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Wartezeiten auf einen Therapieplatz: Wie ein Lobbyverband psychisch Kranken schadet

Studio Pong/ DER SPIEGEL Psychisch Kranke müssen ewig auf einen Therapieplatz warten, weil das System eine Behandlung von Menschen mit geringen Leiden fördert. Besserung ist nicht in Sicht - ein mächtiger Lobbyverband verhindert jede Reform.
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#1 - 24.03.2019, 11:36 von Florentinio

Nicht Therapiefähig

Sehr guter Kommentar, fehlt nur der Hinweis, dass besonders schwer erkrankte Menschen nach dem Erstgespräch die Rückmeldung „nicht therapiefähig“ erhalten. Dann bekommen psychisch erkrankte Menschen nur noch Hilfe von jungen Kolleginnen in den Ausbildungsinstituten, die noch nicht die Erfahrung haben, welche Patienten „besonders viel Arbeit“ machen.

#2 - 24.03.2019, 11:38 von Ohnesorg77

Fantastisch - ein Lobbyist wettert gegen diejenigen, die andere Interessen vertreten als er selbst und spricht einem Großteil der Psychotherapiepatienten das Recht ab, behandelt zu werden. Manager können ja auf eigene Kosten "Wasser treten" und die eigene Lebenskrise ist nichts anderes als eine "gesunde" Reaktion, die natürlich nicht "auf Kosten der Solidargemeinschaft" behandelt werden darf. Dass die Krankenkassen 2018 einen satten Überschuss einfuhren, der in dem Artikel keine Erwähnung findet und der scheinbar nicht durch das vermeintliche Heer von Menschen, die therapiert werden, gefährdet ist, bleibt - wie angedeutet - außen vor. Dass die ganzen lächerlichen subjektiven Befindlichkeiten, wegen deren sich Menschen erdreisten, eine Therapie in Anspruch zu nehmen im Falle der Nichtbehandlung erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursachen würden, bleibt ebenso unerwähnt bzw. undurchdacht. Davon abgesehen wird die Kompetenz von Psychotherapeuten (besonders natürlich psychologischer), den Zustand eines Patienten einzuschätzen, in Frage gestellt. Der Artikel ist so überflüssig und wenig erheiternd wie die Karnevalseinlagen von Herrn Lütz oder seine Gemeinheiten bezüglich Menschen wie Eugen Drewermann.

#3 - 24.03.2019, 11:44 von katapultoffel

Als psychisch

Kranke Person, kämpft mann immer an mehreren Fronten. Ich kenne das selbst nur zu gut. Leide selbst seit über 10 Jahren an schweren Depressionen. Zum einen kommt mann, wie im Artikel beschrieben, unglaublich schwer an Therapiplätze. Für jeden mit einer Psychischen Krankheit eine ungeheure zusatzbelastung, da dieser Schritt des eingeständnisses zur (fremd)-hilfe, große Überwindung kostet. Zum anderen ist es dieses Thema Gesellschaftlich nach wie vor verpöhnt. Geht mann mit einem solchen Leiden offen um, wird mann im allgemeinen schnell fallengelassen und/oder ausgegrenzt. Beides so in Hamburg erlebt. Mittlerweile wohne ich wieder in der Heimat (Brandenburg), bekam und bekomme hilfe, und hoffe das dass alles irgendwann mal ein Ende findet. Mann kann nur sagen: Gedanken wiegen nichts. Und dennoch kann mann unter ihrer Last zerbrechen!

#4 - 24.03.2019, 11:48 von NoBrainNoPain

Ich würde das Problem gerne verstehen,

aber das ist mir nach diesem Artikel leider nicht gelungen.Bekommen denn die nur leicht verstimmten schneller einen Termin? Wenn ich herum telefonierte weiß der Therapeut doch noch nicht zu welcher Gruppe ich gehöre, oder falls doch, trifft er dann eine Auswahl? Dann läge das Problem am Therapeuten. Und wer soll den entscheiden, ob eine depressive Verstimmung nicht doch in eine schwere Depression führt? Ich finde, die Kritik ist sehr vage formuliert.

#5 - 24.03.2019, 11:51 von ocmone

Danke!

Ein sehr interessanter Kommentar, der einen ins Grübeln bringt.

#6 - 24.03.2019, 11:56 von Miles Railinc

An die eigene Nase fassen

Zunächst - Sie haben Recht, die Wartezeiten sind zu lang, da sollte sich ändern. Nicht vergessen werden sollten bei Ihrer Darstellung jedoch auch die Menchanismen, die Sie und Ihre Kollegen dabei in der Hand haben. So erlebe ich es täglich, dass in dem Haus in dem ich als Psychologe beschäftigt bin, Patienten auf den Akutstationen Psychotherapie nur zuteil wird, wenn sie privatversichert sind. Die Querfinanzierung an sich ist nichts Neues, aber wie kann es sein, dass privat versicherte Personen (denen es im Einzelfall natürlich nicht besser geht dadurch, dass sie so versichert sind, das ist ganz klar) Zugriff auf bis zu drei Termine pro Woche haben, während gesetzlich versicherte bis zu vier(!) Wochen auf eine Termin bei einem unserer Psychotherapeuten in Ausbildung (!) warten, die für ihre Arbeit mit Max. 450€ im Monat vergütet werden? Denken Sie nicht, dass hier gemeinsamer Grund gefunden werden sollte bevor sie die Schere zwischen ärztlichen Behandlern („wir behandeln ja auch 950 Patienten mehr im Jahr“) durch ihre Äußerungen weiter aufmachen? Das wäre etwas, das den Patienten wirklich helfen würde!

#7 - 24.03.2019, 11:57 von dragonflyer

Widerspruch

Der Artikel geht ja schon gut los: "Wir nahmen die Patientin auf, sie war schwerst depressiv und mit den Nerven völlig am Ende. Nach ein paar Wochen intensiver Therapie ging es ihr wieder gut, und sie konnte stabil entlassen werden." Also bestand augenscheinlich keine Indikation für eine ambulante Psychotherapie. Von daher kann ich Hr. Lütz´s Polemik nicht nachvollziehen. Ich habe noch immer einen schnellen Sprechstundentermin möglich gemacht, genauso wie viele andere Kollegen landauf und landab, wenn Dringlichkeit signalisiert wurde. Das Problem liegt doch an den zu wenigen vorhandenen Kassensitzen.

#8 - 24.03.2019, 12:08 von huz6789

Schmutzige Wäsche vs. Lösungsvorschläge

Wenn es ein Problem für schwer Therapiebedürftige gibt, die sich in Konkurrenz zu leichter Bedürftigen befinden, dann sollte der Autor Lösungsvorschläge machen und nicht nur intensiv öffentlich gegen einen Lobbyverband wettern und leichter Erkrankte als Wassertreter und Leute "mit Gesprächsbedarf" diskreditieren.

Ich habe einen Lösungsvorschlag: Es gibt einen großen Bedarf, für leichtere Erkrankungen das qualifizierte Angebot auszuweiten. Aber die Psychologieausbildung ist dermaßen komplex, teuer, und ein einziger überregulierter Hürdenlauf, dass das Angebot die Nachfrage nicht annähernd deckt. Hier sollte Herr Spahn, der große Ankündiger, und die Therapeutenlobby jetzt mal endlich tätig werden.

#9 - 24.03.2019, 12:10 von dr.psych333

Lütz - kein Experte für ambulante Psychotherapie

Sehr geehrte Redaktion,
Herr Lütz macht sich zu einem Experten, der er nicht ist. Er ist Chefarzt einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Spezialisierte Psychotherapie führt er selbst nur in kleinem Rahmen durch. Hierdurch und durch die Tatsache, dass er ein Bestsellerautor ist, kann er höchstens eine handvoll Patienten selbst psychotherapeutisch behandeln. Wenn er behandelt, hat er mit der Klinik eine mächtige Institution im Rücken, durch die er jederzeit gefährdete Patienten aufnehmen kann. Er hat keine Erfahrung mit einem spezialisierten psychotherapeutschen Alltag einer Kassenpraxis mit 35 therapeutischen Sitzungen pro Woche. Es ist richtig, dass psychisch schwerkranke Patienten viel zu wenig gesellschaftliche Lobby und viel zu wenig therapeutische Unterstützung bekommen. Das darf man aber nicht alleine an der Psychotherapie festmachen. Man darf auch die therapeutischen Möglichkeiten einer ambulanten Psychotherapie nicht illusorisch überhöhen. (Natürlich muss mehr Geld für die psychisch Schwerkranken ausgegeben werden. Das sollte man aber nicht den mittelschwer Kranken für ihre Versorgung wegnehmen. In der Körpermedizin wird eine Lungenentzündung ja auch vernünftig vom Hausarzt behandelt, obwohl er auch schwerstkranke Krebspatienten hat.) Es ist schlicht falsch, dass Patienten heute eine Therapie viel später als früher bekommen. Die Wartezeiten haben sich deutlich verkürzt. Vielleicht bekommt er heute einen Patienten viel schlechter untergebracht als früher, weil er wenig verbunden ist mit den psychotherapeutischen Kollegen und die seine Polemik auch Leid sind. Besonders ärgere ich mich über den Kollegen Lütz, weil er in der öffentlichen Diskussion Kabarett und fachliche Äußerungen nicht voneinander trennt und öffentlich in hohem Maße unfair argumentiert, in dem er mit seiner unterhaltsamen Rhetorik andere lächerlich macht.
Leider scheint er auf eine höchst undemokratische Weise direkt als sogenannter Psychotherapieexperte direkt Einfluss auf den Gesundheitsminister Spahn zu nehmen, der dadurch Formulierungen in neue Gesetze bringt, die für die Fachverbände und aller wissenschafltichen Erkenntnis wiedersprechend aus dem Himmel zu fallen scheinen.
Ich fordere Sie in der Redaktion von Spiegel Online auf, von einem Experten zum Artikel von Herrn Lütz Stellung nehmen zu lassen und zwar von Professor Johannes Kruse, Ordinarius für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Marburg und Giessen, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatischen Medizin und Psychotherpie.

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