression leiden. Jedes Jahr erkranken 5-6 Mio. Auch wenn es Rückfälle gibt, kann hier irgendwas nicht stimmen.

#5 - 22.02.2018, 21:01 von adama.

Wirksamkeit versus Abhängigkeit

Ich habe keinen Zweifel, dass die meisten Mittel bei vielen Menschen wirken. Doch was ist mit Gewöhnung und Abhängigkeit? Ein Mensch der Depressionen oder eine sonstige Störung hat, verfügt meist noch über Möglichkeiten seinen Zustand zu kontrollieren, Schmerz und Leid zu ertragen. Er ist ja damit aufgewachsen. Wenn man nun aber über längere Zeit die Mittel bekommt, dann verliert der Mensch vielleicht die Fähigkeit die "Krankheit" zu ertragen. Depressionen werden nach einer Absetzung schlimmer, andere Gefühle, wie Wut, Hass, vielleicht unkontrollierbar. Dann wird ein Selbstmord und sogar ein erweiterter Selbstmord noch wahrscheinlicher.

#6 - 22.02.2018, 21:24 von spon-facebook-10000012354

Überregionale Krisentelefone

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe nennt folgende Überregionale Krisentelefone:
Mailberatung sowie Chatberatung sind bei allen Anlaufstellen über die Website möglich.
Deutschland Tel.: 0800 / 11 10 111 Tel.: 0800 / 11 10 222
Rund um die Uhr
www.telefonseelsorge.de
telefonseelsorge@diakonie.de
Kinder- und Jugendtelefon Tel. 0800 / 11 10 333 Mo - Sa 14:00 - 20:00 Uhr
www.nummergegenkummer.de
Österreich
Tel.: 142 Rund um die Uhr
www.telefonseelsorge.at
Schweiz
Tel.: 143 Rund um die Uhr
www.143.ch
Quelle: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

#7 - 22.02.2018, 21:31 von carlwilde

Bedeutungslose Studie...

... aber immerhin sauberer Journalismus: Sie weisen die offensichtlichen Schwachstellen aus. Was soll den herauskommen, wenn 80% der verwendeten Studien pharmafinaziert wurden? Die pharmafreundliche Tendenz im Ergebnis wird durch das Faktum verstärkt, dass es sich um „veröffentlichte“ Studien handelt, also eben nicht um jene, die den gewünschten Effekt („besser als Placebo!“) nicht nachwiesen und in den Schubladen verschwanden.
Ich empfehle weiter die Übersichtsarbeiten von Irvin Kirsch et al., der die zur Zulassung bei der FDA eingereichten Studien mittelte und eben keinen nennenswerten Unterschied fand zwischen Verum und Placebo. Zur Zulassung eines Medikaments reichte seinerzeit der Wirknachweis in zwei Studien, egal wieviel zuvor durchgeführte Studien negative Ergebnisse ergeben hatten. Dieser Missstand soll mittlerweile beseitigt worden sein, Skepsis bleibt angebracht bei Studien, die nicht völlig pharmaunabhängig durchgeführt wurden.
PS: Kirsch fand Durchschnittswerte von Placebo und Verum, die sich statistisch nicht wirklich unterscheiden ließen. Bei genauerer Betrachtung gab es aber doch Patienten, die von der Pharmakotherapie extrem profitierten. Andere liefen Amok oder brachten sich um (s. „Gefährliche Glückspillen“, ARD-Doku, auf Youtube anzusehen)

#8 - 22.02.2018, 21:50 von danduin

Tja, als ich zwei Jahre Depressionen hatte, da half es nicht dass man es weiss. Und Schmerzen oder Depressionen konnte ich auch manchmal nicht aushalten. Der Glaube an irgendetwas hat mir geholfen, sehr viel positiver Optimismus, neue Erfahrungen und etliche Monate. Depressiva half zeitweise, bis man es aussetzte.

#9 - 22.02.2018, 22:11 von spon-facebook-10000012354

Anders als in allen Lehrbüchern

1. Wenn die Ansprechbarkeit nach 3 bis 4 Tagen zu erkennen ist, dann sollte dies unbedingt als Leserbrief im Deutschen Ärzteblatt publiziert werden, denn dies steht in allen Lehrbüchern anders.
2. Die Möglichkeit einer Abhängigkeit von Antidepressiva wird ebenso bestritten, wenn auch hier Ansätze zu einer Diskussion zu konstatieren sind. Jann E. Schlimme ist niedergelassener Psychosenpsychotherapeut und leitete bis zum Frühjahr 2015 eine Sprechstunde zum Reduzieren oder Absetzen von Psychopharmaka an der Charité. Er kritisiert, dass das Problem der Abhängigkeit bei Antidepressiva und Neuroleptika oft ignoriert werde. Dazu muss gesagt werden, dass »Abhängigkeit« von Antidepressiva und Neuroleptika etwas anderes meint als zum Beispiel Alkoholismus. Es geht nicht darum, dass der Patient eine Sucht entwickelt und immer mehr von dem Mittel verlangt. Das Problem besteht in der Anpassung des Organismus, einschließlich des Hirnstoffwechsels, an die Wirkung der Medikamente. So steht zum Beispiel nach dem Absetzen von Serotoninwiederaufnahmehemmern an der empfangenden Nervenzelle weniger Serotonin zur Verfügung als während der Medikamenteneinnahme. Denn es wird auf einmal viel schneller wieder in die sendende Zelle zurücktransportiert. In der Folge sei es sehr wahrscheinlich, dass bei einem plötzlichen Absetzen des Medikaments Entzugserscheinungen auftreten, sagt Schlimme.
Nach wie langer Zeit solche Abhängigkeitsmechanismen auftreten, lässt sich nicht eindeutig sagen und ist individuell verschieden. »Ab sechs Monaten können Sie aber ziemlich sicher sein, dass beim Absetzen oder Dosisreduzierung Entzugserscheinungen auftreten«, sagt Jann Schlimme.
https://www.tagesspiegel.de/themen/geist-und-seele/psychopharmaka-keine-wunderpillen/13429798.html
https://www.psychiatrie-verlag.de/autorenautorinnen/details/author/jann-e-schlimme.html

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