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Psychotherapie: Das Warten hat kein Ende

Getty Images/Passage 20 Wochen: So lange müssen Patienten in Deutschland im Schnitt warten, wenn sie eine Psychotherapie benötigen. Eine Reform sollte das ändern. Doch Verbände ziehen jetzt eine ernüchternde Bilanz.
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#10 - 14.04.2018, 01:16 von practicus

Wo leben Sie denn?

Zitat von lachina
Da es einfacher ist, in einer psychiatrischen Akutstation aufgenommen zu werden, landen da eine Menge Patienten, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten, weil ambulant für sie ausreichend wäre; belegen Betten, wärerden mediziert und beginnen eine Psychiatrie- Karriere, die sehr schnell in die Erwerbslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Verarmung führt - menschlich schon fgar nicht, aber auch wirtschaftlich überhaupt nicht sinnvoll.
Versuchen Sie das mal - ohne Zwangseinweisung oder eine akute Psychose oder ernsthaften Suizidversuch in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen zu werden! Die Wartezeiten liegen zB in meiner Stadt (220.000 EW, zwei psychiatrische Kliniken) bei ca 3 Monaten, für die Tagesklinik bei 6 Monaten!
Es hat ganz einfach niemals eine echte Bedarfsermittlung stattgefunden - per Gesetz wurde einfach die Anzahl zugelassener Psychotherapeuten an einem Sichtag "X" für "100%" erklärt - wie auch bei allen anderen Arztgruppen

#11 - 14.04.2018, 09:36 von patientencoach

Coaching für Lebenskrisen, Psychotherapie für Erkrankungen

tobehonest: Ein wahres Wort - welcher Therapeut traut sich schon, einen Klienten (Kunden?) abzuweisen, weil die Person zwar echte Probleme, aber keine mit Krankheitswert in die Praxis trägt? Stattdessen wird vermutlich manch Psychotherapeut diesem Klienten eine Diagnose zuweisen, die annähernd passt, um eine Therapie zu rechtfertigen, das jedoch ist natürlich eine Vermutung. Um so schöner wäre es, wenn die oft vorhandene Kluft zwischen professionellen Coaches und professionellen Psychotherapeuten überwunden wäre und zugunsten der Klienten selbige weiterverwiesen würden. Jeweils in die Hände des - in einer speziellen Situation - besser Geeigneten. So können Coachings zur Verarbeitung von Lebenskrisen (Scheidung, Entlassung, etc.), von schweren und/oder chronischen Erkrankungen (Krebs, MS, etc.) und bei Trauerfällen die Psychotherapielandschaft zugunsten der wirklich Therapiebedürftigen erheblich entlasten. Coaching ist als bezahlte Dienstleistung aus vielen Businessbereichen nicht wegzudenken: Vom Bewerber- über das Karriere- bis hin zum Stress- und Konfliktcoaching helfen Coaches als professionelle Gesprächs- und Prozessbegleiter Menschen in beruflichen Veränderungs- und/oder Problemsituationen.
Wie zahlreiche Erfahrungen u.a. aus unseren Nachbarländern zeigen, kann Coaching auch bei gesundheitlichen Problemen helfen: Professionelles Patientencoaching dient u.a. dazu, eine schwere und/oder chronische Erkrankung zu verarbeiten, leistet Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag als Patient und hilft, die Betreffenden von Ängsten und Sorgen zu entlasten.
Vorteile: neutrale Begleitung, rasche Verfügbarkeit
Nachteile: privat zu finanzieren, wenige Patientencoaches in Dt. verfügbar
Und: Natürlich grenzen sich Patientencoaches, die solide arbeiten, von den Einsatzbereichen anderer Profis im medizinisch-therapeutischen Umfeld klar ab. Sie ersetzen keine Therapie, begleiten diese jedoch wirksam.

#12 - 14.04.2018, 09:37 von t.berner

Seien wir doch mal ehrlich...

...wir wollen die optimale Versorgung in der Psychotherapie und ereifern uns über die Zustände, wie sie in dem Artikel beschrieben werden. Dabei ist der grund doch sehr ersichtlich´: Geld. Die Kassen überweisen im Rahmen der Gesamtvergütung 89,60 Euro für eine Stunde Verhaltenstherapie. Außervertragliche Therapie wird nach der ärztlichen Gebührenordnung abgerechnet und fällt sogar mit etwa 100 Euro pro Sitzung ins Gewicht.

Das muss uns die Gesundheit schwer leidender Patienten doch wert sein.

Und dann kommt das Jahresende mit den Meldungen: Kasse XY erhöht Zusatzbeitrag....Kosten im Gesundheitsbereich immer höher..Politik denkt über generelle Erhöhung des Beitragssatzes nach..und schon ereifern sich die fleißigen Forumsschreiber wieder über das dreiste Verhalten der Abzocker.

Gesundheit kostet Geld. Viel Geld. Die Diskussion wird uns noch gewaltig um die Ohren fliegen in den nächsten Jahren.

#13 - 15.04.2018, 17:50 von gantenbein3

Ich danke Ihnen für den Hinweis

Zitat von patientencoach
So können Coachings zur Verarbeitung von Lebenskrisen (Scheidung, Entlassung, etc.), von schweren und/oder chronischen Erkrankungen (Krebs, MS, etc.) und bei Trauerfällen die Psychotherapielandschaft zugunsten der wirklich Therapiebedürftigen erheblich entlasten.
darauf, dass u.a. Trauer nicht wirklich therapiebedürftig ist. Werde mich also auch drei Jahre nach dem Tod meiner Ehefrau weiterschleppen. Wahrscheinlich bin ich sowieso nur ein Weichei, welches sich am Riemen reißen muss.

#14 - 16.04.2018, 22:27 von iTouch

Alternativen werden mittlerweile in der GKV ausgeschlossen

Ich bin Heilpraktiker für Psychotherapie mit einer zertifizierten Ausbildung zum Systemischen Therapeuten (3 Jahre) sowie in Verhaltenstherapie. Aufgrund meiner Patientenstruktur habe ich mich in den letzten Jahren auf Traumatherapie sowie die Behandlung von Patienten mit Borderline-Störung spezialisiert, d.h. mich entsprechend an von der Psychotherapeutenkammer akkreditierten Instituten weitergebildet und in der Praxis vertieft. In meiner Stadt (250.000 Einwohner) gibt es neben mir gerade mal noch 2 kassenzugelassene Therapeuten, welche eine ambulante DBT für Borderliner anbieten. Kurzum: ein Borderline-Patient, der sich in Behandlung begeben möchte, kann entweder stationär in Behandlung gehen oder hoffen, dass ihn ein Kollege irgendwann mal nimmt. Trotz Nachweis der therapeutischen Qualifikation weigern sich die gesetzlichen Kassen seit dem 1.4.2017 die Kosten einer Therapie in meiner Praxis zu übernehmen - selbst dann, wenn ein kassenzugelassener Therapeut explizit eine DBT empfiehlt. War dies vorher noch möglich wird nun auf die neue Regelung verwiesen. Für die Patienten, die in der Lage sind trotz ihrer Erkrankung einer geregelten Arbeit nachzugehen bedeutet dies, dass sie mit ihren schwerwiegenden Themen allein gelassen werden und sie auf stationäre Angebote zurückgreifen müssen - immer mit der Angst vor dem Jobverlust. Der Zeittaum einer solchen Therapie beträgt jedoch um die 12 Wochen. Alleine für einen einmaligen Aufenthalt ergeben sich hier mal schnell Krankenhauskosten von über € 25.000.-. Da werden also lieber Unsummen verbraten als auf kostengünstigere Alternativen zurückzugreifen.

Ich kann verstehen, dass eine gewisse (und auch gerechtfertigte) Skepsis gegenüber Heilpraktiker für Psychotherapie besteht. Bei Nachweis einer entsprechenden Qualifikation und ausreichender praktischer Erfahrung stellen sie jedoch eine gute Alternative dar. Im Gegensatz zu den GKVs haben die meisten PKVs dies schon erkannt und erstatten daher eine Therapie in meiner Praxis. Aber solange das gesetzliche Gesundheitssystem von Lobbyisten der Vereinigungen mitbestimmt wird .... „Wer den Teich trocken legen will sollte nicht die Frösche fragen“.

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